Ein Jahr Kastrationspflicht für Katzen in Werdohl: Das hat die Maßnahme gebracht

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Brigitte Meinen und Marlies Ruth vom Tierschutzverein Werdohl/Neuenrade haben es in der Auffangstation immer wieder mit Katzen zu tun. Würden sich die Katzenbesitzer an die Kastrationspflicht halten, hätten die Ehrenamtler weniger Arbeit.

Werdohl - Vor genau einem Jahr hat der Rat der Stadt Werdohl die Kastrationspflicht für freilaufende Katzen beschlossen. Was hat sich seitdem in Werdohl verändert? Eine Nachfrage beim Tierschutzverein und bei der Stadtverwaltung.

Der Tierschutzverein Werdohl/Neuenrade wähnte sich an diesem 12. November 2018 am Ziel: Auf Antrag der SPD-Fraktion hatte der Rat soeben die Pflicht zur Kastration von freilaufenden Katzen und Katern beschlossen. Die Tierschützer hatten das seit Langem gefordert, weil sie immer wieder mit den Folgen einer unkontrollierten Katzenvermehrung konfrontiert werden: Läuse-, Floh- oder Wanzenbefall, an Katzenschnupfen oder Katzen-Aids erkrankte Tiere sind auch das Resultat der Weitergabe von immer schlechter werdenden Genen an immer neue Katzengenerationen. Das Elend unter der Population der Tiere wird immer größer. 

Der Tierschutzverein hat in der Vergangenheit darauf reagiert, indem er wild lebende Katzen aufgegriffen und aufgepäppelt, zur Kastration gebracht und wieder ausgesetzt hat. 800 Euro hat der Verein dafür jährlich von der Stadt bekommen. Die tatsächlichen Kosten ließen sich damit nicht decken, denn eine Katzenkastration kostet circa 100 Euro. Durchschnittlich 30 Katzen greifen die Tierschützer aber jedes Jahr auf. Die Finanzierungslücke muss der Verein aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden oder Einnahmen aus Aktionen schließen. 

Freude über Ratsbeschluss war groß

Deshalb war die Freude groß, als der Rat vor einem Jahr den Beschluss gefasst hat, dass jeder Katzenbesitzer, der sein Tier frei herumlaufen lässt, es kastrieren und per Mikrochip oder Tätowierung erfassen lassen muss. Wer sich daran nicht hält, handelt seitdem ordnungswidrig und läuft Gefahr, sich eine Geldbuße einzuhandeln. 

Doch halten sich die Werdohler an diese neue Verordnung? „Wir haben den Eindruck, dass es in Neuenrade mehr Erfolg hatte als in Werdohl“, sagt Marlies Ruth. Vorsitzende des Tierschutzvereins. In Werdohl, habe sie den Eindruck, wüssten viele Katzenbesitzer immer noch nicht von der vor einem Jahr beschlossenen Kastrationspflicht. Diesen Eindruck bestätigt auch Brigitte Meinen, Geschäftsführerin des Tierschutzvereins. „Offensichtlich braucht es seine Zeit, bis sich das in den Köpfen festgesetzt hat“, sagt sie. 

Werdohler sollen aktiv werden

Dennoch wollen die Tierschützer nicht die Hände in den Schoß legen und warten, bis die Verordnung irgendwann Wirkung zeigt. Vielmehr ermuntern sie die Werdohler, Katzen, die offensichtlich unkastriert frei herumlaufen, dem Ordnungsamt zu melden. Denn die meisten frei umherlaufenden Katzen in Werdohl seien nicht die klassischen Streuner oder Straßenkatzen, sondern hätten einen Besitzer, ist Marlies Ruth sicher. 

Als Denunziation wollen es die Tierschützer übrigens nicht verstanden wissen, wenn jemand die Stadtverwaltung auf einen Verstoß gegen die Kastrationspflicht hinweist. „Die Mitbürger sollen sich verantwortlich fühlen für die Katzen“, erläutert Brigitte Meinen, warum gegen eine Meldung von Verstößen gegen die Kastrationspflicht im Interesse der Tiere nichts einzuwenden sei. Der Tierschutzverein selbst verstehe sich nicht als „Kastrations-Polizei“, betont Meinen. „Das geht ja auch gar nicht, das können wir nicht leisten.“ 

Hat sich Pflicht noch nicht herumgesprochen?

Den Eindruck der Tierschützer, dass die Kastrationspflicht sich in Werdohl noch nicht so richtig herumgesprochen hat, bestätigt auch Ordnungsamtsleiterin Andrea Mentzel. Auf ihrem Schreibtisch sei seit November 2018 noch kein einziger Fall gelandet, in dem jemand einen Katzenbesitzer gemeldet habe, der gegen die Verordnung verstoßen habe. „Die Leute zeigen ja nicht gerne ihre Nachbarn an“, glaubt sie, einen Grund dafür zu kennen. Die Stadtverwaltung selbst behandle entsprechende Fälle zwar vertraulich und nenne keinesfalls einen Namen. Allerdings gebe es für Betroffene Mittel und Wege, doch herauszufinden, wer sie dem Ordnungsamt gemeldet habe. „Die schalten dann einen Rechtsanwalt ein, der Akteneinsicht nehmen darf“, erklärt Mentzel. 

Und was würde passieren, wenn sich wirklich alle Katzenbesitzer an ihre Pflichten halten und ihre Tiere vor ungewolltem Nachwuchs schützen würden? Würden dann die Katzen nicht aussterben? „Keineswegs“, schüttelt Marlies Ruth energisch den Kopf. „Das wird nie passieren! In Deutschland gibt es 12 Millionen Straßenkatzen. Deren Elend kann man aber eindämmen, wenn man möglichst viele Tiere kastrieren lässt.“ Auch beim Tierschutzverein Werdohl/Neuenrade würden dann weniger Katzen mit Infektionskrankheiten landen.

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