„Ein üblicher Tag“

„Sofa hatte Feuer gefangen“

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Werdohls Stadtbrandinspektor Kai Tebrün hofft, auch in den Stunden des Jahreswechsels entspannt bei seinem Christbaum sein zu können. Im Fall der Fälle ist er aber – ebenso wie seine Kameraden – parat.

Werdohl - „Los geht es jedes Jahr Silvester mit den Containerbränden“, weiß Stadtbrandinspektor Kai Tebrün schon im Voraus. „Und klar ist auch: Der erste ist in Pungelscheid.“

Die vergangenen zehn Werdohler Jahreswechsel seien alle recht ruhig gewesen, blickt Tebrün zurück. „Nur vor ein oder zwei Jahren ist eine Grundstückshecke abgebrannt. Die Leute, zu denen wir ausgerückt sind“, freut sich der Stadtbrandinspektor auch heute noch, „waren so dankbar, dass sie uns gleich Getränke gebracht haben.“

Das sei indes nicht immer so: „Vor etwa zehn Jahren waren wir bei besagten Containerbrand in Pungelscheid und dort ist dann unser Einsatzfahrzeug sogar noch mit Raketen beschossen worden“, stellt Tebrün klar, dass Gewalt gegen Feuerwehrleute nicht wirklich ein neues Thema sei.

„Der letzte wirklich große Einsatz zu Silvester war aber beim Jahreswechsel 2003/2004. Da hatten sie vor dem Seniorenzentrum Forsthaus ein paar Raketen abgefeuert und ein Sofa hatte Feuer gefangen.“ Alle in der Stadt verfügbaren Einsatzkräfte waren ausgerückt und letztlich von etwa 19 bis 23 Uhr im Einsatz. „Der Rauch zog ins Haus und wir mussten alle Bewohner auf umliegende Heime und Krankenhäuser verteilen“, schildert Tebrün.

Schlimmer war es nur beim Jahreswechsel 2000/2001. „Da hatten wir – auch etwa ab 19 Uhr – einen Großeinsatz an der Sommerstraße. Da gab es einen Wohnungsbrand, der gar nichts mit Silvester zu tun hatte. Auch da gab es einen Stadtalarm“, erinnert sich der Stadtbrandinspektor.

„Das Schlimme war: Ein Bewohner war noch vor unserem Eintreffen aus dem Fenster gesprungen. Er landete auf einem Auto und verstarb.“ Bis nach Mitternacht dauerte der Einsatz. „Es war ein Reihenhaus und stand in der Mitte. Es brannte zwar komplett ab, aber die Häuser rechts und links konnten wir retten.“

Tebrün sagt abschließend: „Mitte der 90er-Jahre hatten wir in Werdohl einmal Hochwasser zu Silvester.“ Doch auch das hatte nichts mit dem Jahreswechsel zu tun. „Für uns ist das ein üblicher Tag. Wer sich nicht zu einer Feier abgemeldet hat, stößt vielleicht mit einem Sekt oder einem Bier an – und belässt es dabei. Wenn es zu einem Einsatz kommt, sind alle da“, verspricht Tebrün.

So sieht es auch Stephan Volkmann, Leiter der Feuerwehr-Kreisleitstelle. Kreisweit ist allerdings schon mehr zu tun als in Werdohl: „Ruhig ist es nie. Vor allen Dingen von 23.30 bis 3 Uhr drubbelt es sich gewaltig. Aber Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps.“

Verletzungen aufgrund von Knallkörpern, Raketen, die auf Balkone fliegen und dort etwas in Brand setzen und Streitereien in Folge von Alkoholgenuss sind die Ursachen für die hohe Zahl ein Einsätzen.

Volkmann hat in den zurückliegenden Jahren keine besonders hohe Dankbarkeit bei den Betroffenen feststellen können, dass ihnen auch an solch einem Tag schnell geholfen wird. „Aber wer uns ruft, der steckt im Normalfall in einer Ausnahmesituation – und denkt gar nicht daran, sich zu bedanken.“

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