Inventur im Kaufhaus: 140 Zähler im Einsatz

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Kein Regal, kein Kleiderständer bleibt verschont: Immer am ersten Samstag im Jahr steht im WK-Warenhaus die Inventur an. Ob Lebensmittel, Kleidung, Zeitschriften, Zigaretten oder Schreibwaren – alles wird genauestens festgehalten. ▪

WERDOHL ▪ Einmal in zwölf Monaten, immer am ersten Samstag im Jahr, ist das WK-Warenhaus am Brüninghaus-Platz voll, obwohl es geschlossen ist und kein einziger Kunde durch die Gänge streift. Denn dann steht die große Inventur an. „100 eigene Köpfe und 40 zusätzliche Kräfte haben wir heute hier“, erklärt Geschäftsführer Manfred Beiske.

„Zwar werden unsere Waren über das Jahr hinweg kontinuierlich durch die Kassengeräte gezählt“, erläutert Beiske, „doch der Gesetzgeber gibt vor, dass einmal im Jahr alles auch körperlich erfasst werden muss.“

Und da nehmen es der Geschäftsführer und seine Mitarbeiter im Lennestädter Einkaufszentrum ganz genau. Wo im Baumarkt die Anzahl der Schrauben womöglich bloß geschätzt wird, wissen die WK’ler am Ende des ersten Samstages eines jeweiligen Jahres ganz genau, was wie oft in den Regalen steht.

Das ist hier und da schon etwas aufwändiger: „Auch jede Glückwunschkarte in der Schreibwarenabteilung wird in die Hand genommen“, weiß Beiske, dass die physische Erfassung des Bestands gelegentlich mühsam werden kann.

Damit die Inventur aber nicht zu nervenzehrend wird, gibt es bei manchen Waren einfache Hilfsmittel. „Bei den Kurzwaren haben wir ein Messgerät“, klärt Beiske auf. Abteilungsleiterin Ina Kuberka führt das „Gerät“ vor: Eine einfache Holzplatte, mit einer Skala versehen, wie ein Lineal anmutend, schiebt sie in einen Füllschacht für Nähgarn. „Da passen 13 Rollen Garn hinein. Je nachdem, wie weit das Gerät im Schacht verschwindet, weiß ich dann, wie viele Rollen noch drin sind.“

Und so gingen Beiskes Mitarbeiter auch am Samstag mit Freude zur Sache. Als besonderen Höhepunkt wartet jede Inventur zur Mittagszeit auch mit einem warmen Mahl auf. Darauf freuen sich die Zählenden immer sehr.

Das ist dann eine Stärkung, die auch notwendig ist. Trotz der 140 Kräfte, die an diesem Tag durch das WK ziehen, um alles in Augenschein zu nehmen, ist die Inventur nicht im Handumdrehen erledigt. „Erfahrungsgemäß brauchen wir immer vier, fünf Stunden“, weiß der Geschäftsführer.

Bis dahin beherbergte Beiske aber auch noch Gäste im Haus, die das Ganze mit Argusaugen überwachten. Denn immer zur Inventur kündigen sich auch Wirtschaftsprüfer an: „Wir haben ja eine Publizierungspflicht“, berichtete der Diplom-Betriebswirt. „Und wenn wir die Inventur machen, kontrollieren die Wirtschaftsprüfer auch ganz genau, ob wir alles richtig machen.“

Und für die 40 eigens eingestellten Hilfskräfte kann sich dieser Tag auch noch als besonders lohnend herausstellen. „Das sind ja zumeist Schüler“, berichtete Beiske. Auf die habe er im Laufe der Inventur schon ein Auge gerichtet.

„Manche, die einmal bei der Zählung geholfen haben, sind uns als Ferienjobber, bei Praktika und sogar als Auszubildende wieder begegnet.“ Der WK-Geschäftsführer verbindet so die körperliche Warenerfassung mit der Mitarbeiterwerbung: „Das ist hier heute für manche sowas wie ein Erstkontakt zu uns“, erklärte er.

Von Michael Koll

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