Toben und kämpfen ist erlaubt

Gut geschützt dürfen die Jungen miteinander kämpfen; sie müssen dabei aber die Regeln beachten.

WERDOHL ▪ Jungs sind wild, Jungs toben gerne und wollen sich messen – „alles ganz normale Verhaltensweisen“, weiß Stadtjugendpfleger Michael Tauscher nicht nur aus ungezählten Beobachtungen auf Pausenhöfen. In seiner Jungengruppe, die sich donnerstags im JBZ trifft, dürfen Jungen Fußball oder Playstation spielen – und sie dürfen miteinander kämpfen.

„Juchhu, es geht los! Ich möchte boxen!“, ruft Luca, als er in den Raum stürmt, der für die Jungen donnerstags Treffpunkt ist. Rund zehn Jungen, alle zwischen sieben und 13 Jahre alt, kommen hierher. „Hier können wir alles machen“, sagt Björn.

Über das Progamm wird am Anfang der Treffen abgestimmt, jeder darf seine Wünsche aufschreiben. Fußball spielen steht meistens ganz oben auf der Liste – und eben auch Kämpfen. Eigens dafür wurde im Raum unterm Dach ein kleines Box-Areal eingerichtet. Dicke Matten liegen hier auf dem Boden, auch die Wände sind neuerdings gepolstert, damit sich niemand verletzt.

„Jungs verfallen oft einem ähnlichen Muster. Bei ihnen geht es darum, sich auszuprobieren und sich körperlich und geistig zu messen“, berichtet Michael Tauscher.

Natürlich sind Raufereien in der Schule nicht erlaubt. So ist für Michael Tauscher die Idee entstanden, Jungen einen Kampf-Raum zu bieten, wo sie sich körperlich miteinander messen und auspowern können „ohne dabei gegen geltende Regeln zu verstoßen,“ wie Tauscher betont. Die Stopp-Regel ist eine der wichtigsten Regeln. Und ähnlich wie auf dem Fußballplatz gilt auch im Kampf-Raum: Unfaires Verhalten wird mit Strafpunkten geahndet. Auf den Kopf schlagen ist ebenso wenig erlaubt wie Treten oder den anderen zu beleidigen. Und: Gekämpft wird niemals, um einen Konflikt zu lösen. „Die Betonung liegt daher vorher immer auf der Frage: Willst du ‘mit’ mir kämpfen?“ erklärt Michael Tauscher das Prinzip, an das sich alle halten. Gekämpft wird nicht gegeneinander, sondern miteinander – das wissen die Kampf-Partner, die sich geschützt mit einer gepolsterten Weste gegenüber stehen. Dass im Spiel der Schwächere schlechtere Chancen gegenüber dem Stärkeren hat, lernen alle Beteiligten spielerisch zu akzeptieren. Daher tritt auch Michael Tauscher mitunter zum Kampf an. Ansonsten beobachtet er genau, was im Zweikampf der Jungen passiert.

Luca und Lukas treten heute gegeneinander an. „Das macht Spaß“, jubelt der neunjährige Luca und Björn,13 Jahre alt, der heute aber lieber Playstation spielen möchte, stimmt ihm zu: „Man kann dabei auch mal Wut raus lassen.“

Als Selbstbehauptungskurs möchte Tauscher seine Gruppe nicht verstanden wissen. „Vielmehr geht es darum, zu erkennen, was den Kindern gut tun könnte“, erklärt der Stadtjugendpfleger. „Wenn Jungen immer gesagt bekommen, du darfst nicht ringen und raufen, dann ist das so reizvoll wie verbotene Schokolade“, ist Michael Tauscher überzeugt. - Simone Benninghaus

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