Eleanor McEvoy im Kleinen Kulturforum

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Gegen Ende ihres Konzertes zog es Eleanor McEvoy ins Publikum. Diese Geste kam besonders gut an.

Werdohl - Der Name Eleanor McEvoy hat die Menschen einmal mehr elektrisiert – in Werdohl, in der näheren Umgebung und auch in der Ferne. Nicht umsonst war das Konzert der irischen Sängerin, Songschreiberin und Multiinstrumentalistin innerhalb kürzester Zeit ausverkauft.

Und wenn die Vorstandsmitglieder des Kleinen Kulturforums im Vorfeld davon sprachen, der Auftritt der sympathischen Künstlerin am Samstag im Kulturbahnhof sei das bislang bedeutendste Event, lässt sich das auch anders sagen: Das war das Sahnehäubchen der KKF-Veranstaltungen in diesem und vorangegangenen Jahren.

Bevor der Star ins Rampenlicht trat, nutzte Annette Wolf, Mitglied des Kulturforum-Vorstands, die Gelegenheit, auf den Werdegang von McEvoy einzugehen. Die Künstlerin hatte sich schon früh auf ihre musikalischen Talente besonnen und in Dublin Violine und Klavier studiert. Sie schrieb eigene Songs und schaffte mit dem Lied „Only a Woman’s Heart“ 1992 den Durchbruch. Markus Dehm vom Folker, den Wolf zitierte, hatte festgestellt: „Eleanor McEvoy hat etwas zu sagen, ihre Lieder gehen unter die Haut“, der Stil ihrer Musik sei „übergreifend“, wobei hinter allen Facetten ihre musikalische Grundhaltung erhalten bleibe – eben irisch. Das durfte das Publikum vorab erfahren, um es anschließend erleben zu können. Aber es hörte auch: Ohne die Kontakte der Werdohler Irlandfreunde wäre der Abend nicht möglich gewesen, wobei Gottfried Brinkmann von Wolf als „nimmermüder Motor“ bezeichnet wurde.

Dann übernahm McEvoy – mit eigenen Balladen, rockig ausgerichteten Songs, Folk im klassischen Sinne und vor allem mit einer fantastisch abwechslungsreichen, in sich variablen Stimme, die in den Texten Erlebnisse ihres eigenen Lebens klangvoll und eindringlich interpretierte. Abgesehen von ihren eigenen Kompositionen und Texten mit einfühlsam-sozialkritischen bis hin zu heiter-ironischen Inhalten, bot die Künstlerin auch Cover-Versionen berühmter Kollegen, wie Bob Dylan. Wer beispielsweise den Chuck-Berry-Song „Memphis Tennessee“ hörte, wird die Erfahrung mögen, wie sensibel eine Melodie neu entdeckt werden kann.

Noch deutlicher wurde das bei dem Protestsong „Eve of Destruction“ von Barry McGuire aus dem Jahr 1965. Angesichts der lebensbedrohlichen Krisen, wie beispielsweise in Gaza und Syrien, so hatte Eleanor deutlich gemacht, habe dieses Lied nichts an Bedeutung eingebüßt. Nur die rauchig-trockene Originalversion bekam ein neues Interpretationsbild.

Die Stimme dieser Powerfrau ist eine Sache. Ihr Gefühl, mit Instrumenten umzugehen, eine andere. Den Beweis, dass eine Gitarre durchaus auch als Schlagwerk eingesetzt werden kann, lieferte McEvoy. Ebenso überzeugte sie mit der Fiddle, bei der kein Bogen notwendig war, um Klangfülle zu erzeugen. Eine geschickte, ausgeprägte Fingerfertigkeit reichte aus. Da wunderte es nicht, dass eine Rhythmusgruppe mit zwei halb gefüllten Streichholzschachteln ohne Instrumentenbegleitung die Basis für ein gefühlvoll vorgetragenes Lied war. - Von Rainer Kanbach

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