Kabarett mit einigen Schwächen

Martin Zingsheim legte sich ins Zeug, nicht immer mit Erfolg - Foto: Koll

WERDOHL - Zwiespältig war der Eindruck, den Martin Zingsheim am Freitagabend in der Stadtbücherei hinterließ. Zwar war der Kabarettabend mit ihm für das Publikum durchaus unterhaltsam. Doch zündete seine Sprachakrobatik nicht immer.

Als an einer Stelle des Programms eine einsame Person applaudierte, konterte Zingsheim diesen Umstand mit einem lakonischen „Danke Mama“. Beruflich, so erklärte er, schreibe er sowieso „Doktorarbeiten für prominente Persönlichkeiten“.

Gelegentlich aber rutschte Zingsheim ein besonders bösartiger Treffer raus. Etwa, als er – in Anspielung auf das berühmte Heinrich-Heine-Zitat „Denk’ ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht“ – feststellt: „Deutschland? Tagsüber geht’s.“

An anderer Stelle sprach der ers 27 Jahre alte Kabarettist von den mit gelber Farbe eingegrenzten Raucher-Quadraten auf Bahnhöfen und schiebt lapidar hinterher: „Sowas gibt es bald auch für Rentner.“

Dann blieb dem Publikum das Lachen im Halse stecken, als Zingsheim erklärte, dass ein Gehalt eines Doppel-Verdiener-Haushaltes „drauf geht für den Kita-Platz“.

Zingsheim – nach eigener Aussage „auf einer großen, eintägigen Sauerland-Tournee“ blieb allerdings mit den Zielen seiner Witze allzu oft im Klischee stecken: Kirche, Ostdeutsche und ihre Dialekte, Öko-Freaks, Bayern und Herbert Grönemeyer sind nichts anderes als die üblichen Verdächtigen. Zudem jonglierte er mit Sprüchen aus den frühen 80er-Jahren wie „Wenn jeder an sich denkt, dann ist ja an alle gedacht.“

Schlimmer noch war, dass die Aktualität seines Programms erschreckend war, wenn er beispielsweise einen Song zur Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika sang. Die war immerhin vor drei Jahren. Die nächste in Brasilien steht vor der Tür.

Zu Füßen lag ihm aber das Publikum, als er zum Abschluss des Abends die Weihnachtsgeschichte mit den Stimmen verschiedener Promis – von Reich-Ranicki über Bushido bis hin zu Klaus Kinski – vortrug. Zingsheim verabschiedete sich vom Werdohler Publikum mit dem Gruß: „Frohe Weihnachten“.

Von Michael Kol

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