Öffentliches Leben erwacht

Inzidenz nähert sich der 100er-Marke: Das Warten auf die Lockerungen

Der Gasthof Zur Borke liegt idyllisch zwischen Küntrop, Affeln und Blintrop. Er könnte von der Erlaubnis zur Öffnung der Außengastronomie profitieren.
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Der Gasthof Zur Borke liegt idyllisch zwischen Küntrop, Affeln und Blintrop. Er könnte von der Erlaubnis zur Öffnung der Außengastronomie profitieren.

Sinkende Inzidenzzahlen geben Anlass zu der Hoffnung, dass das öffentliche Leben allmählich aus der Pandemie-Starre erwacht. Noch sind die kritischen Werte nicht unterschritten, aber nicht nur Gastronomen können Öffnungsschritte kaum erwarten.

Werdohl/Neuenrade ‒ Sinkt die Zahl der Corona-Neuinfektionen weiter, dürfen sich auch Werdohler und Neuenrader auf ein Stück Normalität freuen: Ab dem 15. Mai sollen in NRW-Kommunen bei einer stabilen Sieben-Tage-Inzidenz unter 100 an fünf Werktagen hintereinander die Außengastronomien öffnen dürfen – für Geimpfte, Genesene und negativ Getestete. Sinkt die Inzidenz unter 50, sollen Restaurants und Cafés auch Innenbereiche öffnen dürfen. Das teilte Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) am Mittwoch mit. Im Märkischen Kreis lag die Sieben-Tages-Inzidenz am Freitag bei noch 112,4.

„Wenn wir für Geimpfte, Genesene und auch für Getestete öffnen dürften, würden wir das sofort umsetzen. Es würde sich für uns rechnen“, sagt Julia Hitzblech-Schröer, Geschäftsführerin des Hotels und Restaurants Zur Borke. Alle neun Zimmer seien derzeit von Geschäftsreisenden belegt. Diese müssten mit Speisen versorgt werden. Zudem hätten alle Gäste die Möglichkeit von der „Borke to go“ Gebrauch zu machen: Gerichte zu bestellen, abzuholen und dann zu Hause zu genießen. „Die Küche ist also ohnehin geöffnet“, stellt Julia Hitzblech-Schröer fest.

Abendessen nur im Hotelzimmer

Das Frühstück könnten die Geschäftsreisenden in den Gasträumen einnehmen. „Abends müssen sie aber in ihren Zimmern essen“, berichtet die Geschäftsführerin – und erläutert den Hintergrund: „Unser Haus liegt an einer Durchgangsstraße. Wenn abends im Restaurant Licht brennt, denken Vorbeifahrende, wir hätten geöffnet. Das möchten wir vermeiden.“

Denn es sei klar, dass sich auch die Neuenrader angesichts der vielen coronabedingten Einschränkungen nach Normalität sehnen. „In der vergangenen Woche haben wir schon einmal draußen Tische aufgestellt, wir haben ja momentan genug Zeit“, erzählt Julia Hitzblech-Schröer. Das sei einigen Menschen sofort aufgefallen. „Sie haben angerufen und gefragt, ob wir geöffnet haben und sie einen Tisch reservieren können.“

Wir öffnen, sobald es möglich ist.

Julia Hitzblech-Schröer, Geschäftsführerin des Hotels und Restaurants Zur Borke.

Die Geschäftsführerin der „Borke“ könnte sich nicht nur eine Öffnung der Außengastronomie vorstellen. „Unser Hygiene-Konzept aus dem vergangenen Jahr hat sich bewährt. Außerdem haben wir zwei große Luftreinigungsgeräte mit Virenfiltern gekauft. Wir öffnen, sobald es möglich ist.“

Welche Perspektiven sich für Indoor-Freizeitsportanlagen wie die Kletterwelt ergeben könnten, wurde am Mittwoch noch nicht bekannt. Dennoch steht René Brehm, Geschäftsführer der Kletterwelt Sauerland auf Rosmart, in den Startlöchern: „Wir wären grundsätzlich bereit, jederzeit die Türen aufzuschließen und würden uns sehr freuen, die Kunden wiederzusehen. Aber ich bin wirklich sehr vorsichtig geworden, wir wollen keine Fehler machen.“ Brehm erklärt: „Bevor ich als Unternehmer überhaupt entscheiden kann, ob eine Öffnung mit Einschränkungen für die Kletterwelt einigermaßen wirtschaftlich wäre, müsste ich zunächst die Rahmenbedingungen genau kennen.“

Es mangelt an klaren Vorgaben. Genau die wünsche ich mir von der Politik aber ganz dringend.

 René Brehm, Geschäftsführer der Kletterwelt Sauerland

Und genau an dieser Stelle sieht Brehm ein Problem, das vielen Unternehmern im Verlauf der Pandemie immer wieder zu schaffen gemacht habe. „Es mangelt an klaren Vorgaben. Genau die wünsche ich mir von der Politik aber ganz dringend.“ Er stehe im engen Austausch mit dem Ordnungsamt der für Rosmart zuständigen Stadt Altena, die Zusammenarbeit sei optimal. „Aber auch das Ordnungsamt kann mir viele Dinge einfach nicht sagen, weil auch dort keine Informationen vorliegen und niemand Bescheid weiß.“

Handfeste Perspektive statt Jo-Jo-Lockdown

Wenn er über eine mögliche Öffnung entscheiden solle, müsse er nicht nur wissen, wie viele Personen sich zeitgleich im Gebäude aufhalten dürften. Beispielsweise müsse auch die Frage, geklärt sein, wie intensiv Bescheinigungen über Impfungen, Testungen oder eine überstandene Corona-Erkrankung geprüft werden müssten: „Man hört doch immer mehr über Fälschungen. Wie sieht es damit aus? Was passiert, wenn wir jemanden mit gefälschten Unterlagen einlassen?“

Kletterwelt-Geschäftsführer René Brehm ärgert sich entschieden über den Flickenteppich der Coronaschutzmaßnahmen in Deutschland. „In der Region Frankfurt zählen die Boulderhallen zu den Individualsportangeboten. Sie dürfen jetzt wieder für Gäste öffnen, die vorab einen Termin gebucht haben.“ Ein negatives Corona-Testergebnis ist dort keine Voraussetzung für eine Terminbuchung.

„Wir brauchen eine Perspektive, die Hand und Fuß hat, auf keinen Fall wieder einen Jo-Jo-Lockdown“, unterstreicht Axel Weber, Inhaber der Fitness AG in Werdohl. „Wenn Geimpfte und weitere Gruppen wieder trainieren dürfen, dann werden wir uns ein Angebot für sie überlegen“, erklärt er.

Doch grundsätzlich lebe das Studio natürlich von allen Mitgliedern. Insgesamt erscheine es ihm deshalb schwierig, das Fitnessstudio nur für Geimpfte, Genesene und Getestete zu öffnen. „Eigentlich möchte man diese Unterschiede nicht machen und allen Kunden wieder etwas bieten.“ Zudem könne er sich vorstellen, dass viele Mitglieder sich mit einem Coronatest auf Dauer schwertun würden. „Man hat das ja auch bei den Friseuren festgestellt. Kaum gab es die Testpflicht, waren kaum noch Kunden da. Vor dem Training noch zum Test zu gehen – das wird vielen einfach zu umständlich sein.“

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