In Abstimmung mit dem SGV

Jeder Kilometer auf dem Prüfstand: Werdohl dünnt sein Wegenetz aus

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Wegezeichner Michael Fliege ist derzeit in Werdohl unterwegs.

Werdohl – Die Stadt Werdohl lässt die Wanderwege an Lenne und Verse derzeit durch den Sauerländischen Gebirgsverein (SGV) neu kennzeichnen. Vorausgegangen ist dieser Maßnahme jedoch eine Überarbeitung des gesamten Wanderwegenetzes im Stadtgebiet.

Dazu hatte sich Werdohl mit vier Kommunen entlang der Lenne zusammengetan. 

Ziel des mit rund 17 000 Euro Leader-Mitteln der Region Lenneschiene geförderten Projektes war es, das Wanderwegenetz in Iserlohn, Nachrodt-Wiblingwerde, Altena, Werdohl und Plettenberg auf ein qualitativ hochwertiges, aber zugleich überschaubares Maß zu reduzieren und gleichzeitig die Wanderinfrastruktur zu verbessern. So sollte den ehrenamtlichen Helfern, die die Wegezeichen regelmäßig kontrollieren und bei Bedarf erneuern, die Arbeit erleichtert und gleichzeitig den Bewohnern der Region sowie Tages- und Wochenendtouristen ein attraktives Wanderangebot gemacht werden. 

Rundweg war bislang 58 Kilometer lang

Ulrich Betten, der in der Werdohler Stadtverwaltung mit der Neustrukturierung des rund 200 Kilometer langen Wanderwegenetzes in Werdohl befasst war, erklärt an einem Beispiel, worauf es bei der Neuausrichtung ankam: „Der Werdohler Rundweg ist 58 Kilometer lang. Das ist eine Strecke, die heute niemand mehr gehen will. Deswegen wird dieser Weg nicht mehr gekennzeichnet.“ Auch seien in der Vergangenheit viele Wege durch die Innenstadt verlaufen. „Das ist aber nicht das, was ein Wanderer möchte“, sagte Betten am Montag in der Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Stadtentwicklung (Ustea), als er das neue Wegekonzept vorstellte. 

Die Stadt hat nun zusammen mit dem Sauerländischen Gebirgsverein (SGV) und einem Planungsbüro aus der Eifel zunächst sechs Rundwanderwege auf Werdohler Stadtgebiet festgelegt. „Das ist nichts Endgültiges, aber ein Anfang“, betonte Betten in der Ustea-Sitzung. Auch wolle die Albert-Einstein-Gesamtschule sich noch einbringen und Hinweistafeln zum Thema „Nachhaltigkeit und Umwelt“ anbringen, berichtete Betten. Bevor es dazu kommt, seien aber noch Grundstücksfragen zu klären und Erlaubnisse einzuholen. 

Ausdünnung ist im Sinne des SGV

Eine solche Ausdünnung des Wegenetzes ist durchaus im Sinne des Sauerländischen Gebirgsvereins, der mit seinen etwa 33 000 Mitgliedern in rund 250 Ortsgruppen zu den großen Playern auf dem Wandersektor in Nordrhein-Westfalen zählt. Im gesamten SGV-Gebiet erstreckt sich das Wegenetz auf rund 43 000 Kilometer. Der SGV setzt mittlerweile mehr auf Klasse als auf Masse. In Zusammenarbeit mit den beiden Naturparken Sauerland-Rothaargebirge und Arnsberger Wald möchte der Wanderverein das Wegenetz ausdünnen, aber gleichzeitig optimieren. 

Für den SGV bedeutet das auch weniger Arbeit mit der Wegemarkierung, denn den demografischen Wandel bekommt auch diese Organisation mittlerweile zu spüren. Von den einst drei SGV-Abteilungen in Werdohl (Dresel, Versetal und Werdohl) ist nur noch die Abteilung Versetal übrig geblieben – und die sieht sich aus Altersgründen auch nicht mehr imstande, das Wegenetz zu markieren. Dies übernimmt nun der SGV-Hauptverein für die Stadt Werdohl. Betten bezifferte die dafür entstehenden jähröichen Kosten mit „maximal 2000 Euro“. 

Wegemarkierer ist in Werdohl unterwegs

Wegemarkierer Michael Fliege aus Hagen ist seit Monaten immer wieder in Werdohl unterwegs, um alte Markierungen zu entfernen und neue anzubringen. Denn die Stadt setzt mit ihrem neuen Wegekonzept lieber auf Klasse als auf Masse. Der Rundweg, für den selbst geübte Wanderer mindestens zwölf Stunden benötigen würden, ist nur ein Beispiel. 

Fliege kennzeichnet die sechs Werdohler Wege mit der Bezeichnung W1 bis W6 derzeit komplett neu. Dabei setzt der 60-jährige Vorruheständler auch auf moderne Technik. Der SGV hat ihm GPS-Daten zur Verfügung gestellt, die er auf sein mobiles Navigationsgerät geladen hat. So ist der Hagener auch auf unbekanntem Werdohler Terrain sicher unterwegs. Auf seinen Wanderungen überprüft er, wo die Hinweisschilder, die er neben Werkzeug, Kleber und Reiningsmittel in einer hölzernen Tragekiste mitführt, sinnvollerweise angebracht werden können und auch, wo gegebenenfalls Ergänzungen bereits markierter Weg erforderlich sind. Weil er unterwegs immer wieder anhalten und Schilder anbringen muss, kommt er nicht so schnell voran wie ein normaler Wanderer. Pro Stunde schafft er oft nicht mehr als einen Kilometer. 

Fliege: "Hier fehlt fast jegliche Infrastruktur"

Doch auf diese Weise hat Michael Fliege die Werdohler Gegend kennen und schätzen gelernt. „Das ist ein tolles, aber auch anspruchsvolles Wandergebiet“, lautet sein Urteil. Rund 300 Kilometer und „wohl an die 10 000 Höhenmeter“, habe er in den vergangenen Monaten zurückgelegt, erzählt er. „Allerdings fehlt hier fast jegliche Infrastruktur“, hat Fliege festgestellt. Es gebe kaum Cafés oder Gaststätten, in denen Wanderer einmal eine Pause einlegen oder zum Abschluss ihrer Tour einkehren könnten. Daran müsse Werdohl etwas ändern, um für Wanderer noch attraktiver zu werden.

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