"Zauberlehrling"

Jugendsinfonieorchester in Werdohl: Magischer Konzert-Genuss

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Das Publikum im Festsaal Riesei war begeistert von der Darbietung des Jugendsinfonieorchesters. Am Ende konnte sich das Orchester über stehende Ovationen freuen.

Werdohl - Den Spruch vom „Zauber der Musik“ nahm das Märkische Jugendsinfonieorchester (MJO) am Samstag zum Anlass für ein Konzert, dessen Musik sich mit zauberhaften Kräften im ursprünglichen Sinn beschäftigte.

„Die Geister, die ich rief…“, lautete der vielsagende Titel, der auf die ersten 50 Zauberlehrlinge anspielte, die vor 30 Jahren in Altena zu Gründungsmitgliedern des Jugendorchesters des Märkischen Kreises wurden.

Landrat Thomas Gemke hatte bei seiner Begrüßung vermutlich Recht mit der Vermutung, dass viele der heutigen Akteure des Märkischen Jugendsinfonieorchesters damals noch nicht einmal geboren waren. Der Klangkörper verjüngt sich immer wieder in einer beeindruckenden Geschwindigkeit. Im gut gefüllten Festsaal Riesei boten die jungen Musiker unter der Leitung von Thomas Grote ein thematisch sehr konzentriertes Familienkonzert, das das Publikum am Ende von den Sitzen riss. 

Goethes Ballade vom Zauberlehrling ist zweifellos eine der schönsten Dichtungen dieser Gattung: „Hat der alte Hexenmeister sich doch einmal wegbegeben, und nun sollen seine Geister auch nach meinem Willen leben“, verkündet der kecke Zauber-Azubi zu Beginn des Gedichts, denn er hat keine Lust, für das Bad seines Lehrherren zu schuften. „Hier in Werdohl kann man sich das sehr gut vorstellen“, verlegte Moderator Michael Forster das Geschehen zwischen die Lenne und die den Fluss begleitenden Berghänge. Und dann lieferte er eine sehr vergnügliche Einführung in das, was der französische Komponist Paul Dukas (1865-1935) mit musikalischen Mitteln aus Goethes Ballade machte. 

Das Orchester präsentierte dazu Dukas „Scherzo“ zunächst scheibchenweise und sezierte die Zutaten aus dem Gesamtklang. Mit dem kleinen Helden der Geschichte schauderten und zauderten die Flöten: „Paul Dukas ist ein sehr guter Psychologe“, stellte Michael Forster fest. „Er weiß, wie es ist, wenn man vor einer Entscheidung steht und nicht so ganz weiß, ob man es tun soll.“ Bekanntlich trifft der junge Mann eine fatale Fehlentscheidung, was den Besen und mit ihm das Fagott immer mehr auf Trab bringt und eine bedrohliche Flut auslöst: „Immer neue Güsse bringt er schnell herein, Ach! Und hundert Flüsse stürzen auf mich ein.“

Auch das scharfe Beil schafft keine Abhilfe: Aus den Tiefen der nur vorübergehenden Niederlage rappelte sich das nunmehr um die Bassklarinette verstärkte Fagott wieder auf und beschleunigte seine Umläufe in rasender Geschwindigkeit. In aussichtsloser Lage versucht es der Zauberlehrling erneut mit einem Zauberspruch. „Da müssen Sie schon sehr genau hinhören. Er ist kaum noch zu hören“, lautete die Anweisung vor diesem Motiv, bevor der alte Hexenmeister die entfesselten Kräfte des Orchesters mit seinem Zauberspruch stillte. 

Schöne Musik bot das MJO auch mit Camille Saint-Saëns sinfonischer Dichtung „Danse Macabre“ und mit einer modern anmutenden Komposition des Russen Anatolij Ljadov (1855- 1914). Seine rhythmisch und melodisch auf faszinierende Weise rasende Komposition war der hexenhaften Sagengestalt „Baba Yaga“ gewidmet.

Thomas Grote nahm die Wiederholung des Stücks zum Anlass für einen Hinweis auf das sommerliche Jubiläumskonzert des MJO, bei dem auch Igor Strawinskys Klassiker „Le Sacre du Printemps“ auf dem Programm steht. Zunächst hatte der auf seine Weise ebenfalls großartige Anatolij Ljadov den Auftrag für die Ballettkomposition erhalten. Als er auf Nachfrage noch nicht einmal das Notenpapier gekauft hatte, leitete die Weitergabe des Auftrags die Komponistenkarriere von Igor Strawinsky ein.

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