„Integrationskonflikte“ der dritten Generation

Murat Isbogas Programm kreiste am Freitag um die Frage, ob er sich ausreichend in die Gesellschaft integriert habe. Der deutsch-türkische Kabarettist freute sich über ein großes Publikum.

WERDOHL ▪ Über 100 Besucher kamen am vergangenen Freitag in die Stadtbücherei, um das Programm „50 Jahre Almanya - Integriert mich, bitte!“ des deutsch-türkischen Kabarettisten Murat Isboga zu sehen. Damit war die Veranstaltung ausverkauft. Von Jari Wieschmann

Gemeinsam mit dem Integrationsausschuss der Stadt hatten die Mitarbeiter der Bibliothek den Abend auf die Beine gestellt. Zudem bewirtete der Türkische Frauenverein die Gäste mit Getränken und tischte kulinarische Spezialitäten auf. Im Vorprogramm spielten Mesut Arslan (Gesang) und Jan Santen als Akustikduo „Change & Stay“ ein selbst komponiertes Stück und einen Coversong.

In seinem Programm berichtete Murat Isboga über seine Erfahrungen als Türke der dritten Generation in Deutschland. „Ich wusste gar nicht, dass in Werdohl so viele Deutsche leben“, sagte der Kabarettist bei seiner Begrüßung. Ein überwiegend gemischtes Publikum sei das Ziel jeder Veranstaltung. Und da sich anscheinend sogar mehr Deutsche im Publikum befanden, stellte Murat Isboga in Aussicht, mehr Witze über seine türkischen Mitbürger zu machen. Das Programm kreiste um die Frage, ob sich der Vortragende ausreichend in die Gesellschaft integriert habe. „Wer als Türke der dritten Generation in Deutschland aufgewachsen ist, hatte eine schwierige Kindheit“, machte Isboga klar, um gleich im Nachsatz seine Aussage ironisch zu brechen: „Ich musste Zeitungen austragen – mit dem 5er BMW.“

Nur durch ein Missverständnis sei er damals auf dem Gymnasium gelandet und habe als einziger Türke in einer Fußballmannschaft gespielt. Allein seine schmächtige Gestalt habe ihn von einer großen Karriere à la Mesut Özil abgehalten. Immer wieder streute der Kabarettist den so typischen Sprachmix in seinen Vortrag ein („Wir waren Elternsprechtag mit Ford Transit“). Obwohl zwei Kulturen nur schwer zu begreifen seien, schaute Murat Isboga mit seinem Programm optimistisch in die Zukunft. Die nächste Generation werde es noch einfacher haben.

„Es wurde ernst, wir haben gelacht und hatten einen schönen Abend“, fasste Murat Isboga seinen Auftritt zusammen. Dem war nichts mehr hinzuzufügen. Das Publikum dankte mit anhaltendem Beifall.

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