Radfahren im Lennetal

Gefahrpunkte und Schwachstellen des Radwegenetzes im Lennetal

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Jürgen Henke mit E-Bike am unteren Ende des Verbindungswegs Schmalefeld: Dort könnte nach seiner Vorstellung eine Verbindung zwischen dem Bereich Bausenberg und dem Anschluss an den Lenneradweg geschaffen werden.

Werdohl - Dass es mit der Planung und dem Bau der Radwege in Werdohl nicht so recht vorangehen will, lässt Jürgen Henke keine Ruhe. Besonders die sogenannte Lenneroute, der 142 Kilometer lange Radweg zwischen Winterberg an der Lennequelle und der Ruhrmündung in Hagen hat es ihm angetan. Dass es da ausgerechnet auf dem Gebiet seiner Heimatstadt Werdohl noch viele Lücken und unattraktive Stücke gibt – Henke hat sich zur Aufgabe gemacht, das zu ändern.

Erst vor wenigen Tagen hat sich der mittlerweile 75-Jährige ein neues E-Bike gekauft. Mit elektrischem Rückenwind ist er durch Werdohl gestrampelt und hat dabei Schwachpunkte des Radwegenetzes angefahren und Alternativrouten ausprobiert.

Und auch für ein offenbar besonders kniffliges Teilstück der Lenneroute hat er eine Lösung in petto.Der Radwegabschnitt vom Bauckloh bis in die Werdohler Innenstadt weist in den Augen von Jürgen Henke einige Schwachpunkte auf, die mit relativ wenig Aufwand zu beseitigen seien. Das sind Henkes Vorschläge:

Über den Verbindungsweg Schmalefeld, der die Friedhofstraße mit der Plettenberger Straße (B229) verbindet, könnte eine Radwegeverbindung zwischen dem Bereich Bausenberg/Neuenrade und dem Anschluss an den Radweg zwischen Werdohl und Plettenberg geschaffen werden. „Radfahrer könnten so die derzeitige Kreisverkehr-Baustelle umfahren und auch dem dichten Lkw-Verkehr auf der Neuenrader Straße und der Neustadtstraße ausweichen“, beschreibt Henke die Vorteile.

Der Aufwand sei gering: Durch ein entsprechendes Verkehrszeichen müsse die für den Durchgangsverkehr gesperrte Straße für Radfahrer freigegeben, durch eine Sperre im unteren Bereich ein ungehindertes Durchfahren auf die Bundesstraße unterbunden werden.

Gefahrenpunkt Posten 40

Dass der Radweg von der Star-Tankstelle an der Plettenberger Straße auf der linken Seite in Richtung Innenstadt verläuft, hält Henke für gefährlich. Auf der Bahnüberführung („Posten 40“) wird es tatsächlich eng auf dem für Radfahrer und Fußgänger freigegebenen Streifen, erst recht, wenn vielleicht auch noch Kinderwagen ins Spiel kommen sollten.

Der „Posten 40“ ist eine gefährliche Engstelle an der Plettenberger Straße.

Henkes Lösung: Radfahrer queren bereits an der Tankstelle die B229 und fahren dann auf der anderen Straßenseite über einen kombinierten Fußgänger-/Radweg. Der ist etwa um die Hälfte breiter als das Pendant auf der anderen Straßenseite und außerdem deutlich übersichtlicher, weil er an der Außenseite der Kurve verläuft.

„Im Querungsbereich müsste ein Hinweisschild aufgestellt werden, dass Radfahrer die Fahrbahn kreuzen“, sieht Henke auch durchaus einen kleinen Schwachpunkt dieser Streckenführung. Sie müsste aber nach seiner Auffassung sowieso nur so lange aufrecht erhalten werden, bis das Nadelöhr „Posten 40“ durch eine andere Lösung entschärft worden ist. Daran arbeiten Stadt, Landesbetrieb Straßen.NRW und Deutsche Bahn allerdings schon seit Jahren – bisher ohne Ergebnis.

Gefährlicher Irrglaube

Im Bereich der Vorthstraße müssten die Radfahrer dann nach Henkes Vorstellungen erneut die Fahrbahn queren. Dort hat er aber noch einen weiteren Schwachpunkt ausgemacht: Manche Radfahrer wähnen sich auch im Einmündungsbereich auf einem Radweg, während auf die B229 abbiegende Autofahrer der Aufforderung folgen, bis an die Haltelinie vorzufahren. Konflikte sind nach Henkes Erfahrungen an der Tagesordnung. Er fordert deshalb für diesen Bereich eine deutlichere Beschilderung, einen klaren Hinweis an die Radfahrer, dass ihre Vorrechte an dieser Stelle vorübergehend nicht gelten.

An der Einmündung zur Vorthstraße fordert Jürgen Henke ein eindeutigere Beschilderung.

Die Kennzeichnung des vorhandenen Radweges vermisst Jürgen Henke dagegen derzeit auf der Gewerbestraße. Dort wurde ein Straßenstück mit ein er neuen Fahrbahndecke versehen, die Markierung des Radweges fehlt dort aber noch. Henke: „Das führt dazu, dass dort jetzt immer wieder Lastwagen parken.“ Die Folge: Radfahrer müssen auf die Straße ausweichen, um an den parkenden Fahrzeugen vorbeizukommen.

Henkes größtes Sorgenkind

Jürgen Henkes größtes Sorgenkind auf dem Lennerouten-Abschnitt zwischen Werdohl und Plettenberger ist aber der Bereich Teindeln/Bauckloh. Dort fehlt seit rund 30 Jahren der Lückenschluss zwischen den Radwegenetzen beider Nachbarstädte. „Im Augenblick stehen sich die Obere Wasserbehörde und der Landesbetrieb Straßen.NRW unversöhnlich gegenüber“, schildert Henke seinen Eindruck.

Vor ein paar Wochen schien es für kurze Zeit, als könnten sie sich einigen, aber mittlerweile sind sie wieder uneins über eine mögliche Streckenführung für das 500 Meter lange Radwegstück. „Der Unmut in der Bevölkerung und das völlige Unverständnis über diesen Streit um den Lückenschluss wird immer größer“, glaubt Henke.

Dabei liegt für den Werdohler SPD-Politiker, der auch Vorsitzender des Ausschusses für Umwelt und Stadtentwicklung ist, die Lösung so nah. Er favorisiert den Vorschlag der Oberen Wasserbehörde, den Radweg etwa drei Meter unter dem Niveau der Bundesstraße in das Lenneufer zu bauen. „Dort sind die Radfahrer bei Regen vor der Gischt vorbeifahrender Autos geschützt und sie können im eigenen Raum sicher fahren“, nennt er Vorteile aus seiner Sicht.

Das bemängelt Straßen.NRW

Straßen.NRW bemängelt jedoch, dass ein solcher Radweg bei Hochwasser überschwemmt werden könnte und dann nicht angenommen würde. Ein Argument, das nicht nur Henke nicht nachvollziehen kann. Auch für Sebastian Rittner vom ADFC Plettenberg ist es wenig stichhaltig: „Kein einziges unserer Mitglieder hätte damit ein Problem, wenn der neue Radweg ein paar Mal im Jahr von der Lenne überschwemmt würde. Bei richtig schlechtem Wetter fährt ohnehin niemand Fahrrad“, sagt er. Die von Henke favorisierte Radweglösung mit parallel zur B236 verlaufender Trasse hält Rittner für einen „Sahne-Radweg, der die Menschen näher an die Natur bringt.“

Henke möchte derweil den politischen Druck auf die beteiligten Behörden erhöhen. Er hat deshalb ein konzertiertes Vorgehen der Stadträte von Werdohl und Plettenberg angeregt. Ob eine gemeinsame Sitzung der Stadträte, wie sich Henke wünscht, in Zeiten der Bedrohung durch das Coronavirus aber zustande kommen kann, ist höchst ungewiss.

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