Evangelische Kirche

"Ungewöhnlich, aber richtig"

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Johanna Keiser möchte Pfarrerin werden

Balve - Die Evangelische Kirchengemeinde Balve hat mit Johanna Keiser nicht nur ein neues Gemeindemitglied auf Zeit bekommen, sondern auch die erste Praktikantin in der Geschichte der Gemeinde, die hier ihre ersten Erfahrungen auf dem Weg zur Pfarrerin macht.

„Balve sprach mich sofort an als Praktikumsort“, erzählte die 24-jährige Theologiestudentin, im Gespräch mit der Redaktion. Für das Praktikum nutzt sie die Semesterferien. Sie fügt schmunzelnd hinzu: „Mein Vater kennt Balve vom Schützenfest.“ Sie selbst ist seit dem 12. August nun erstmals in der Hönenstadt. „Es ist spannend“, berichtet Keiser, wie sie die ersten Tage in Balve erlebt hat. Mit Pfarrerin Antje Kastens darf sie mitlaufen und Erfahrungen sammeln, zudem auch der Gemeindesekretärin oder dem Hausmeister über die Schulter schauen. „Ich darf Begegnungen erleben“, sagt Johanna Keiser erfreut. Sie hat die Gemeinde unter anderem beim Open-Air-Gottesdienst im Biergarten des Wirtshauses Syré am vergangenen Wochenende (wir berichteten) erlebt. Dort sorgte Keiser mit ihrer Trompete für die musikalische Begleitung. Dieses Instrument begleitete die 24-Jährige auch in ihrer Heimatgemeinde in Lübbecke (Minden). Sie spielt im dortigen Posaunenchor – wie ihre beiden Eltern. „Meine Familie steht hinter mir“, sagt sie über ihre Entscheidung, Pfarrerin werden zu wollen. 

Schon als Kita-Kind Gemeindeerfahrung

Ihre ersten Erfahrungen mit Kirche hat Johanna Keiser bereits im evangelischen Kindergarten gemacht, dann bei den Bibeltagen und in der Kinderkirche. Seit 14 Jahren spielt sie Trompete in ihrer Gemeinde. „Ich habe positive Gemeindeerfahrungen seit meiner Jugendzeit“, sagt sie. Intensivere Einblicke bekam Keiser im Freiwilligen Sozialen Jahr in der Jugendarbeit. „Auslöser für mein Theologiestudium und die Entscheidung, Pfarrerin zu werden, war eine Jugendpfarrerin und ihre Art, Nähe zu den Menschen zu erleben“, erinnert sie sich noch genau an ihr Schlüsselerlebnis. Nach ihrem Abitur studierte sie in Neuendettelsau bei Nürnberg, in Großbritannien und jetzt in Münster. Zwölf Semester beträgt in der Evangelischen Kirche von Westfalen die Regelstudienzeit inklusive der Fremdsprachen Latein, Griechisch und Hebräisch. „Ich weiß, dass es ungewöhnlich ist, wenn ich sage, ich werde Pfarrerin – aber ich weiß, es ist richtig.“ Ihr erster Berufswunsch war Apothekerin. Inzwischen hat sich ihr beruflicher Weg gefestigt, den sie mit der Bibel als dem ältesten Buch der Welt gehen wird. „Diesen Beruf macht seine Vielfalt aus, die Gemeinschaft und vor allem das Gottvertrauen.“ Keiser sieht darin eine wichtige Bedeutung für die heutige Zeit und hofft auf gute Berufsaussichten, die sich ihr nach dem zweieinhalbjährigen Vikariat eröffnen. 

Bald erste Predigt

Viel nimmt Johanna Keiser mit in ihrem Studium, darunter auch den Aufenthalt in der Diasporagemeinde in Balve – dem Gegenteil von Lübbecke, in dem 80 Prozent der Einwohner evangelischen Glauben sind. „Dadurch erweitert sich der Horizont“, sagt Pfarrerin Antje Kastens. Sie steht der Praktikantin zur Seite: „Ich sehe mich dabei als lehrender Begleiter, der aber keine Noten vergeben darf.“ In diesem Praktikum dürfen eigene Erfahrungen gemacht werden; den Feinschliff gibt es im Vikariat. „Leider unterliegen wir wegen Corona vielen Einschränkungen, und ich darf Besuche im Krankenhaus, Altenheim oder bei Sterbebegleitungen nur alleine vornehmen“, stellte Pfarrerin Kastens dar, was nicht möglich ist. Aber auch sonst hat Johanna Keiser genügend Begegnungen und Austausch über Kirche und Pfarrdienst. Aufregend dürfte es werden, wenn sie ihre erste Predigt hält am Sonntag, 30. August, ab 10 Uhr. „Zu Hause ist, wo Gott ist“, wird ihr Thema sein. „Dann darf ich zum ersten Mal in einem Gottesdienst sprechen“, freut sie sich auf eine ganz neue Herausforderung. Und dann neigt sich ihre Praktikumszeit auch schon wieder dem Ende zu, denn am 11. September fährt Keiser wieder zurück in ihren Studienort Münster. „Ich weiß, dass es ein ungewöhnlicher Schritt ist, den ich als junger Mensch gehe, aber ich gehe ihn gern.“

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