Junkie baute Joints mit Jugendlichen

WERDOHL ▪ Warum verführte ein 47-Jähriger und damit für seine Lebensverhältnisse „alter“ Junkie 14- bis 16-Jährige zum Konsum von Marihuana?

Diese Frage blieb gestern weitgehend unbeantwortet, als der Werdohler sich vor dem Landgericht Hagen wegen mehrfacher Abgabe von Betäubungsmitteln an Personen unter 18 Jahren und wegen der Aufforderung zum Handeltreiben mit Betäubungsmitteln verantworten musste. Eine von Staatsanwalt Bußmann angebahnte Strafrahmenverschiebung hin zu einem niederschweren Fall rettete den Angeklagten schließlich vor einer drastischen Freiheitsstrafe. Dennoch muss der 47-Jährige für zwei Jahre und neun Monate in Haft. Gestern wurde er allerdings aus der Untersuchungshaft entlassen.

Die Geschichte der Freundschaft zwischen dem Junkie und drei Jungen im Alter zwischen 14 und 16 Jahren begann mit einem Fahrrad. Der 47-Jährige schraubte an seiner Mofa, die Jungs kämpften mit einem Pocket-Bike und baten den Erwachsenen um Hilfe. Daraus entwickelte sich eine Freundschaft mit gemeinsamem Pizzaessen und schließlich der Frage nach der Wirkung von Drogen. Der 16-Jährige schleppte eine Wasserpfeife und ein bisschen Marihuana an, das der Angeklagte bezahlte und mit den Jungs rauchte. Bei späteren Gelegenheiten lieferte der 47-Jährige selber die Droge, baute Joints oder stopfte Tabak und Rauschgift in die Pfeife eines Stutenkerls. All dies trug sich zwischen Februar und Anfang April 2012 zu. Schließlich fragte der Angeklagte seine jungen Freunde auch, ob sie Marihuana verkaufen wollen. Das gelang einem von ihnen – es ging um kleine Mengen und lächerliche Summen, und das Ganze macht im Rückblick eher den Eindruck eines dummen Abenteuerspiels. Dennoch galt, was der Staatsanwalt dem Angeklagten vorwarf: „Das, was Sie da getan haben, ist im höchsten Maße verwerflich, denn Sie wissen, wie so eine Drogenkarriere enden kann.“ In der Tat: „Wenn ich den 50. Geburtstag noch erlebe, sollte ich den groß feiern. Danach würde nicht mehr viel kommen“, zitierte der 47-Jährige seinen Arzt. Seine HIV-Infektion sowie Hepatitis B und C dokumentieren seinen langjährigen Raubbau mit harten Drogen. Gestern war der 47-Jährige geständig – genauso wie seine drei Ex-Freunde, von denen ein Zeuge noch gestern Mittag von der Polizei Werdohl eingefangen werden musste. Das Gericht blieb mit dem Strafmaß zwischen dem Antrag des Staatsanwalts, der eine dreijährige Haftstrafe gefordert hatte, und dem Antrag von Verteidiger Rüggeberg, der für eine Strafe von zwei Jahren und drei Monaten plädiert hatte. Dem Angeklagten bereitet die Entlassung aus der U-Haft allerdings Sorge: „Ich habe keinen einzigen Euro.“

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