Jahresbilanz: So läuft es auf dem heimischen Ausbildungsmarkt

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Arbeitsagentur-Chefin Sandra Pawlas (2. von links) leitete das jährliche Gespräch zum Ausbildungsmarkt im Märkischen Kreis in den Räumen der VDM Metals in Werdohl. Zuvor hatte VDM-Personalreferent Sven Haarhaus (hinten rechts) die Bemühungen um Auszubildende vorgestellt.

Werdohl – „Sie sind absolut vorbildlich und bieten den Auszubildenden ein Rundum-Sorglos-Paket“, zollte Kristina Junge vom Arbeitgeberverband Metall- und Elektro Lüdenscheid der Werdohler VDM ein Riesenlob.

Arbeitsagentur-Chefin Sandra Pawlas hatte zum jährlichen Bilanzgespräch über den Ausbildungsmarkt im Märkischen Kreis eingeladen, die große Runde mit einem guten Dutzend Experten aus allen Bereichen der beruflichen Ausbildung tagten bei VDM Metals. 

Personalreferent Sven Haarhaus hatte die äußerst erfolgreichen Bemühungen seines Unternehmens um den betrieblichen Nachwuchs dargestellt. 2019 wurden 20 neue Azubis eingestellt, weitere 18 junge Leute von Kooperationspartnern wie Stauff, Möhling und Walzwerke Einsal werden von VDM in deren so genannter „Karriereschmiede“ ausgebildet. Mit einer Durchschnittsabschlussnote von 2,1 liege man landesweit überdurchschnittlich, so Haarhaus. „Wir versuchen, alles aus dem Ausbildungsmarkt für uns herauszuholen“, beschrieb er die Situation bei VDM als sehr günstig: „Wir sind uns voll bewusst, dass wir in einer Luxussituation sind.“ Genügend Bewerber um Lehrstellen gebe es, problematisch sei deren immer schlechter werdende schulische Qualifikation. 

Qualität der Schulbildung ein Problem

Hier stieg Sandra Pawlas ein. Viele Jugendliche seien nicht bereit, sich aus ihrem Umfeld in Richtung Lehrstelle wegzubewegen. Die beständig sinkende Qualität der Schulbildung sei jedes Jahr aufs Neue zu beklagen. 

Insgesamt könne für die Region eine gute Bilanz gezogen werden. Pro bei der Berufsberatung registriertem Bewerber gibt es im Märkischen Kreis 1,07 Ausbildungsstellen, so ausgeglichen sei es längst nicht überall in Nordrhein-Westfalen. Trotz rückläufiger Schulentlasszahlen (minus 4,5 Prozent Bewerber) seien die gemeldeten Stellen auf „absolut hohem Niveau“ (minus 0,8 Prozent). Während in Iserlohn, Lüdenscheid, Menden und Plettenberg mehr Stellen als Bewerber gemeldet sind, sah das Verhältnis in Altena, Kierspe und Werdohl genau andersherum aus. 

Stirbt das Handwerk aus?

Ein Aussterben des Handwerks aufgrund des Mangels an Interesse an den Lehrberufen stellte Dirk Jedan von der Kreishandwerkerschaft fest. 

Volker Riecke vom Jobcenter bemerkte, dass die Zahl der geflüchteten jungen Leute in Ausbildung stark angestiegen sei. Insgesamt sei zu beobachten, dass viele Jugendliche Schwierigkeiten hätten, sich selbst realistisch einzuschätzen. Riecke sprach von Orientierungslosigkeit. Özgür Goekce vom Märkischen Arbeitgeberverband verwies auf die Problematik, junge Leute in Ausbildungen bei Unternehmen zu bringen, die in Gewerbegebieten weit außerhalb liegen oder sehr klein seien.

Freie Ausbildungsplätze 

Für Jugendliche noch ohne Lehrstelle bestehen beste Chancen, aktuell noch eine Ausbildung beginnen zu können. Hilfe gibt es bei der Berufsberatung der Arbeitsagentur unter Tel. 0800/4 55 55 00.

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