Umbruch im Kraftwerk in Elverlingsen

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Erik Höhne, Technischer Vorstand der Mark-E, und Martin Heesemann,Betriebsleiter des Kraftwerks. ▪

WERDOHL ▪ Vor 100 Jahren wurde in Werdohl ein Meilenstein für die Region gesetzt. Genau am 8. August 1912 begann in Elverlingsen im zweitältesten Kraftwerkstandort der Mark-E die Stromproduktion. Das Jubiliäum fällt in eine Zeit, in der sich die Energieversorgung „voll im Umbruch befindet“, wie Erik Höhne, Technischer Vorstand der Mark-E, skizziert.

„Wir sind sehr schnell unterwegs“, nimmt Höhne zum Jubiläum des Kraftwerks auch zur aktuellen Lage auf dem Markt Stellung. Die Energiewende verläuft aus seiner Sicht rasant. Im Jahr 2000 lag der Anteil des Stroms aus regenerativer Energiegewinnung bei sieben Prozent, im vergangenen Jahr waren es schon 20 Prozent, 2020 sollen es 35 Prozent sein – mehr als ein Drittel des Stroms in der Bundesrepublik würde dann durch Wasser, Wind und Solar gewonnen.

Die Zukunft sei regenerativ, der Ausbau dieser Energien massiv, so Mark-E-Vorstand Höhne. Bis 2020 werde auch der Konzern Enervie, deren Tochter Mark-E ist, vornehmlich in den Neubau von Windenergieanlagen investieren, kündigte er an.

Allerdings: Auf lange Sicht könne die Versorgung durch regenerative Energien alleine noch nicht sicher gestellt werden. Fossile Kraftwerke seien unverzichtbar, betonte daher auch der Leiter des Kraftwerks Elverlingsen, Martin Heesemann. Als sogenannte „Backup-Kraftwerke“ seien die Kraftwerke aber nicht rentabel.

Dass in der Branche die Einsatzzeiten der Kraftwerke von Erdgas und Steinkohle deutlich gesunken sind, zeigt sich auch am Werdohler Standort. Im Frühjahr 2014 soll der älteste Block E3 in Elverlingsen still gelegt werden. Die technische Lebensdauer ist überschritten, für Investitionen zur Modernisierung in der Größenordnung von 20 Millionen Euro fehlen die wirtschaftlichen Perspektiven.

Vor diesem Hintergrund fordern die Versorger daher ein „neues Marktdesign“, wie Erik Höhne es bezeichnet. Für konventionelle Kraftwerke gebe es derzeit keine wirtschaftlichen Anreize. Flankierende Maßnahmen seien während der Umbruchphase notwendig, damit ein Kraftwerk wirtschaftlich rentabel betrieben werden könne. Subventionierungen seien aber der falsche Ansatz.

Konkrete Pläne gibt es zum jetzigen Zeitpunkt daher auch nicht für die Häusersiedlung auf dem Mark-E-Gelände in Elverlingsen. Sechs Parteien würden hier derzeit noch wohnen, informierte Enervie-Sprecher Uwe Reuter. Ihr Mietrecht läuft noch bis Ende März nächsten Jahres.

Für Enervie würde das Gelände aber die Möglichkeit bieten, schnell auf mögliche Entwicklungen auf dem Markt reagieren zu können.

Von Simone Benninghaus

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