Die Jesusfigur bleibt noch bis nach Weihnachten

Das außergewöhnliche Kreuz mit der Jesusfigur wird vor dem Abbruch von St. Maria Königin abgebaut und eingelagert. - Fotos: Heyn

Werdohl - Markus Hempel ist ein gottesfürchtiger Mann – und ein erfahrener Baggerführer bei der Firma Ossenberg. Das Unternehmen bricht gerade im Auftrag der katholischen Kirchengemeinde St. Michael das Ensemble von St. Maria Königin in Ütterlingsen ab. Das Gemeindehaus ist jetzt komplett platt. Die Kirche wird erst im kommenden Jahr abgerissen. Die Jesusfigur am Kreuz bleibt also noch über Weihnachten bis ins neue Jahr hinein hängen.

Erst im Januar wird das spektakuläre Kreuz abgenommen und eingelagert – dann reißt Markus Hempel mit seinem durch Lennewasser getauften Bagger den gesamten Bau nieder. „Ich habe schon sehr viele Gebäude abgebrochen, aber eine richtige Kirche noch nie. Das wird schon etwas Besonderes sein.“

 Die Arbeit kann auch mal lebensgefährlich werden, und Hempel ist sich bewusst, dass er sein Leben nicht nur dem Zufall verdankt. Im Sommer sank er mitsamt dem großen „Liebherr“-Bagger bei Arbeiten in der Nähe der Vorth-Brücke ins Lennebett. Der Untergrund gab nach, glücklicherweise senkte sich der Bagger auf die dem Führerhaus abgewandte Seite. Hempel konnte die Einstiegstür einfach nach oben öffnen und herausklettern.

„Wäre der Bagger auf die Seite mit der Führerkabine in die Lenne gesunken, wäre ich da nicht so leicht herausgekommen“, erinnert sich Hempel. Zwar gebe es eine Art Notausstieg nach hinten, doch das wäre alles reichlich schwierig geworden. Letztlich ist dem Mann nichts passiert, auch der Schaden am Bagger hielt sich in Grenzen und wurde durch die Versicherung gedeckt. Dennoch hat dieses Erlebnis Spuren hinterlassen – sogar eine am Bagger. Arbeitskollegen haben Hempel einen „Seepferdchen“-Aufnäher geschenkt, der seitdem am Bagger befestigt ist.

Abriss St. Maria Königin in Ütterlingsen

Empörung über SV-Bericht

Nach dem Bericht „Der 'Jupp' bleibt noch bis Weihnachten“ vom 20. Dezember über den Abriss der ehemaligen katholischen Kirche St. Maria Königin in Ütterlingsen hat es am Wochenende in der Gemeinde St. Michael einige empörte Anrufe und E-Mails gegeben. Die SV-Redaktion erreichte eine einzige Leserzuschrift, ein Mann kam persönlich in die Redaktion, um seiner Wut Ausdruck zu verleihen.

Im Gespräch mit Pater Irenäus Wojtko wurde am Montag deutlich, dass sich Gemeindemitglieder in erster Linie an der umgangsprachlichen Bezeichnung „Jupp“ für die Jesusfigur am Kreuz stören. Christen fühlten sich dadurch in ihrer Religiösität verletzt, der sprachliche Vergleich sei nicht zu tolerieren. Pater Irenäus habe dazu während der Gottesdienste am Wochenende Stellung zu bezogen, sagte er  im Gespräch mit unserer Redaktion. Pater Irenäus wies bei dieser Gelegenheit darauf hin, dass das große Wandkreuz auf jedem Fall vor dem Abriss abgenommen und aufbewahrt werde. Das war aber auch so berichtet worden.

Die SV-Redaktion möchte sich in aller Form entschuldigen, wenn dieser umgangssprachliche Begriff die religiösen Gefühle Werdohler Christen und Christinnen verletzt hat. Das war niemals die Absicht des Berichtes, auch sollte in keiner Weise der christliche Glaube verunglimpft oder gar gelästert werden. Es bestand vielmehr die Ansicht, dass es in diesen aufgeklärten Zeiten möglich sei, den im Sauerland und in manchen plattdeutschen Redewendungen üblichen Begriff des „Jupps“ in diesem Fall für ein Wandkreuz in einer vor dem Abriss stehenden und entweihten Kirche zu verwenden.

Ganz so aufregend sind die Abbrucharbeiten in Ütterlingsen nicht. Für die ehemalige Schule an der Leipziger Straße brauchten Hempel und sein Kollege Isa Selimaj gerade einmal zweieinhalb Wochen. Die Ausschreibung sah vor, dass das Gebäude zwingend in diesem Jahr fallen musste. Die Abbrucharbeiten gestalteten sich mühsamer als angenommen, weil unter der alten Schule große Hohlräume waren. Der Bagger konnte nicht mitten aufs Trümmerfeld fahren, sondern musste erst aufwändiger von der Seite arbeiten. Letztlich aber auch kein Problem.

Das Gemeindehaus war hingegen einfacher. Innerhalb einer Woche wurde es platt gemacht. Hempel hat es einfach mitsamt der kompletten Inneneinrichtung abgebrochen. Mit dem Bagger sortiert er Metall und Holz vor, den Müll sammelt Isa Selimay per Hand aus der Ruine.

Von Volker Heyn

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