Jetzt eine neue Dimension

Thomas Schlenz (2.v.l.), der Konzernbetriebsratsvorsitzende von ThyssenKrupp informierte sich in Werdohl.

WERDOHL ▪ „Wir sind gegen jede Schließung. Das Werk Werdohl muss erhalten bleiben.“ Mit diesem Kernsatz machte der Konzern-Betriebsratsvorsitzende von ThyssenKrupp, Thomas Schlenz, am Mittwochmittag klar, dass im Kampf um die Weiterbeschäftigung der 111 Mitarbeiter, die von der Standort-Schließung „Im Ohl“ betroffen sind, die nächste Runde eingeläutet worden ist.

Schlenz hatte, wie schon berichtet, am Rande einer Wahlkampfveranstaltung am Montagabend in Iserlohn seine Unterstützung zugesagt und war am Mittwoch in Werdohl, um sich über die hier entwickelten Vorstellungen zu informieren und gemeinsam mit den TKB-Betriebsräten das weitere Vorgehen zu erörtern.

Die vom Aufsichtsrat der ThyssenKrupp Bilstein beschlossene Schließung des Standortes „Im Ohl“ sei auf eine Weise erfolgt, „die eine Provokation ist“, so Schlenz. Damit sei eine Maßnahme eingeleitet worden, ohne nach Perspektiven für das Personal zu suchen. Er sei mehr als empört und stehe an der Seite der Kollegen.

Es sei „ein Hohn, dass ThyssenKrupp nicht in der Lage sein soll, den Beschäftigten in Werdohl einen anderen Arbeitsplatz anzubieten“, obwohl der Konzern mit seinen 185 000 Mitarbeitern aus vielen Unternehmen bestehe, die zum Teil auch in der Nähe Werdohls zu finden seien. Hier müsse an der Sozialkompetenz der Verantwortlichen gezweifelt werden.

Man wolle eine „Werdohler Erklärung“ einfordern, aus der ersichtlich werde, dass niemand der TKB-Belegschaft seinen Arbeitsplatz verliert und es keine betriebsbedingten Kündigungen geben werde. Eine Möglichkeit zur Entschärfung der Situation biete laut Schlenz eine Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft, wenngleich das Zeitfenster für eine erfolgreiche Nutzung sehr eng ausfalle. Eine breiter angelegte Vorruhestandslösung (auch in anderen Konzern-Unternehmen) und die Möglichkeit eines freiwilligen Ausscheidens bei Zahlung einer Abfindung müsse gegeben sein.

Thomas Schlenz ließ keinen Zweifel, dass man in Sachen Sozialplan und Interessenausgleich überhaupt nicht mit sich reden lassen werde. Zudem müsse gesichert sein, dass die drei Auszubildenden tatsächlich auch ihre Lehre beenden können.

Schon am Donnerstag, 22. April, wolle er erste Gespräche mit dem Vorstand führen, kündigte der Konzern-Betriebsratsvorsitzende an. Danach „werden wir überlegen, wie wir weiter wirksam auf uns aufmerksam machen können“. Insgesamt, so Schlenz in einer Zusammenfassung, „sind wir noch guter Hoffnung“.

TKB-Gesamtbetriebsratsvorsitzender Fritz Weber, der an der Tagung am Mittwoch ebenfalls teilgenommen hatte, hob hervor, dass der Schließungsbeschluss nicht zu der allmählich anziehenden Konjunktur passe. Werdohl wäre bei einem entsprechenden Investitionsschub zu retten gewesen.

Während der Werdohler Betriebsratsvorsitzende Udo Böhme ankündigte, dass keinem Konflikt aus dem Wege gegangen werde, bezeichnete sein Hohenlimburger Kollege Gerold Vogel die Aufsichtsrats-Entscheidung als „Armutszeugnis mit neuer Qualität“. Wenn keine Lösungen gefunden werden, könne man sich ausrechnen, dass bald schon der nächste Standort „dran“ sei.

Zunächst jedoch werden die Betriebsräte aus Werdohl und Hohenlimburg Ende nächster Woche in Klausur gehen, um selbst ein Personalkonzept zu erarbeiten, durch das möglichst viele Kollegen in Arbeit gehalten werden können.

Rainer Kanbach

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