Sehnsucht nach dem Süden ist zu groß

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Isabel und Tomas Garcia zeigen auf der Landkarte ihr neues Zuhause Marbella an der Südküste Spaniens. ▪

WERDOHL ▪ 2500 Kilometer – das ist die Entfernung, die Isabel und Tomas Garcia ab dem 26. Oktober von ihrem alten Zuhause trennen wird. In der nächsten Woche ziehen die Werdohler, die ursprünglich aus Spanien stammen, in ihre alte Heimat zurück. Das Ehepaar bricht in Deutschland alle Zelte ab und bezieht in den nächsten Woche ihr neues Heim in dem sonnigen Küstenort Marbella.

Deutschland in den 70er Jahren: Mit ihren Familien ziehen Isabel und Tomas Garcia im Alter von zwölf beziehungsweise 16 Jahren nach Deutschland, um hier ein neues Leben zu beginnen. Doch Isabel, die in Bilbao geboren wurde und dort aufwuchs, wollte von Anfang an wieder zurück. „Bilbao ist eine Großstadt und im Sauerland fehlte mir der Trubel und die Wärme“, sagt die heute 52-Jährige. Doch bis ihr Wunsch nach einer Rückkehr nach Spanien in Erfüllung gehen konnte, vergingen über vierzig Jahre.

In den vier Jahrzehnten baute sich das Ehepaar Garcia in Werdohl ein Leben auf. 1979 heiratete das Paar, bekam zwei Töchter. Tomas Garcia, der kein Wort Deutsch sprach, als er nach Deutschland kam, qualifizierte sich von Ausbildung zu Ausbildung weiter und ist seit 1971 bei dem Unternehmen Novelis beschäftigt. Dort arbeitete er sich vom Hilfsarbeiter zum Industriemeister hoch, besuchte die Abendschule, absolvierte ein Arbeitsstudium. Seine Frau Isabel machte zunächst eine Ausbildung zur Friseurin. Als ihre Kinder in den Kindergarten beziehungsweise in die Schule kamen, fing auch Isabel bei Novelis an. Bis heute ist das Ehepaar dort beschäftigt, hinterlässt im Unternehmen nicht nur Kollegen, sondern auch viele Freunde.

Die Familie fühlte sich im Sauerland immer wohl, betonen beide. Sie haben hier viele Freunde, sind regelmäßig im Sportverein tanzen gegangen oder haben mit Freunden gekegelt. In Werdohl nun alle Zelte abzubrechen, fällt den beiden nicht leicht. Doch der Wunsch nach Sonne, Meer und vielen Freizeitaktivitäten blieb immer in ihren Köpfen.

Es kam jedoch über die Jahre immer etwas dazwischen: Bevor die Kinder kamen, hatte das Paar kein Geld für die Rückkehr. Dann wurden ihre Töchter geboren, schließlich bauten sie ihr Haus. Doch als feststand, dass Tomas Garcia in die Altersteilzeit wechselt, fassten sie den Entschluss, nun einen Neustart zu wagen. Seit mehreren Jahren suchte das Paar schon einen Ort in Spanien, an dem sie neu beginnen und ihren Lebensabend verbringen können. In Marbella an der Südküste Spaniens wurden sie schließlich fündig.

Das Haus in Werdohl ist schon lange verkauft, gepackt wird seit Juli, die Umzugskartons stapeln sich. In Marbella hat das Ehepaar bereits eine Wohnung für sich gekauft, die allerdings noch ein wenig renoviert werden muss. Freunde haben die beiden dort nicht. „Wir fangen in Spanien wieder von Null an“, erzählt Tomas Garcia. Doch die beiden sind guter Dinge, dass sie in Marbella schnell Anschluss finden und sich wohl fühlen. Viele Freunde aus Werdohl haben sich auch schon als Besucher angekündigt.

Ihre jüngste Tochter wohnt bereits seit vier Jahren in Spanien. Die Älteste wird aber mit ihrem Mann in Deutschland bleiben, erwartet momentan ihr erstes Kind, das zu Weihnachten auf die Welt kommen soll. „Dass wir bald ein Enkelkind haben werden und dann so weit weg wohnen, ist sehr schade“, sagt Isabel Garcia. Doch ihr Entschluss stand schon fest, als die Nachricht von dem Nachwuchs kam. „Wir haben aber schon unsere Flüge für Weihnachten gebucht“, erzählt Tomas Garcia. Die baldigen Großeltern werden also hoffentlich dabei sein, wenn ihr Enkelkind auf die Welt kommt.

Doch bis dahin steht noch viel Arbeit vor dem Ehepaar. Am 23. Oktober kommt der Umzugswagen, viele Freunde müssen noch verabschiedet werden. Und schließlich wird es los gehen – 2500 Kilometer Richtung Marbella.

Von Alisa Kannapin

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