Große Dame des Dramatic Rock

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Agil und beweglich mit fast 70 – Jutta Weinhold, die „Erfinderin“ des dramatischen Metal-Sounds, beschwor zwischen Martin Engelien (rechts) und Benni Bilgeri ihr Publikum.

WERDOHL - Als Jutta Weinhold am Freitagabend beim Go-Music-Konzert in der Musikkneipe Alt Werdohl den ersten Konzertteil vor der Pause mit der letzten Strophe des The-Eagles-Evergreens „Hotel California“ ganz ohne Bandbegleitung beendete, offenbarte sich die wahre Tragik und Mystik des Songtextes erst so richtig. Andächtig und ergriffen lauschten die Besucher im gut besuchten Wohnzimmer von Wirt Jürgen „Pöngse“ Krutzsch.

Jutta Weinhold erläuterte dem Publikum: „Rock-Sänger sterben entweder sehr jung – oder nie.“ Sie lächelte und ergänzte dann: „Ersteres ist bei mir nicht eingetreten.“ Die Vokalistin, die mit ihrer eigenen Band Zed Yago und mit ihrer Beteiligung an einigen Stücken Udo Lindenberg Meilensteine der deutschen Rockmusik mitgeprägt hat, wird im Oktober 70 Jahre jung.

Gitarrist Benni Bilgeri – von Gastgeber und Bassist Martin Engelien stets liebevoll „Schwager“ genannt – steuerte über den Abend verteilt einige herausragende Sechs-Saiten-Soli bei. So wurde etwa aus dem Klassiker der Small Faces „Lazy Sunday Afternoon“, der laut Engelien in 21 Jahren noch nie bei einer Go Music zu hören gewesen war, ein Proto-Punk-Song.

Sängerin Weinhold kündigte Engelien als die „Grande Dame des Dramatic Metal“ an. Die Musik, die heute Bands wie Evanescence, Nightwish und Within Temptation zu Gehör bringen, hätte die Vokalistin einst erfunden. Sie selbst erklärte den Zuschauern im Saal, sie tränke bei Auftritten nur grünen Tee. „Nichts anderes kommt mir in die Tüte.“

Und sogleich schob sie hinterher: „A propos Niederlande. Der Schlagzeuger heute Abend ist einer der besten überhaupt: Berni Bovens.“ Engelien ergänzte zu dem Drummer: „Er hat auf allen Produktionen von Dieter Bohlen am Schlagwerk gesessen – immerhin mittlerweile 5500.“ Bovens präsentierte sich äußert vielseitig. Sein Spiel kam mal gefühlvoll daher, mal wuchtig.

Letzteres veredelte etwa die Go-Music-Version von Eric Burdons „We’ve Gotta get out of This Place“, aber auch bei Golden Oldies wie „All Along the Watchtower“ von Jimi Hendrix und „Immigrant Song“ von Led Zeppelin. „The Rose“ von Bette Midler bildete den krönenden Abschluss des Abends. Die nächste Go Music im Alt Werdohl findet am 17. März statt.

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