111 Jahre nach Zeppelin-Absturz: So wird in Werdohl an die Katastrophe erinnert

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Aus dem Aluminium des Wracks wurden unter anderem diese Löffel gestanzt.

Werdohl - Es war der Morgen des 5. August 1908, als das Luftschiff LZ4 in Echterdingen bei Stuttgart abstürzte.

111 Jahre später beschäftigt sich der Verein Zeppelinstadt Werdohl in einer Ausstellung noch einmal mit dem Unglück dieses Zeppelins, der seinerzeit in Werdohl gebaut worden war. „111 Jahre ,Der Tag von Echterdingen’. Das Zeppelin-Unglück und Werdohl“, heißt die Ausstellung, die am Sonntag, 4. August, um 12 Uhr im Kleinen Kulturforum im Werdohler Bahnhof eröffnet wird. „Eine Vielzahl von spannenden und hier noch nie gezeigten Objekten spannt den weiten Bogen vom Ort des Unglücks am 5. August 1908 bis zur Rückkehr des Wracks an seinen Entstehungsort, das Versetal. Dabei wird auch mit zahlreichen Mythen aufgeräumt“, sagt Moritz-Adolf Trappe. 

Zu sehen sein wird in der Ausstellung unter anderem ein Pflug aus Aluminium. Auf dem Objektträger findet sich eine Plakette mit der Inschrift „Zur Erinnerung a.d. Landung des Grafen Zeppelin am 5. Aug. 1908 auf den Fildern“. Dort, unweit Stuttgarts, landete das Luftschiff LZ 4 nach der am Vortag angetretenen 24-stündigen Dauerfahrt als Nachweis über die Tauglichkeit des Luftschiffes. „Die Fragen, ob das Modell aus Resten des Zeppelin-Wracks gefertigt, vom Grafen Zeppelin verschenkt oder von wem es überhaupt gefertigt wurde, ließ sich bislang nicht klären“, erklärt Trappe. 

Löffel aus Aluminium des Wracks

Sicher aus dem Aluminium des Wracks hergestellt wurden Löffel, die ab 4. August ebenfalls im Kleinen Kulturforum ausgestellt werden. Bereits wenige Tage nach dem Unglück wurde das Wrack per Bahn von Echterdingen über Stuttgart bis zum Staatsbahnhof Lüdenscheid und von dort aus per Kleinbahn durch das Versetal zurück zur Firma Carl Berg nach Eveking gebracht. Dort wurde das Material zu neuen Halbzeugen unter anderem zur Herstellung der Löffel verarbeitet. Diese wurden wieder nach Lüdenscheid gebracht und dort zu Löffeln gestanzt. Die im Kulturforum gezeigten Stücke wurden 1908 im Juweliergeschäft der Familie Solms in der Werdohler Neustadtstraße verkauft. „Entgegen dem weit verbreiteten Mythos wurden die Löffel nicht zu Gunsten der nach dem Unglück einsetzenden Zeppelin-Spende verkauft“, so Trappe. 

Diese Objekte sind nur zwei der Stücke der Ausstellung. Sie stehen jedoch am Beginn der damals über Nacht entfachten Zeppelin-Euphorie im Deutschen Reich. Nationalstolz, Technik- und Fortschrittsglaube bildeten die Grundlage der damit unmittelbar Verbundenen Volksspende zu Gunsten des Grafen Zeppelin und seiner Luftschiffe. 

Vorläufer der VDM Metals

Ein anderer Aspekt der Ausstellung ist der vom Versetal ausgehende Technologietransfer der heimischen Aluminiumindustrie. Neben Carl Berg war Gustav Selve der mit Abstand innovativste Unternehmer in der Aluminiumverarbeitung. Nur knapp zwei Jahrzehnte nach dem „Tag von Echterdingen“ fusionierten diese „Global Player“ ihrer Zeit zur Berg-Selve-Heckmann AG, dem Vorgänger der heutigen VDM Metals. 

Die Zeit des Aluminiums ist wenig später allerdings vorbei. Die Fusion zur Berg-Heckmann-Selve AG aber war der Einstieg Und bis heute gilt: kaum ein Automobil, kaum ein Flugzeug, kaum ein Zug ohne Material, Technik oder Patent mit Ursprung „Made in Werdohl“.

Die Ausstellung ist nach der Eröffnung am 4. August bis 1. September täglich von Dienstag bis Sonntag (jeweils 10 bis 18 Uhr) geöffnet.

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