Troll-Gelage und rasante Fahrten

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Ob erfundene Märchen oder Mythen mit einem wahren Kern – die Musiker des Jugendsinfonieorchesters überzeugten mit einem facettenreichen Konzertprogramm.

Werdohl - Überragender Musikgenuss im Festsaal Riesei –und wieder einmal viel zu wenig Zuhörer. Nur knapp die Hälfte der Plätze waren besetzt, als das Jugendsinfonieorchester der Musikschule Lennetal zum Sinfoniekonzert unter dem Motto Mythen und Märchen bat.

Von Michael Koll

Andreas Regeling und Martin Theile dirigierten die Instrumentalisten, zu denen auch vier Neulinge gehörten. Und auch zwei Geburtstagskinder hatten sich die Teilnahme an diesem außergewöhnlichen Nachmittag nicht nehmen lassen: Neben Moderator Sebastian Hoffmann war das die Musikerin Kristina Lohmann.

Hoffmann erläuterte zunächst den Unterschied zwischen Mythen und Märchen. „Während Letztere immer komplett erfunden sind, steckt in Ersteren stets ein wahrer Kern“, verriet er. Und doch wurde im Lauf der folgenden zwei Stunden mehr und mehr klar, dass die Grenze doch nicht so scharf verläuft.

Im Vordergrund standen aber nicht die Geschichten, sondern die wunderbare Musik, die die Jugendlichen mit ihren Lehrern vorbereitet und einstudiert hatten. Los ging es mit „In der Halle des Bergkönigs“ von Edvard Grieg. Das bedrohliche Instrumental-Werk illustriere ein Gelage von Trollen, erläuterte der Moderator.

Es folgte die „Ouvertüre Coriolan“ von Ludwig van Beethoven. Hoffmann erklärte, Coriolan sei ein römischer Feldherr gewesen, der aus Geltungssucht und Selbstüberschätzung zu den Feinden überlief. „Zum Glück gibt es sowas ja heute nicht mehr. Stellen Sie sich einmal vor“, bat Hoffmann das Publikum, „ein Land würde einem anderen eine Halbinsel wegnehmen, nur weil ihm die Regierung dort nicht mehr gefällt.“ Mit dieser Anspielung hatte der Moderator die – bitteren –Lacher auf seiner Seite.

„Märchenerzählungen“ würde die „Sinfonie Nr. 4 d-Moll“ von Robert Schumann auch genannt, wusste er daraufhin zu erzählen. Zu hören war die Sinfonie dann in einer Fassung von 1853. Liebliche-romantische Klänge erfüllten den Festsaal.

Danach folgte, so Hoffmann, „eine rasante Fahrt“. Die „Carmen-Suite“ von Georges Bizet stand vor der Pause auf dem Programm. Die furiosen Melodien wurden getragen vom Querflöten-Vortrag der Solistin Annika Martin.

Gleich zwei Solistinnen machten nach der Pause „Palladio“ des zeitgenössischen Komponisten Karl Jerkins zum Höhepunkt des zweistündigen Konzertes. Konzertmeisterin Franziska Winkelsträter an der 1. Geige und Patricia Gildenkötter, die Stimmführerin der 2. Geige, spielten sich die Bälle zu, dass es eine wahre Freude war. Das erhabene Konzertwerk wird wohl auf keiner Aufnahme bisher je besser zu hören gewesen sein.

Danach kamen eine Reihe Filmmusiken zu Gehör. Die „Forrest Gump Suite“ von Alan Silvestri kam schwelgerisch daher, bot aber zum Ende hin auch voluminöse Dynamiken. „The Lord of the Rings“ von Howard Shore präsentierte sich opulent und majestätisch. „Jurrasic Park“ von John Williams kam bedrohlich und optimistisch zugleich in die Gehörgänge der Zuhörer. Und „The Magic of Harry Potter“ – ebenfalls von John Williams – bot einen würdigen Abschluss des Nachmittages.

Zum Schluss aber sang das Publikum noch für die zwei Geburtstagskinder. Beide, wie auch ihre Mitstreiter, hätten allerdings mehr Ständchen-Sänger sowie Zuschauer verdient gehabt.

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