Jungen wollen kämpfen

Erzieher Thomas Waltenberg bietet das Projekt Kampfesspiele für Jungen an.

WERDOHL ▪ „Wir dürfen nicht kämpfen“ diese Kindergartenregel hat Thomas Waltenberg einmal gelesen. „Das ist in etwa so, als würde bei den Mädchen in der Puppenecke ein Schild hängen mit der Aufschrift: Vater-Mutter-Kind spielen verboten“, sagt der Lüdenscheider Erzieher. Die Jungen im Familienzentrum Budenzauber hingegen wissen: Wenn Thomas Waltenberg kommt, dann darf gekämpft werden. Sie wissen aber auch: Fairness hat oberste Priorität.

Kräftemessen, kraftvoller Körperkontakt – für Thomas Waltenberg ist das ein typischer Wunsch von Jungen. „Kämpfen bedeutet nicht schlagen oder prügeln“, stellt er klar. In den Kursen, die der 26-Jährige speziell mit Jungen durchführt, geht es vielmehr um kampforientiertes Spiel, um dynamischen Körperkontakt, aber auch darum, Versprechen einzuhalten und Vertrauen zu bilden und als Gruppe ein Stückchen näher zusammen zu rücken. Respekt und Rücksichtnahme werden durch Rituale betont; immer wieder erinnert Waltenberg an den „inneren Schiedsrichter“. Ihm ist wichtig, den zehn Jungen, die jeden Donnerstag mit ihm in der Kita Budenzauber kämpfen, den Unterschied zwischen Gemeinheit und Fairness deutlich zu machen. Die Jungen sollen zum einen bestärkt werden, sich aktiv Herausforderungen zu stellen, aber auch lernen, Rücksicht zu nehmen.

Auch die Eltern wurden über die Inhalte des Projektes informiert. „Manche waren durchaus etwas skeptisch“, berichtet die Kita-Leiterin Karina Wionsek. Für das Familienzentrum Budenzauber/St. Michael bietet das Projekt hingegen eine Möglichkeit, männliche Vorbilder in die Kindergartenarbeit zu integrieren.

Dass in Kindergärten zu 97 Prozent Erzieherinnen arbeiten, weiß auch Thomas Waltenberg. „Die anderen dreiProzent habe ich noch nicht getroffen“, meint der zertifizierte Anleiter für Kampfesspiele, der auch in der Erziehungshilfe tätig ist.

In der Kita Budenzauber wird immer wieder versucht, beispielsweise durch Aktionen mit Förster Frank Bossong oder Christian Crone vom Hof Crone auch Männer in die Arbeit zu integrieren. Kinder-Väter-Aktionen finden regelmäßig statt. Auch zum Abschluss der Reihe „Kampfesspiele“ ist solch eine Aktion geplant. Karina Wionseks Wunsch wäre es, das Angebot dauerhaft für die künftigen Schulanfänger zu installieren. „Den Jungs tut das gut“, ist sie überzeugt. - Simone Benninghaus

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