Jugendamt Werdohl muss sparen

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Bodo Schmidt, Marco Malcherek-Schwiderowski und Michael Tauscher (von links) stellten die künftigen Schwerpunkte und Perspektiven für die Werdohler Jugendarbeit vor.

WERDOHL ▪ Michael Tauscher ist der neue Stadtjugendpfleger, er übernimmt diese Stelle von Marco Malcherek-Schwiderowski. Dieser übernahm bereits zum 1. Februar die Leitung des Bezirkssozialdienstes, der ebenfalls im Jugendamt angesiedelt ist. Die Stellenumbesetzung hat vor allem einen Grund: es muss gespart werden. Nur so könne das Jugendamt weiterhin eigenständig bestehen.

Die Stelle des Stadtjugendpflegers wird rein rechnerisch zur Hälfte neu besetzt, denn der gelernte Erzieher und Anti-Aggressivitätstrainer Michael Tauscher wird sich neben seinen neuen Tätigkeiten auch um seine bisherige Arbeit, die er in der Stadtjugendpflege geleistet hat, kümmern. Dazu zählte etwa die Jungenarbeit und Aktionen zur Gewaltprävention. Wie sich die Tätigkeitsschwerpunkte zukünftig gestalten, werde sich zeigen, sagte Fachbereichsleiter Bodo Schmidt gestern. Tauscher betrachtet seine neue Aufgabe unter den geänderten Bedingungen zwar als „Herausforderung“, sieht aber durchaus Verbindungs- und Kooperationsmöglichkeiten – zum Beispiel mit Schulen, die er im Rahmen seiner Tätigkeiten regelmäßig besucht. Denkbar wären hier beispielsweise künftig Betreuungsmöglichkeiten nach OGS-Schluss.

Einen Teil der Aufgaben, die bisher dem Stadtjugendpfleger oblagen, werden künftig auch Fachbereichsleiter Schmidt und die Leiterin des Jugendamtes Dworschak übernehmen. Für die praktische Jugendarbeit bleibt damit rein rechnerisch eine halbe Stelle unbesetzt.

Neu ist dafür die Leitung des Bezirkssozialdienstes, die Aufgaben wurden bislang von der Jugendamtsleitung mitübernommen. Dem Controlling und damit der Überprüfung der wirtschaftlichen Abläufe soll zukünftig aber mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. Kompromisse, etwa bei der kostenträchtigen Bezirkssozialarbeit, werde es aber nicht geben, stellte Fachbereichsleiter Bodo Schmidt gestern klar. „Wir werden bei der sozialpädagogischen Familienhilfe nicht warten, bis es rappelt“, so Schmidt. „Die Einsparungen gehen nicht auf Kosten der Qualität.“ Die wirtschaftlichen Verfahrensabläufe werden dafür verstärkt in den Fokus rücken. Der bisherige Stadtjugendpfleger, der berufsbegleitend in Münster an der Fachhochschule den Master-Studiengang Jugendhilfe absolvierte, wird sich als Leiter des Bezirkssozialdienstes darum kümmern. Im Bereich der Anamnese werde man zukünftig genauer hinschauen müssen. „Wir werden verstärkt nach passgenauen Hilfen suchen“, kündigte Malcherek-Schwiderowski an. Passend sei dabei aber nicht gleichzusetzen mit kostengünstig. „Bei Heimunterbringung gucken wir genau, was die Einrichtungen bieten.“ Die monatlichen Kosten für einen Heimplatz schwanken dabei zwischen 3500 und 5500 Euro.

Das Jugendamt ist nicht nur die größte Abteilung der Stadtverwaltung, sie ist auch teuer: Der Haushaltsansatz liegt für das laufende Jahr bei 6,2 Millionen Euro. 3,6 Millionen Euro entfallen dabei auf die Arbeit des Bezirkssozialdienstes. Auch wenn man im Jahr 2011 um 500 000 Euro hinter dem geplanten Ansatz zurückgeblieben sei, bedeute das nicht, dass das noch einmal der Fall sein wird.

Dennoch wird in Zukunft verstärkt nach Einsparpotenzial gesucht. Die Auswirkungen sollen zwar in der Kinder- und Jugendarbeit so gering wie möglich gehalten werden. Bemerkbar machen werden sie sich aber vermutlich schon, wenn beispielsweise die Stadtteiljugendarbeit betroffen ist. Konkrete Aussagen können hier laut Bodo Schmidt aber erst im nächsten Jahr gemacht werden. ▪ sim

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