Härtere Regelung

Jugendeinrichtungen: Schülerausweis reicht als Corona-Testnachweis nicht aus

Das Team der Werdohler Jugendpflege traf sich in den Räumen des Europa-für-alle-Projekts Efa an der Neustadtstraße, um über Schultestungen und den Besuch der Jugendeinrichtungen zu sprechen: (von links) Michael Tauscher vom Projekt Efa, JBZ-Leiterin Anna-Katharina Reith, Jugendpfleger Tobias Chylka, Gina Ziese vom Bezirkssozialdienst und Sabine Bleckmann von der Jugendamtsleitung.
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Das Team der Werdohler Jugendpflege traf sich in den Räumen des Europa-für-alle-Projekts Efa an der Neustadtstraße, um über Schultestungen und den Besuch der Jugendeinrichtungen zu sprechen: (von links) Michael Tauscher vom Projekt Efa, JBZ-Leiterin Anna-Katharina Reith, Jugendpfleger Tobias Chylka, Gina Ziese vom Bezirkssozialdienst und Sabine Bleckmann von der Jugendamtsleitung.

Seit gut zwei Wochen haben die städtischen Jugendeinrichtungen nach Ende der Schulferien wieder geöffnet, das Team von der Jugendpflege zog auf Nachfrage der Redaktion eine erste Bilanz zu den Corona-Schutzvorkehrungen

Denn die sind in Werdohl schärfer sind als in vielen anderen Kommunen.

Alle Besucher einer der Jugendeinrichtungen, die nicht genesen oder geimpft sind, müssen eine Bescheinigung über das negative Testergebnis aus der Schule vorlegen – oder vor Ort einen Schnelltest durchführen. Diese Vorgabe geht deutlich über die Regeln, die in der Corona-Schutzverordnung des Landes Nordrhein-Westfalen aufgeführt sind, hinaus. Diese sieht nämlich vor, das schulpflichtige Kinder und Jugendliche aufgrund ihrer Teilnahme an den verbindlichen Schultestungen als getestete Personen gelten und deshalb überall dort, wo die 3G-Regel gilt, nur ihren Schülerausweis vorzeigen müssen, um eingelassen zu werden.

Schulverweigerung „kein nennenswertes Problem“

Aus der Verschärfung der Regelung den Verdacht auf Schulverweigerung in größerem Ausmaß und damit eine fehlende regelmäßige Testung der Kinder abzuleiten, sei falsch, berichteten die Verantwortlichen. Auch unter den Kindern aus südosteuropäischen Einwandererfamilien sei die Schulverweigerung kein nennenswertes Problem.

Das sei tatsächlich kein Thema, hieß es von allen an der Jugendpflege beteiligten Kräfte. Sicher gebe es den einen oder die andere, die mal für einen oder zwei Tage den Weg in die Schule nicht fänden. Weil vielleicht die Playstation doch zu verlockend war oder man sich wegen Unwohlseins vorübergehend nicht in der Situation sehe, die Schule zu besuchen. Jugendpfleger Tobias Chylka hat engen Kontakt zu Kindern und Jugendlichen und viel Erfahrung mit deren Lebenswelten. Einen oder zwei Tage nicht zur Schule zu gehen komme immer wieder mal vor, bedeute aber keine Schulverweigerung. Kinder seien auch mal krank und würden dann in der Schule nicht getestet.

Farbige Kärtchen nach den Testungen

Der Zusammenhang zwischen Schulbesuch und dem Aufsuchen der Jugendeinrichtungen ist erst durch die Corona-Testungen sichtbar geworden. Die Kinder aus den Grundschulen und die Jugendlichen aus den weiterführenden Schulen werden regelmäßig getestet. Wer eine der Jugendeinrichtungen besucht, muss diesen Test nachweisen. Die Schüler der weiterführenden Schulen bekommen farbige Kärtchen, die zusätzlich zum Schülerausweis den negativen Test bescheinigen. Sie brauchen sich dann in den Jugendeinrichtungen nicht mehr einem Schnelltest vor der Tür zu unterziehen. Die Werdohler Grundschulen stellen den Kindern keine solchen Testnachweise aus, die Kinder müssen sich deshalb vor Besuch der Einrichtungen ein Teststäbchen in die Nase schieben lassen. Die Jugendeinrichtungen weisen den qualifizierten Test mit einem Stempel nach, den die Kinder zum Beispiel abends beim Besuch von Sporteinrichtungen nutzen können.

Nun ging die Erzählung durch die Stadt, dass es eine größere Anzahl von Kindern und Jugendlichen gebe, die wegen unregelmäßigen Schulbesuchs nicht regelmäßig getestet würden und so in die Jugendeinrichtungen kommen. Das weist Sabine Bleckmann von der Jugendamtsleitung zurück: „Es gibt immer mal ein Kind, das ohne Test zu uns kommt. Schulverweigerung ist in diesem Zusammenhang ein unglücklicher Begriff.“

Schulverweigerung: Drei Kontakte zu Schulen

Bei der bulgarischen Kulturmittlerin Margarita Encheva vom Efa-Projekt für zugewanderte Roma-Familien („Europa für alle“) sei deswegen noch einmal genau nachgefragt worden. Sie habe in der jüngsten Zeit drei Kontakte zu Schulen wegen Verdachts auf Schulverweigerung gehabt.

Chylka bestätigt, dass sich das Efa-Projekt und die Jugendpflege das Klientel durchaus teilen. Die Problematik sieht er aber eher in der Systematik der Testnachweise: „Nicht alle Kinder werden regelmäßig getestet, nur weil sie einen Schülerausweis haben.“ Die Erfahrungen mit den Schnelltests als Eintrittskarte für die Jugendeinrichtungen seien durchweg positiv. Die ersten Zwölfjährigen seien sogar schon geimpft. Die kleineren Kinder hätten überhaupt kein Problem damit, die Nase hinzuhalten. Chylka hat auch bei den Eltern dafür geworben: „Es kostet nichts, es tut nicht weh, es dauert nicht lange.“ Auf diese Weise gebe es keinerlei Zugangsbeschränkung für die Einrichtungen. Die Kinder haben ein Schreiben an die Eltern mit nach Hause bekommen, um eine Einverständniserklärung für den Nasentest zu bekommen. „Wo wir den Zettel nicht zurückbekommen haben, haben wir bei den Eltern angerufen“, so Chylka. Es habe nicht einen Fall gegeben, dass Eltern ihren Kindern den Besuch der Einrichtungen wegen des Testens verboten hätten.

Arbeit noch im „Entstehungsprozess“

Alles laufe total unkompliziert, sodass sich die Kräfte auf die eigentliche Beziehungsarbeit mit den Jungen und Mädchen konzentrieren können. Da gebe es einiges aufzuholen nach der langen Corona-Zeit. Die Arbeit befinde sich allerdings noch in einem „Entstehungsprozess“, für Schlussfolgerungen oder Beobachtungen sei es nach zwei Wochen deshalb viel zu früh.

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