Rat bestätigt Entscheidung

Jugendamtsleiterin im MK kaltgestellt: Bürgermeister wirft ihr Führungsversagen vor

Kirsten von der Crone ist nicht mehr Jugendamtsleiterin in Werdohl.
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Kirsten von der Crone ist nicht mehr Jugendamtsleiterin in Werdohl.

Bürgermeister Andreas Späinghaus (SPD) hat in einer organisatorischen Entscheidung die Werdohler Jugendamtsleiterin Kirsten von der Crone mit Wirkung zum 31. Mai von der Amtsleitung abberufen.

Der Rat war der Linie des Bürgermeisters gefolgt und hat die Abberufung bei einigen Enthaltungen einstimmig gebilligt. Dieser Vorgang wird aus einer nichtöffentlichen Vorlage für die Ratssitzung Ende Mai ersichtlich, die der Redaktion anonym zugespielt wurde. Von der Crone ist weiterhin angestellte Mitarbeiterin der Stadt Werdohl, die Leitung des Jugendamtes hat vorübergehend der Bürgermeister übernommen.

Vorangegangen war der Antrag der 43-jährigen Werdohlerin an ihre Verwaltungsleitung, das Jugendamt an den Märkischen Kreis zu übertragen. Sie hatte am 22. März in einem Schreiben an Späinghaus „dringend empfohlen“, die Abgabe des Jugendamtes an den Kreis einzuleiten. Für den Prozess der Übergabe hatte sie ihre loyale Unterstützung und die ihres Teams zugesagt.

Verwaltung hat Antrag zunächst gestellt

Die Verwaltungsleitung war zunächst diesem Vorschlag gefolgt und hatte beim Landesjugendamt beantragt, die Aufgaben der Jugendhilfeträgerschaft an den Märkischen Kreis zu übertragen. Gleichzeitig wurden auch das NRW-Ministerium für Kinder und Familie sowie weitere übergeordnete Stellen mit einbezogen.

Im Februar 2018 präsentierten die damalige Bürgermeisterin Silvia Voßloh (links) und der damalige Fachbereichsleiter Bodo Schmidt die neue Jugendamtsleiterin Kirsten von der Crone. Bürgermeister Andreas Späinghaus hat mit Zustimmung des Rates Kirsten von der Crone mit Wirkung Ende Mai abberufen.

Einen Monat später – Ende April – teilte das Ministerium der Stadt mit, dass eine kurzfristige Rückübertragung an den Kreis nicht möglich sei. Stattdessen bekam die Stadt unmissverständlich aufgezeigt, dass sie alles nur mögliche tun müsse, um die Aufgaben im eigenen Hause zu erfüllen. Mit allen Trägern und Beteiligten der Jugendhilfe im Umkreis der Stadt Werdohl und beim Märkischen Kreis wurden Gespräche geführt, die vermeintlich ein äußerst ungünstiges Licht auf die Amtsleiterin warfen. In der Vorlage wird das Ergebnis dieser Gespräche so zitiert: „Die erhaltenen Rückmeldungen zeigen eindeutig auf, dass es kein strukturelles Problem im Jugendamt gibt, es handelt sich vielmehr um ein Führungsproblem.“ Daraus resultiere auch das Personalproblem, dass das Jugendamt schon seit einiger Zeit hat. In der Vorlage heißt es dazu: „Mehrere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben nach eigenen Angaben wegen der Art und Weise, in der das Jugendamt geleitet wird, gekündigt. Hierzu hat es bereits in unterschiedlichen Konstellationen Gespräche mit dem Team des Jugendamtes, der Leiterin und dem Personalrat gegeben, eine Veränderung hat sich aber nicht eingestellt.“ Danach wurde der „organisatorische Vorgang“ eingeleitet, Kirsten von der Crone die Leitung des Jugendamtes zu entziehen. Bei der nichtöffentlichen Beschlussfassung im Rat am 31. Mai gab es eine nicht unerhebliche Zahl von Enthaltungen.

Einzigartigen Vorgang in der Geschichte der Verwaltung

Späinghaus will diesen einzigartigen Vorgang in der Geschichte der Werdohler Verwaltung nicht kommentieren. Auf Nachfrage sagte er: „Das Zuspielen der Ratsvorlage an die Öffentlichkeit ist kriminell und ein extremer Vertrauensbruch.“ Gleichwohl bestätigte er die Abberufung der Jugendamtsleiterin. Er habe die Absicht, seine „organisatorische Maßnahme“ dem am 22. Juni öffentlich tagenden Jugendhilfeausschuss mitzuteilen.

Keine Unterstützung von Kreis oder Land

Das NRW-Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration hat der Stadt mitgeteilt, dass eine kurzfristige Rückübertragung der örtlichen Trägerschaft der öffentlichen Jugendhilfe an den Märkischen Kreis nicht erfolgen könne. Eine Rückübertragung der Trägerschaft sehe die Gesetzeslage in Nordrhein-Westfalen nicht vor. Hierzu seien zunächst die kommunal- und haushaltsrechtlichen Fragestellungen durch das Ministerium zu klären. Das Ministerium hat weiter mitgeteilt, dass der Bürgermeister der Stadt Werdohl ohne Einschränkung die Gesamtverantwortung für die Erfüllung der Aufgaben nach dem Sozialgesetzbuch III zu tragen habe. Insbesondere weist das Ministerium darauf hin, dass es keine Grundlage für die erbetene Unterstützung durch übergeordnete Institutionen im Tagesgeschäft gebe. Seitens des Ministeriums werde es für zwingend geboten gehalten, dass die Stadt Werdohl alle möglichen Mittel ausschöpft, die ihr bei der Wahrnehmung der Aufgaben als örtlicher Träger der öffentlichen Jugendhilfe zur Verfügung stehen.

Auf die Frage, wie das Werdohler Jugendamt in Zukunft aussehen werde, sagte er: „Durch meine Organisationsumstellung ist der Allgemeine Sozialdienst in Sachen Kindeswohlgefährdung gut aufgestellt. Niemand muss sich Sorgen machen.“ Die „jungen Leuten im ASD“ hätten jetzt „eine Chance, so richtig loszulegen.“

von der Crone bestätigt Abberufung

Kirsten von der Crone bestätigte ihre Abberufung und die Tatsache, dass sie vorgeschlagen hatte, das Jugendamt an den Kreis abzugeben. Sie verstehe ihre frühere Aufgabe als Jugendamtsleiterin vornehmlich so, Kinder zu schützen. Sie habe weiterhin ein dienstliches Treueverhältnis zur Stadt Werdohl und lasse sich anwaltlich beraten. Derzeit habe sie eine Arbeitsunfähigkeits-Bescheinigung.

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