Interview mit Psychologe Arnd Stein

Die Psyche spielt eine große Rolle

Psychologe Arnd Stein entwickelte in den 1980er-Jahren das Konzept „Den Schmerz besiegen“. Dabei handelt es sich um ein Suggestionsprogramm, kombiniert mit Entspannungsmusik und einem Fantasiespaziergang. Dieses Programm soll chronischen Kopfschmerzpatienten Besserung verschaffen.

SV-Volontärin Sarah Lorencic sprach mit Arnd Stein über seine Arbeit.

Wie kam Ihnen die Idee, eine von Musik untermalte Tiefensuggestion zu entwickeln?
Arnd Stein: Diese Idee entstand aus der Verhaltenstherapie, als ich nach dem Studium als Kinderpsychologe mit eigener Praxis gearbeitet habe: Kinder sind äußerst empfänglich für Fantasiereisen. Vor allem im Bereich von Schulschwierigkeiten hat sich diese Technik als besonders effektiv erwiesen. Und die Ergänzung erzählter Geschichten vor dem Hintergrund entspannender Musik übt eine besonders intensive angstlösende Wirkung aus. Da ich auch Musiker bin, habe ich in den Sitzungen eigene Klavier-Improvisationen vom Band abgespielt. So entstand eine Kombination aus Fantasiegeschichte/Entspannungsmusik sowie Ermutigungen und positiven Leitsätzen, also Suggestionen.

Arnd Stein wurde 1946 geboren, studierte Psychologie an der Ruhr-Universität Bochum und promovierte 1975 in den Bereichen Medienpsychologie und Publizistik. Während seines Studiums war er als Kinderpsychologe tätig, seit 1972 in eigener Praxis.Während seiner Tätigkeit als Psychotherapeut beschäftigte er sich mit Hypnose und Entspannungsverfahren. Nach einer langjährigen Klavierausbildung entwickelte er Entspannungs-Kompositionen, führte den Ruhepuls-Rhythmus von 60 Taktschlägen in der Minuten ein und entwickelte eine Auto-Suggestions-Technik. 1987 gründete er den Verlag für Therapeutische Medien in Iserlohn, von dem von ihm konzipierte Tonträger produziert und vertrieben werden.

Wie entwickelten Sie das Angebot weiter?
Stein: Noch in den 1980er-Jahren wurde ich Mitglied der neu gegründeten „Deutschen Gesellschaft für Hypnose“. Jetzt war die Übertragung meines Entspannungs- und Suggestionsprogramms auf Erwachsene ein logischer Schritt. Die oft erstaunlich positive Wirkung von Suggestionen auf körperlich-seelische Vorgänge allein über CD ermutigte mich, einen eigenen Verlag zu gründen und verschiedene Themen in Form von CD-Programmen zu publizieren – von der Raucherentwöhnung zur Gewichtskontrolle, von der Steigerung des Selbstbewusstseins bis zur Schmerzkontrolle.

Können Sie erklären, warum sich durch Suggestion Schmerzen lindern lassen?
Stein: Das ist in wenigen Sätzen schwierig. Die Suggestions- und Hypnoseforschung hat in zahllosen Studien gezeigt, dass jede Schmerzempfindung auch durch psychische Faktoren beeinflusst werden kann – bis hin zur völligen Schmerzfreiheit, sogar bei chronischen Schmerzen. Nur: Die individuelle Reaktion auf Entspannungs- und Suggestionsverfahren ist sehr unterschiedlich.

Eignet sich diese Methode für jeden?
Stein: Ja – zumindest für einen Test. Denn der Schmerzpatient muss zunächst prüfen: Empfinde ich den Sprecher, die Musik und die zusätzlich geflüsterten Suggestionen als angenehm? Kann ich mich also mit der CD für eine halbe Stunde wirklich entspannen? Wenn ja, dann haben die Suggestionen gute Chancen, nach wiederholter Anwendung bestimmte (oft unbewusste) schmerzlindernde Prozesse auszulösen.

Was sagen Sie als Psychotherapeut zu Kopfschmerzen und Migräne?
Stein: Das sind körperliche Empfindungen mit unendlich vielen Ursachen. Besonders wichtig: Migräne ist ein eigenständiges Krankheitsbild und muss daher auch anders diagnostiziert und behandelt werden als Kopfschmerzen. Insgesamt gilt aber ein psychologischer Grundsatz: Stress verstärkt und Entspannung lindert jede Form von Kopfschmerzen.

Wie sind Ihre Erfahrungen bei Patienten mit Kopfschmerzen und Migräne?
Stein: Völlig unterschiedlich. Je genauer die medizinische Diagnose und Behandlung, desto wirksamer können auch suggestive und hypnotherapeutische Methoden sein. Umgekehrt gilt aber auch: Trotz medizinischer Abklärung können ungelöste seelische oder soziale Konflikte den Erfolg einer Entspannungs- und Suggestionsbehandlung infrage stellen.

Was raten Sie Patienten mit chronischen Kopfschmerzen und/oder Migräne?
Stein: Wichtig ist eine kompetente ärztliche Untersuchung – nicht nur beim Hausarzt, sondern auch beim Neurologen. Bei Migräne ist zum Beispiel der Besuch einer Migräne-Sprechstunde in einer entsprechend spezialisierten Klinik empfehlenswert. Aus psychologischer Sicht sage ich: Überprüfen, was privat/beruflich belastend ist, eventuell auch in psychotherapeutischen Gesprächen. Stress vermeiden und eine Entspannungstechnik anwenden – egal, ob autogenes Training, die progressive Muskelentspannung nach Jacobson oder eine meiner CDs zur Tiefenentspannung.

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