Käpt’n Iglo oder Graf von Zeppelin? Realschüler erfahren Neues über Werdohler Industriegeschichte

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In der Zeppelin-Ausstellung konnten die Realschüler erfahren, wie leicht die im Versetal hergestellten Bauteile der riesigen Luftschiffe gewesen sind.

Werdohl – Da lag wohl eine Verwechslung vor: Moritz Adolf Trappe hielt den Realschülern der Klasse 9b beim Besuch der Zeppelin-Ausstellung im Stadtmuseum ein Foto eines älteren Herrn mit einer Kapitänsmütze vor.

„Weiß jemand, wer das ist?“, fragte Trappe in die Runde. Zögerlich tippten einige Schüler auf den Käpt’n aus der Fischstäbchenwerbung. 

Vielleicht war die Szene symptomatisch dafür, dass die junge Generation zwar mit dem Begriff Zeppelin etwas anfangen kann, aber weder weiß, woher diese Luftschiffe ihren Namen erhalten haben, noch dass sie ihren Ursprung tatsächlich in Werdohl hatten. Diese Erfahrung hatte auch Klassenlehrerin Barbara Bell gemacht: „Wir haben im Chemieunterricht über Aluminium und seine Eigenschaften gesprochen“, berichtete sie. Dass das Leichtmetall einst im Versetal zu Bauteilen für die Zeppelin-Luftschiffe verarbeitet worden, sei den meisten Schülern aber völlig neu gewesen. 

Besuch im Museum soll Wissenslücke schließen

Diese Wissenlücke sollte nun ein Besuch im Stadtmuseum schließen, wo gerade die Ausstellung über das Zeppelin-Unglück von Echterdingen zu Ende gegangen ist. Moritz Adolf Trappe versuchte, den Realschülern bei einem Gang durch die Ausstellung etwas Werdohler Industrie- und deutsche Luftfahrtgeschichte zu vermitteln. Ein solcher Zeppelin sei 140 Meter lang gewesen, berichtete er und sagte zur Verdeutlichung dieser Ausmaße: „Das ist die Strecke vom Werdohler Bahnhof bis zum Edeka-Center.“ Mit einem solchen Luftschiff sei im ausgehenden 19. Jahrundert der Menscheheitstraum vom Fliegen verwirklicht worden. So seien ab 1892 in Werdohl drei Luftschiffe entwickelt worden, berichtete Trappe. „Von Werdohl ausgehend, hat sich also die Luftfahrtindustrie entwickelt“, führte Trappe den Realschülern mit großen Worten vor Augen, welche Bedeutung die Aluminiumverarbeitung im Versetal gehabt habe. Und er spannte sogar den Bogen von den Zeppelin-Entwicklungen bis zum nahezu selbstverständlichen Reisen mit dem Flugzeug in der Gegenwart: „Dadurch können wir heute mit dem Jet in den Urlaub fliegen!“ 

Moritz Adolf Trappe brachte den Werdohler Realschülern das Material, aus dem Zeppeline gebaut wurden, sprichwörtlich nahe, zeigte beispielsweise Löffel, die aus den Wrackteilen verunglückter Luftschiffe angefertigt worden waren. Den Nachbau eines Zeppelinbauteils konnten die Schüler in die Hand nehmen, um zu spüren, wie leicht das um das 19. Jahrhundert höchst populäre Aluminium ist. 

Aufklärung in der Sache Käpt’n Iglo

Die Sache mit Käpt’n Iglo wurde übrigens auch noch aufgeklärt. Natürlich handelte es sich bei dem älteren Herrn auf dem Schwarzweiß-Foto um den Grafen Ferdinand von Zeppelin, der zusammen mit dem Werdohler Ingenieur Alfred Colsman die ersten Starrluftschiffe entwickelt und gebaut hat.

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