Anliegern dieser Werdohler Straßen drohen noch Ausbaukosten

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Für Straßenbau fallen in der Regel hohe Kosten an - auch für Anlieger.

Werdohl - Laut Baugesetzbuch müssen Städte öffentliche Straßen erstmalig endgültig herstellen und zur Kostendeckung einen Erschließungsbeitrag erheben. In Werdohl ist das nicht bei allen Straßen passiert. Jede achte Straße ist noch nicht endausgebaut. Auf die Anwohner dort könnten noch hohe Kosten zukommen.

265 öffentliche Straßen gibt es im Werdohler Stadtgebiet. In der Regel ist es so, dass die Stadt Straßen endgültig herstellt, sobald sie vollständig oder zum größten Teil bebaut sind. Merkmale einer solchen endgültigen Herstellung sind Entwässerungs- und Beleuchtungseinrichtungen, Gehwege, Fahrbahnbegrenzungen und Vorgaben zur Fahrbahnbeschaffenheit. Solange diese Voraussetzungen nicht erfüllt sind, gilt eine Straße als Baustraße.

Die meisten Straßen in Werdohl erfüllen diese Merkmale – jedoch nicht alle. „Es gibt noch 33 Straßen oder Straßenabschnitte, die nicht erstmalig endgültig hergestellt sind“, sagte der zuständige Fachbereichsleiter der Stadtverwaltung, Thomas Schroeder, auf Nachfrage. Sie verteilen sich praktisch über das ganze Stadtgebiet, Eveking ist kaum betroffen, Ütterlingsen und Dresel überhaupt nicht.

Damoklesschwert über Anliegern

Für Anwohner der betroffenen Straßen bedeutet das, dass der Ausbau ihrer Straßen mit den damit verbundenen Kosten wie ein Damoklesschwert über ihnen schwebt. Wenn ihnen ein Beitragsbescheid für den Ausbau der Straße vor ihrer Tür in Haus flattert, werden nicht selten Kosten in fünstelliger Höhe fällig. Das kann für manche existenzbedrohend sein.

Kein Grund zur Beunruhigung

Für Schroeder gibt es aber keinen Grund zur Beunruhigung. „Im Moment ist das für uns kein Thema“, sagt er. Eine Ersterschließung sei für die nächsten Jahre nicht vorgesehen. Früher sei die Stadt bemüht gewesen, den Erstausbau von Straßen „relativ zeitnah“ vorzunehmen, blickt Schroeder zurück. In den 1980er-Jahren seien noch mehrere Versuche unternommen worden, Straßen auszubauen. „Aus finanziellen Gründen ist das aber wieder eingestellt worden“, berichtet der Fachbereichsleiter.

Fachbereichsleiter Thomas Schroeder: " „Jeder hat gerne schöne Straßen, möchte aber nicht dafür bezahlen."

Ob die finanziellen Gründe eher bei der Stadt oder bei den Anliegern lagen, kann er nicht mehr sagen. „In der Vergangenheit sei es aber oftmals so gewesen, dass sich Anlieger „mit Händen und Füßen dagegen gewehrt haben“, weiß Schroeder. Die letzte Erschließungsmaßnahme der Stadt liege deshalb auch schon etwa 15 Jahre zurück, erinnert er an den Ausbau der Straße Auf der Hardt. Jüngere Erschließungsstraßen, die im Neubaugebiet Düsternsiepen entstanden sind, zählt Schroeder nicht mit, weil der Ausbau dort nicht unter der Regie der Stadt, sondern durch die Volksbank als Erschließungsträger erfolgt sei.

Stadt verfolgt neue Strategie

Die Stadt verfolge seit einigen Jahren eine neue Strategie, berichtete Schroeder weiter: „Wir versuchen, Synergieeffekte zu nutzen, beispielsweise, wenn Versorger in Straßen Leitungen verlegen. Dann hängen wir uns mit dran.“ Die Kosten für eine neue Asphaltschicht könne sich die Stadt dann mit dem Versorgungsunternehmen teilen. Aus Schroeders Sicht hat das für alle Beteiligten Vorteile, auch für die Anlieger: „Für vergleichsweise wenig Geld kann man so eine gute Straße schaffen, die dann 15 oder 20 Jahre hält.“ Ein erstmaliger Endausbau sei das aber nicht, betont er. Für die Anlieger bedeutet das in solchen Fällen, dass sie keine Anliegerbeiträge für den Straßenbau bezahlen müssen.

Fachmann beschreibt das Dilemma

Doch wäre es für die Stadt nicht besser, eine Straße einmalig „richtig“ auszubauen und dann Beiträge von den Anliegern zu erheben? „Das kann man so pauschal nicht sagen“, meint Schroeder. Schließlich würden die Kosten zwischen Stadt und Versorgern geteilt. Und ein normengerechter Erstausbau einer Straße sei deutlich teurer.

Den Anliegern sei es ohnehin meistens egal. „Die sind in der Regel zufrieden, wenn sie eine Straße bekommen, die gut zu benutzen ist“, glaubt der Fachmann für Straßen, Wege und Plätze im Rathaus. „Jeder hat gerne schöne Straßen, möchte aber nicht dafür bezahlen“, beschreibt er das Dilemma.

Was will die Politik?

Doch irgendwann könnten auch die Anlieger der 33 noch nicht erstmalig endausgebauten Straßen noch zur Kasse gebeten werden. Ob und wann diese Situation eintritt, liegt nicht zuletzt an der Politik. Wenn der Rat eine Änderung der Marschrichtung beschließt, könnte der Fall aber eintreten.

Für Eigentümer komme eine Erschließung ihrer Straße aber in der Regel nicht aus heiterem Himmel, beruhigt Schroeder. Bevor es so weit sei, stehe eine Beschlussfassung in den städtischen Gremien an, dann würden Beitragsbescheide verschickt. „Das alles ist mit einem gewissen Vorlauf verbunden“, sagt Schroeder.

Wer an einer bereits endausgebauten Straße wohnt, muss in Werdohl übrigens nicht mit einer bösen Überraschung in Form eins Beitragsbescheids rechnen. „Offene Fälle“ gebe es derzeit nicht sagt Schroeder. „Alle erstmalig endgültig hergestellten Straßen sind abgerechnet.“

Diese Straßen sind noch nicht endausgebaut:

Diese Straßen in Werdohl sind nach Angaben der Stadtverwaltung noch nicht erstmalig endgültig ausgebaut:

Am Heideberg, Am Holte, Am Krähenacker Teil 2 und Teil 3 ( ab Hausnummer 13 aufsteigend, ab Hausnummer 16 aufsteigend), Am Riesei, Am Sommerhagen, Am Wiesenhang, Deitenbecke, Eickelsborn (Abschnitt B229 bis Otto-Spelsberg-Straße), Gustavstraße, Haselweg, Henneckenhammer, Höhenweg (Abschnitt Eickelsborn bis Buchenstraße), Im Eichkamp, Im Kamp ( Endstück ab Hausnummern 13/22 in nördliche Richtung), Im Wiesenfeld, In der Hartmecke, Kettenbecke, Klosterweg Teil 3 und 4 (Abschnitte ab Auf der Hardt in westlicher Richtung), Lange Straße Teil 2 (ab Waldschlösschen), Mittelstraße Teil 1 (Abschnitt Eggenpfad bis Jahnstraße), Nordstraße Teil 1 (Abschnitt Friedenstraße bis Wilhelmshöhe), Osmecke, Otto-Spelsberg-Straße, Rotenhohl, Schmalefeld, Schulweg (Abschnitt Sirriner Weg bis Fischerei), Sirriner Weg, Stavenhagener Straße (außerhalb des bebauten Bereiches), Steiler Weg, Talstraße, Über Dachhausen, Vorthstraße, Zum Winterhagen

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