Zukunft gesichert

Junger Arzt steigt in alteingesessene Hausarztpraxis ein

Bürgermeisterin Silvia Voßloh begrüßte Dr. Patrik Roumani-Spree (Mitte) als neuen Arzt in der Praxis von Dr. Atif Roumani-Spree.
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Bürgermeisterin Silvia Voßloh begrüßte Dr. Patrik Roumani-Spree (Mitte) als neuen Arzt in der Praxis von Dr. Atif Roumani-Spree.

Ärztemangel ist ein Dauerthema in ländlichen Regionen. In einer Stadt im Märkischen Kreis hat aber jetzt ein junger Arzt die Zukunft einer alteingesessenen Hausarztpraxis gesichert. Den Praxisinhaber wird er zunächst unterstützen, die Übernahme der Praxis ist aber auch schon beschlossene Sache.

Werdohl ‒ Vor rund zwei Jahren bereits angekündigt, jetzt vollzogen: Der Allgemeinmediziner und Internist Dr. Atif Roumani-Spree (74) hat seinen Sohn in seine Praxis aufgenommen. Der 32-Jährige soll dort auch bald die führende Rolle übernehmen.

Die Nachfolgeregelung in der beliebten Hausarztpraxis in der Innenstadt hatte Atef Roumani-Spree bereits Anfang 2019 angekündigt. Noch fühlte er sich fit genug, für seine rund 1000 Patienten da zu sein, doch er wollte die Nachfolge gesichert haben. Deshalb arbeitete fortan Sohn Patrik, als Assistenzarzt im Klinikum Lüdenscheid tätig, hin und wieder in der Praxis des Vaters mit.

Junger Arzt steigt in alteingesessene Hausarztpraxis ein

Jetzt hat Dr. Patrik Roumani-Spree den schon länger geplanten Schritt vollzogen. Seit dem 1. Oktober ist er fest in der Werdohler Praxis tätig. Patrik Roumani-Spree fühlt sich als echter Sauerländer. In Lüdenscheid geboren, zogen seine Eltern mit ihm nach Werdohl um, als er zwei Jahre alt war. Sein Vater übernahm dort in Eveking 1989 die Hausarztpraxis von Dr. Hubert Römer.

Ich wollte schon als Kind Arzt werden, Krankheiten erforschen

Dr. Patrik Roumani-Spree

„Ich wollte schon als Kind Arzt werden, Krankheiten erforschen“, sagt Patrik Roumani-Spree über sich selbst. Nach dem Abitur am Lüdenscheider Bergstadt-Gymnasium schrieb er sich aber erst einmal für ein Biologiestudium ein, das er in Kaiserslautern mit dem Bachelor-Abschluss beendete. Dann habe er aber festgestellt, dass ihm die reine Wissenschaft und Laborarbeit auf Dauer wohl doch zu trocken seien und ihm der Kontakt zu den Menschen fehle, blickt er zurück.

Als Medizin-Student ging er 2009 im Rahmen eines europäischen Projekts an die Semmelweis-Universität nach Budapest, legte dort zwei Jahre später das Physikum ab, wechselte dann zur privaten Asklepios-Uni in Hamburg und absolvierte schließlich ein praktisches Jahr am Klinikum Lüdenscheid. Im japanischen Kyoto schloss er noch ein Chirurgie-Praktikum an. Ende 2017 hatte er seinen (internationalen) Doktortitel und seine Approbation in der Tasche.

Das schönste Arbeitsgebiet für einen Arzt

Seitdem arbeitete er als Assistenzarzt am Klinikum Lüdenscheid, absolvierte dort seine internistische Facharztausbildung, der jetzt zwei Jahre praktische Ausbildung in der Praxis des Vaters an der Freiheitstraße folgen. Am Ende, hofft er, darf er sich Facharzt in der Allgemeinmedizin nennen. „Das ist für mich das spannendste Arbeitsgebiet überhaupt“, erklärt Patrik Roumani-Spree, warum er gerade dieses Ziel anstrebt.

Ein Allgemeinmediziner hat in seiner Ausbildung ein sehr breites Spektrum an Inhalten erfahren, sodass er viele Krankheitsbilder selbst diagnostizieren kann und die Schnittstelle zu anderen Fachbereichen bildet. Der Allgemeinmediziner ist bei Gesundheitsproblemen oder Fragen zur Gesundheit meistens der erste Ansprechpartner der Patienten. Unabhängig von Alter, Geschlecht oder Art der Beschwerden betreut er alle Patienten und dies oftmals ein Leben lang, sodass sich zwischen ihm und dem Patienten ein enges Vertrauensverhältnis bildet.

Dieses klassische Hausarztmodell, das schon sein Vater Atif gepflegt hat, möchte auch Patrik Roumani-Spree weiterführen. Dazu sollen auch weiterhin Hausbesuche der Patienten gehören, die nicht mehr in der Lage sind, selbst in die Praxis zu kommen. Sogar ein mobiles Ultraschallgerät steht den beiden Ärzten dafür zur Verfügung. Dieses bildgebende Verfahren wird nach Ansicht von Patrik Roumani-Spree oftmals unterbewertet. „Ich wende es sehr gerne an“, betont der junge Mediziner.

Übergabe beschlossen, Zeitpunkt unklar

Wann genau nun der Junior den Praxissitz übernehmen wird, ist noch nicht geklärt. „Ein bis zwei Jahre arbeiten wir noch Hand in Hand“, lässt der Senior den Zeitpunkt, wann er die Verantwortung abgeben will, noch offen. Wichtig ist Vater und Sohn zunächst einmal, dass sie in einer Praxis zusammenarbeiten können, was für beide Vorteile hat. Der mittlerweile 74-jährige Vater wird entlastet, und der 32-jährige Sohn kann allmählich in sein zukünftiges Aufgabengebiet hineinwachsen.

„Ich muss hier viel mehr Arbeit in die ganzen bürokratischen Abläufe investieren“, vergleicht Patrik Roumani-Spree seine neue Tätigkeit mit der früheren am Klinikum, wo ihm der Verwaltungsapparat das alles abgenommen habe. „Im Krankenhaus wird man davon völlig abgeschirmt, man kann sich ganz auf die medizinischen Tätigkeiten konzentrieren“, sagt er. In der eigenen Praxis sehe das trotz eines bewährten und eingespielten Teams von Arzthelferinnen etwas anders aus.

Zur Begrüßung des neuen Arztes in Werdohl kam in dieser Woche auch Bürgermeisterin Silvia Voßloh in die Praxis, die die dortige personelle Entwicklung als „gut für Werdohl“, bezeichnete. „Die Patienten sind sicherlich froh darüber, dass die Nachfolge jetzt geregelt ist“, sagte die Bürgermeisterin.

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