Scharfzüngig auf den Punkt gebracht 

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Viele weibliche Gäste waren am Freitag in die Bücherei zum Sommerkabarett mit Anka Zink gekommen. Zink nahm sich Kleinigkeiten aus dem Alltag vor, aber auch die Weltpolitik und der Umweltschutz gehörten zu ihren Themen.

Werdohl - Zum Nachdenken regte Anka Zink die Gäste bei ihrem Auftritt in der Stadtbücherei an. Dabei kam das Publikum zeitgleich vor Lachen allerdings kaum zum Luftholen. Die Kabarettistin freute sich diebisch, wenn ein Scherz von ihr zündete. Das geschah aber teils zeitverzögert, kam doch manche Spitze hinterrücks angeschlichen.

Zur Not stachelte die gebürtige Bonnerin ihr Publikum an: „Kichern Sie nicht so besinnlich in sich hinein.“ „Das Ende der Bescheidenheit“ war der ausverkaufte Kabarett-Abend passenderweise überschrieben.

Folgerichtig hielt Zink nicht hinter’m Berg. Die Veranstaltungsbesucher wussten das zu schätzen – vorwiegend waren es übrigens weibliche Gäste. Mit ihrem Auditorium tauschte die Künstlerin sich permanent aus, auch während der Pause auf der Dachterrasse der Bibliothek. Zink, die ihren Beruf auf ihrer Homepage mit Entertainerin umschreibt, teilte also zwei Stunden lang gehörig aus, empfahl dem aus Iserlohn stammenden CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak beispielsweise den Schönheitschirurgen des sozialdemokratischen Außenministers Heiko Maas.

Schon bald verurteilte sie SUVs: - „Diese Kleinpanzer für die Innenstadt mit dem Aszendenten Klimakiller“. Sie mutmaßte: „Die sind nur so lang, damit Du im Stau aufstehen und mal ein paar Schritte darin gehen kannst.“ Drei Erkenntnisse standen bei diesem Themenkomplex für Zink letztlich unter dem Strich. Erstens: „Wir haben Politiker, die der Autoindustrie ohne Grund in den Auspuff kriechen.“ Zweitens: „Wenn jemand einen Diesel gekauft hat, weil er glaubte, er tut was für die Umwelt: Das ist schon verdammt traurig.“ Drittens nahm sie Stellung zu denn Demo-Aktionen „Fridays for Future“: „Die Kinder machen endlich mal was Vernünftiges.“ Sie warb bei ihren Fans für ein Umdenken: „Brauchen Sie doch die Sachen auf: Autos, Lebensmittel und auch Ihre Ehemänner.“

Der Gesellschaft schrieb sie ins Poesiealbum: „Jeder will alles, aber keiner steht mehr für etwas ein.“ Zink empörte sich: „Die Welt ist überorganisiert.“ Die 62-Jährige plädierte leidenschaftlich für eine Abkehr von Smartphone und Co.: „Heute haben alle keine Zeit. Das ist neu, dass man damit angibt, was man nicht kann.“ Stattdessen sprach sie sich für ein bedingungsloses Grundeinkommen aus. So rief sie aus: „Wenn wir die Arbeit abschaffen, bleibt nicht mehr das auf der Strecke, was wirklich wichtig ist: die Arbeit am Menschen, also das, was Erzieher, Lehrer und Pfleger machen.“

Auch die Weltpolitik bekam ihr Fett ab. Vom US-Präsidenten Donald Trump kam sie gedanklich schnell zu der Erkenntnis: „Der Krieg ist der Vater aller Dinge.“ Und schließlich fragte sie sich: „Doch was wird das alles kosten?“ Und sie lieferte sogleich die fatalistische Antwort: „Tja, vielleicht das Leben, aber was soll’s?“ Dann postulierte die Rheinländerin: „Es wird zu wenig gelobt.“ Sie forderte die Bücherei-Besucher auf, dies fortan immer dann zu tun, „wenn jemand näherungsweise etwas richtig oder doch zumindest nichts falsch gemacht hat“. Dabei sei es schwierig heutzutage, etwas richtig zu tun. Das fange schon beim Aussehen an: „Gerade als älterer Mensch hat man ja eine Verpflichtung, so auszusehen, dass man andere nicht zwingt wegzugucken.“ Und so lobte die scharfzüngige Beobachterin des Alltags keineswegs nur noch. Vielmehr nahm sie kein Blatt vor den Mund und stellte in Bezug auf einen jungen Kollegen klar: „Luke Mockridge ist lustig.“ Zur Verdeutlichung schob sie hinterher: „Für Siebenjährige.“

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