Islamischer Unterricht: Der Bedarf ist in Werdoh groß

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Islamische Religionslehre soll ab dem neuen Schuljahr in NRW schrittweise eingeführt werden. Die Werdohler Schulleiter wissen: „Der Bedarf ist da.“ An der Gesamtschule wird Islamkunde parallel zum katholischen und evangelischen Religionsunterricht bereits seit Jahren angeboten.

WERDOHL ▪ Ab dem kommenden Schuljahr (2012/2013) führt Nordrhein-Westfalen als erstes Bundesland den islamischen Religionsunterricht als Lehrfach an rund 130 Schulen ein (wir berichteten). Er soll, genau wie der evangelische und katholische Religionsunterricht den Glauben in den Fokus rücken. Ganz neu ist diese Einführung allerdings nicht. An der Werdohler Albert Einstein-Gesamtschule wird das Fach Islamkunde in deutscher Sprache längst angeboten. „Der Bedarf wächst“, hat Schulleiter Heinz Rohe festgestellt.

Die Gesamtschule ist quasi ein Vorreiter auf diesem Gebiet. Die islamische Unterweisung wurde im Schuljahr 1999/2000 eingeführt. Schon nach einem halben Jahr wurde das Fach in Islamkunde umbenannt. Ebenso wie am katholischen und evangelischen Religionsunterricht ist die Teilnahme an diesem Parallelunterricht freiwillig.

„Das Angebot hat sich aber bewährt und wird sehr gut angenommen“, berichtet Heinz Rohe.

Angebot wird sehr gut angenommen

Pro Jahrgang gibt es an seiner Schule einen Kurs, im fünften Jahrgang wurden in diesem Schuljahr zwei Kurse eingerichtet. Der Anteil der Kinder mit muslimischen Hintergrund wächst. Das hatte die Schulleitung schon vor mehr als zehn Jahren erkannt, als das Land die Möglichkeiten eröffnete, islamischen Unterricht anzubieten. An der Gesamtschule werden die Schüler von Zilka Idrisovic unterrichtet. Sie ist ausgebildete Orientalistin, „spricht aber kein türkisch“, wie Heinz Rohe betont.

Um die Muttersprache geht es in dem Fach nicht, Themenbereiche sind im fünften Jahrgang beispielsweise die Schöpfung, Streit, Schuld und Versöhnung oder Allah, der eine Gott und seine Namen. Im zehnten Jahrgang stehen aus Sicht des Islam die Themen Krieg und Frieden, Mann und Frau oder Religion und Fanatismus auf dem Lehrplan.

Mit zwei Wochenstunden steht Zilka Idrisovic auch an der Erich Kästner-Schule zur Verfügung. Sie hatte außerdem an einem Lehrwerk für das Fach mitgearbeitet. Inwieweit sich das inhaltlich von dem unterscheidet, an dem nun auch die verschiedenen Islamverbände mitgewirkt haben, dazu konnte Heinz Rohe noch nichts sagen.

Von dem neuen Unterrichtsangebot würde auch gerne Realschulleiter Bernd Bunge Gebrauch machen. Der Migrantenanteil an der Schule liegt bei 30 Prozent, Tendenz steigend. In den Jahrgängen fünf und sechs geht er Richtung 50 Prozent. „Der Bedarf am islamischen Religionsunterricht ist also da.“

Gleichwohl befürchtet Bunge jedoch, dass es wohl noch dauern werde, bis genügend Lehrpersonal zur Verfügung stehen. „Die ersten Lehrer mit den entsprechenden Fächerkombinationen werden sich dann die Stellen aussuchen können“, glaubt er, dass der Bedarf generell sehr groß sein wird.

Das sehen die Schulleiterinnen der Werdohler Grundschulen ähnlich. An der evangelischen Grundschule in Ütterlingsen wird bislang herkunftssprachlicher Unterricht angeboten, „damit die Muttersprache und die Kultur des Landes präsent sind“ wie Schulleiterin Britta Schwarze sagt.

An der Werdohler Grundschule ist das Fach Islamkunde vor einigen Jahren als Schulversuch gestartet und hat sich inzwischen etabliert. Die Schüler der dritten und vierten Jahrgänge der Stadtteile Königsburg und Kleinhammer werden jeweils eine Stunde pro Woche von Zilka Idrisovic unterrichtet, „gerne würden wir auch mehr Stunden anbieten“, so Schulleiterin Sibille Böddecker.

Das Angebot ist auch hier freiwillig und wird gut angenommen. Insgesamt rund 120 Kinder sind von ihren Eltern angemeldet worden.

Der Bedarf ist auf jeden Fall da, weiß die Schulleiterin der Werdohler Gemeinschaftsgrundschule. ▪ sim

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