Jede Menge Haschisch für die Motorradfreunde

Foto: Oliver Berg/dpa

Werdohl  - Es könnten schöne, aber auch sehr träge Stunden gewesen sein im Clubhaus eines Motorradclubs in Werdohl – bevor die Polizei kam: 164,88 Gramm Haschisch und 10,3 Gramm Marihuana stellten die Beamten im Clubhaus im Industriegebiet und in der Wohnung eines 46-jährigen Werdohlers sicher, der die Verantwortung für die gesamte Ware übernahm: „Ich habe das besessen und muss für meine Dummheit geradestehen“, legte er im Amtsgericht Altena ein umfassendes Geständnis ab.

Die recht große Menge sei allerdings „ein Zufallskauf“ gewesen: „Ich habe noch nie eine solche Menge besessen.“ Einiges sprach dafür, dass dieser Kauf tatsächlich im Auftrag vieler getätigt worden war, die den Stoff als Teil ihrer Freizeitgestaltung nutzten: „Sie haben zusammengeworfen im Club, und der Angeklagte hat es gekauft“, erklärt Rechtsanwalt Ralph Giebeler. „Wir sind nicht so wie die Bandidos und Hell’s Angels“, versichert der 46-Jährige. „Wir sind Fans ganz verschiedener Fußballvereine – ganz friedlich.“

Und er wagt eine persönliche Bemerkung zum Konsum von Marihuana und Haschisch: „Das ist nicht schlimmer, als sich mit Alkohol zuzukippen.“ Die These löst eine längere Debatte über Sinn und Unsinn der bundesdeutschen Gesetzgebung zu Haschisch und Alkohol aus. Staatsanwalt Bußmann schimpft über die „politischen Volksreden“ des Angeklagten, „dass Kiffen nicht so schlimm ist wie Saufen“.

Der Verteidiger räumt ein, dass das Bundesverfassungsgericht höchstrichterlich die Ungleichbehandlung von Haschisch und Alkohol gerechtfertigt habe. Doch gleichwohl gebe es da diesen Unterschied der weichen Droge zu Kokain und Heroin. Der Angeklagte seinerseits erzählt von einer Änderung in seinem Lebensstil: „Ich habe seit diesem Schock absolut aufgehört“ – mit dem Kiffen und sogar mit dem Rauchen allgemein. „Er hat den Clubmitgliedern gesagt, dass in diesen Räumlichkeiten nicht mehr gekifft wird“, berichtet der Anwalt von durchgreifenden Maßnahmen.

Bleiben noch ein paar Dinge aus dem Clubhaus, die die Polizei ebenfalls sichergestellt hat: Hanfpflanzen verschönerten den Raum. Einer der Motorradfreunde hatte mal ein paar Samen aus Amsterdam mitgebracht, die an dem schattigen Standort des Clubhauses allerdings nur relativ mickrige Pflanzen hervorbrachten: „Es war klar, dass da nichts draus wird, was man hätte rauchen können“, erklärt der Angeklagte. Das hatten auch die Strafverfolgungsbehörden so gesehen, die diese Miniplantage nicht in die Anklage aufnahmen. „Nicht mit der erforderlichen Sicherheit festzustellen“ ist auch der Vorwurf des Handeltreibens mit Betäubungsmitteln – trotz sichergestellter Feinwaagen und Verschlusstütchen.

Doch im Urteil schlägt die Menge der Drogen durch: 18 Monate werden es schließlich wegen des Besitzes einer nicht geringen Menge an Betäubungsmitteln. Das Schöffengericht setzte die Strafe zur Bewährung aus. Der Angeklagte erklärt sich damit zu regelmäßigen Blutuntersuchungen bereit, die ihm beim Verzicht auf die Droge helfen sollen. Nur eine Frage bleibt schließlich ungeklärt: „Für wen Sie das auf sich genommen haben – das lassen wir mal offen“, verabschiedete sich Richter Dirk Reckschmidt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare