So investiert die Stadt Werdohl in ihre Schulen

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So nah kommen Schüler normalerweise nicht dran. Marvin Klimach, bei der Stadt für die Digitalisierung der Schulen zuständig, zeigt im Testraum der Gesamtschule, wie eine Dokumentenkamera funktioniert. Sie kann das Experiment auf dem Versuchstisch des Lehrers via Beamer live an die Wand über Tafel projizieren. So können die Schüler genau sehen, was in dem u-förmigen Glasrohr passiert.

Werdohl - Die Stadt Werdohl will bis 2021 viel Geld investieren, damit in den Schulklassen das Digitale Lernen Einzug halten kann. Ein Schwerpunkt ist die Gesamtschule, aber auch die Realschule soll profitieren, obwohl sie 2025 ausläuft. Und in den Grundschulen soll die Basis für das Lernen der Zukunft gelegt werden.

Digitales Lernen ist an deutschen Schulen noch wenig verbreitet, andere Länder sind da schon weiter. Die Stadt Werdohl will das an ihren Schulen jetzt ändern. Bis zu 2,4 Millionen Euro, die zum allergrößten Teil aus Fördermitteln von Bund und Land stammen, will sie dafür verwenden, die Grundschulen, die Realschule und die Gesamtschule mit der Infrastruktur auszustatten, die ein Lernen mit Neuen Medien ermöglicht. Wir beantworten die wichtigsten Fragen in diesem Zusammenhang:

Wer legt fest, was angeschafft wird?

Die Entscheidung trifft letztlich die Stadt als Schulträger. Allerdings hat ein Fachbüro ein Medienkonzept für alle Werdohler Schulen erstellt, und die Stadtverwaltung hat sich mit den Schulen abgestimmt, damit nicht am Bedarf vorbei geplant wird.

Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein?

Zunächst einmal benötigen natürlich alle Schulen einen schnellen Internetanschluss. Bisher hat so etwas nur die St. Michael-Grundschule in der Innenstadt. Noch in diesem Jahr soll die Albert-Einstein-Gesamtschule (AEG), die bisher mit gerade einmal 10 MBit/s ans Netz gehen kann, einen Gigabit-Anschluss erhalten. Sven Stocks, kommissarischer Schulleiter, freut sich darüber: „Das ist wie ein Umstieg vom Traktor auf den Porsche!“

Die Realschule soll einen 100-MBit-Anschluss, die übrigen Grundschulen 50-Mbit-Zugänge erhalten.

Wie werden die Schulen ausgestattet?

In der Albert-Einstein-Gesamtschule hat die Stadt einen Testraum für Digitales Lernen eingerichtet: mit W-Lan-Zugang, LED-Beamer, einer Projektionsfläche und Übertragungstechnik, die verschiedene Medieninhalte über den Beamer wiedergeben kann. So können im Unterricht Videofilme eingespielt werden, oder die Lehrer können Inhalte von ihrem Tabletcomputer an die Wand projizieren.

Sogar eine Dokumentenkamera wurde testweise installiert. Mit ihr können zum Beispiel chemische Experimente für alle Schüler an der Projektionsfläche live bestens sichtbar gemacht werden.

Hier laufen alle Kabel zusammen: Volker Stöckel (hinten) und Marvin Klimach im Serverraum der Albert-Einstein-Gesamtschule.

Nicht alles aus dem Testraum wird später in allen Klassenräumen an allen Schulen umgesetzt. Die Dokumentenkameras gibt es beispielsweise nur in naturwissenschaftlichen Räumen. An den Grundschulen werden sie allerdings schon verwendet, als Ersatz für die althergebrachten Tageslichtschreiber oder für Mikroskope. Reinhardt Haarmann, Leiter der Abteilung Schule, Kultur, Sport und Service bei der Stadt: „Die Grundschullehrerinnen sind davon total begeistert!“

Die Realschule verfügt bereits über einen Beamer und eine große Leinwand in der Aula, was andere Schulen nicht haben. W-Lan-Zugänge, Übertragungstechnik, Beamer und Projektionsflächen soll es aber in allen Klassenräumen geben. „Dadurch müssen sich die Lehrer dann nicht immer wieder umstellen, wenn sie in einem anderen Raum unterrichten“, erklärt Haarmann.

Wann geht es los?

Für die AEG soll bereits in den nächsten Tagen ein Leerrohr von einem Glasfaser-Knotenpunkt in der Becke bis in das ehemalige Hauptschulgebäude am Riesei gelegt werden. Von dort bis in die Gesamtschule liegt bereits Glasfaser. Die Bestückung des Leerrohrs mit Glasfaserkabel ist Sache der Telekom und soll bis spätestens zum Jahresende erfolgen. Ab Anfang 2020 werden die Klassenräume verkabelt. Der digitale Unterricht soll mit Beginn des Schuljahres 2020/21 starten.

An der Realschule wird in den Herbstferien ermittelt, wie viele W-Lan-Zugänge benötigt werden; die Verkabelung der Klassenräume erfolgt in den Sommerferien, sodass dann auch dort ab August 2020 digital unterrichtet werden kann.

In den Grundschulen wird die Zahl der benötigten W-Lan-Zugänge in den Osterferien 2020 ermittelt, die Verkabelung der Klassenräume soll 2021 erfolgen. Digitaler Unterricht ist dann wohl ab Sommer 2021 möglich.

Was bringt die digitale Ausstattung für den Unterricht?

„Das wird am Ende ein echter Mehrgewinn“, ist Sven Stocks von der AEG überzeugt. Mehrere Schüler könnten gemeinsam an einem Dokument arbeiten, das individuelle Lernen werde erleichtert, nennt er nur zwei Vorteile.

Schulabteilungsleiter Haarmann ist sicher, dass es sich auszahlen wird, dass das Digitale Lernen demnächst schon in den Grundschulen beginnt.

Sind die Lehrer eigentlich auf den Unterricht mit digitalen Medien vorbereitet?

Praktiker und Wissenschaftler sind sich einig: Die besten Rechner und das schnellste W-Lan bringen wenig, wenn es kein vom Lehrerkollegium unterstütztes, pädagogisch fundiertes Lernkonzept in den Schulen gibt. Deshalb lernen die Lehrkräfte in speziellen Schulungen, welche Möglichkeiten es gibt, den Unterricht mit den neuen technischen Möglichkeiten zu gestalten. Und von den IT-Spezialisten der Stadtverwaltung werden sie technisch fit gemacht, damit sie die Geräte auch bedienen können.

Erhalten die Schüler auch Tabletcomputer?

Das ist noch offen, aber wahrscheinlich ja. Die Stadt kann aus dem Digitalpakt Schule rund 674.000 Euro erhalten, deren Verwendung aber noch nicht klar ist. Dass soll in Abstimmung mit den Schulen entschieden werden. Eventuell könnten davon iPads angeschafft werden, die den Schülern leihweise zur Verfügung gestellt werden.

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