Jugendamt: Einsatz gegen vermeintliches Image

+
Jugendamtsleiterin Sybille Dworschak und Marco Malcherek-Schwiderowski von der Jugendpflege. ▪

WERDOHL ▪ Das Werdohler Jugendamt ist eines der kleinsten Jugendämter, wenn nicht sogar das kleinste in ganz Nordrhein-Westfalen. Und da kann es sich Jugendamtsleiterin Sybille Dworschak mit ihrem überschaubaren Team nicht leisten, die bundesweite Image-Kampagne für die deutschen Jugendämter mit teuren oder zeitaufwändigen eigenen Aktionen aufzunehmen.

Dworschak setzt ganz auf die lokalen Stärken des Werdohler Jugendamtes und will in einer kleinen Serie die vier alltäglichen Arbeitsfelder ihrer Behörde in der Öffentlichkeit vorstellen. Dabei geht es um Hilfen zur Erziehung, um die Jugendpflege, um frühe Hilfen und um Elternarbeit. Unsere Zeitung wird in Zusammenarbeit mit dem Jugendamt im Laufe der Kampagne im Mai und Juni Beiträge zu diesen Themen veröffentlichen.

Die Idee zu einer bundesweiten Kampagne war im Jahre 2006 bei einem Treffen aller nordrhein-westfälischen Jugendamtsleitungen entstanden. Der Ruf des Jugendamtes als Einrichtung an sich sei nicht der Beste, meint auch Sybille Dworschak. In Werdohl erfahre ihr Amt und dessen Arbeit gute Unterstützung und werde breit von allen mitgetragen. In den Köpfen der Menschen sei die Wahrnehmung der Behörde häufig eine andere, eben viel schlechtere. Wenn einmal doch ein Kind zu Schaden kommt, leide sofort das Image des Jugendamtes. Das ärgert Dworschak auch hier in Werdohl, wo es zum Glück aller noch keinen solch spektakulären und medienwirksamen Fall gegeben hat. So sagt die Jugendamtsleiterin: „In so einem schlimmen Fall reitet alles auf einem Punkt herum, aber die Vielzahl unserer guten Hilfen wird ausgeblendet.“

So lautet das Motto der Kampagne doppeldeutig auch „Das Jugendamt. Unterstützung, die ankommt.“ Einerseits sei damit die Wirksamkeit der Angebote und Hilfen gemeint, andererseits verdeutliche das Verb „ankommen“ auch Beweglichkeit, Mobilität und Flexibilität der Mitarbeiter des Jugendamtes.

Die Kampagne, getragen vom Bundesfamilienministerium und der Bundesgemeinschaft der Landesjugendämter, hat viele schöne Plakate, Postkarten, Luftballons und kleine Imagebroschüren hergestellt. Davon haben auch Dworschak und ihr Team einen Korb voll bestellt. „Ich möchte aber keine spektakulären Aktionen“, so Dworschak. Stattdessen wollen die Mitarbeiter aus ihrem oft schwierigen Alltag berichten, indem auch „Kunden“ des Jugendamtes zu Wort kommen werden.

Eine Sache will Dworschak aber nicht: Die Kampagne nutzen, um auf den Erhalt des Jugendamtes in Werdohl hinzuweisen. Immer noch nicht liegt der Abschlussbericht der Gemeindeprüfungsanstalt vor, der eine Kosten-Nutzen-Abwägung gegenüber der Verlagerung zum Kreis beinhaltet. So viel Selbstbewusstsein ist vorhanden.

Volker Heyn

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare