Interview mit Experte Knipp: „Äpfel nicht neben Kartoffeln lagern“

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Volker Knipp vom Naturschutzzentrum Märkischer Kreis begutachtet hier Äpfel auf der Streuobstwiese von Klaus Rohrmann in Werdohl. Streuobstwiesen seien ein wichtiger Lebensraum, sagt der 50-Jährige.

Werdohl - Volker Knipp ist beim Naturschutzzentrum Märkischer Kreis der Experte für Äpfel. Der Schalksmühler betreut das Leader-Projekt „Südwestfalens blühende Vielfalt erhalten“, in dessen Rahmen alte Apfelsorten gezielt vermehrt werden.

Im Interview mit SV-Redakteur Volker Griese spricht er über die Ernte in diesem Jahr, über die Bedeutung von Streuobstwiesen und darüber, was Verbraucher beachten sollten. 

Herr Knipp, wie fällt in diesem Jahr die Apfelernte aus? 

Volker Knipp: Die Apfelernte fällt 2018 insgesamt leicht überdurchschnittlich aus. An manchen Standorten gab es aber auch einen Rückgang der Erntemenge. 

Wie hat sich der heiße und trockene Sommer denn auf die Qualität der Äpfel ausgewirkt? 

Knipp: Die Äpfel konnten einen hohen Zuckeranteil und viel Aroma ausbilden. Durch die Trockenheit reifen viele Apfelsorten zwei bis drei Wochen früher aus als üblich. Manche Früchte haben Schaden durch Sonnenbrand erlitten. Durch Vogel- und Insektenfraß faulen auch einige Äpfel direkt am Baum. Wie lange die später reifenden Lagersorten wie zum Beispiel Boskop oder Ontario durch die sommerliche Wärme lagerfähig sein werden, bleibt abzuwarten.

Bauen die Erzeuger im Raum Werdohl besondere, alte Sorten an? 

Knipp: In den Obstwiesen im Raum Werdohl findet man häufig noch traditionelle Apfelsorten wie Boskop, Ontario und Jakob Lebel. In den Hausgärten werden zunehmend auch moderne Neuzüchtungen oder aus dem Supermarkt bekannte Sorten wie etwa Braeburn angebaut, die sich aber nur bedingt für das Werdohler Klima eignen oder/und einen hohen Pflanzenschutzmitteleinsatz erfordern. 

Blattläuse, Würmer und Apfelwickler – wie halten Obstbauern, die auf ökologischen Anbau achten, die Schädlinge in Schach? 

Knipp: Durch das Anbringen von Vogelnistkästen und Raupenleimringen am Stamm lässt sich die Zahl dieser Schädlinge etwas minimieren. Auch biologische Mittel wie etwa Pflanzenjauchen oder die Unterpflanzung der Bäume mit bestimmten Kräutern können den Befallsdruck durch Insekten im Hausgarten etwas eindämmen. Eine strukturreiche Umgebung der Obstwiese schafft weiteren Lebensraum für wichtige Nützlinge wie etwa Marienkäfer und Ohrwürmer, die sich von Blattläusen ernähren. 

Streuobstwiesen sind doch eigentlich unrentabel. Warum setzen manche Obstbauern trotzdem auf diese traditionelle Form des Obstbaus? 

Knipp: Streuobstwiesen stellen einen wichtigen Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten dar und haben einen hohen Erholungswert für die Bevölkerung. Außerdem schafft das System der Aufpreisvermarktung einen kleinen Anreiz, im Herbst seine Äpfel zu Saft verarbeiten zu lassen. Im Märkischen Kreis erhalten Obstbauern zurzeit vom Naturschutzzentrum MK 18 Euro pro 100 Kilogramm angelieferter Äpfel. 

Zum Bestäuben der Blüten sind Obstbauern auf die Hilfe der Bienen angewiesen. Allerdings sind die fleißigen Helfer zunehmend bedroht. Wie reagieren Obstbauern darauf? 

Knipp: Ich kenne einige Kooperationen von Imkern und Obstbauern. Die Imker dürfen ihre Völker in der Nähe der Obstwiesen aufstellen. Von dieser Zusammenarbeit profitieren so beide Seiten. Außer der Honigbiene leisten auch solitäre Wildbienen und Hummeln eine wichtige Aufgabe als Bestäuber. Durch die Schaffung von Nistmöglichkeiten und die Anpflanzung von Bienenweidepflanzen unterstützen Obstanbauer zusätzlich unsere heimischen Wildbienen. 

Worauf sollten Verbraucher beim Einkauf und der Lagerung von Äpfeln achten? 

Knipp: Der Verbraucher sollte verstärkt auch regionale Äpfel zum Beispiel auf dem Wochenmarkt oder direkt beim Erzeuger kaufen. Apfel-Allergiker können sich über verträgliche Sorten auf der Homepage des BUND-Lemgo informieren. Zur Lagerung eignet sich nur einwandfreies Obst ohne Druckstellen und mit Stiel. Eine niedrige Lagertemperatur und hohe Luftfeuchtigkeit sind von Vorteil. Bis zu den ersten stärkeren Frösten ist eine Lagerung auf dem Balkon oder in der Garage möglich. Wichtig ist eine einschichtige luftige und mäusesichere Aufbewahrung auf Kunststoff- oder Holzstiegen und eine regelmäßige Kontrolle der Früchte auf Fäulnis. Ideal sind kühle und feuchte Kellerräume. Und: Äpfel sollte man nicht neben Kartoffeln lagern, da Äpfel Ethylen abgeben, was zum Keimen der Kartoffeln führt. 

Welche Apfel-Sorte ist Ihr persönlicher Favorit?

Knipp: Der aromatische Gravensteiner ist einer meiner Lieblingsäpfel. Da man diesen Apfel aber selten erhält, esse ich auch gerne die ebenfalls würzigen Apfelsorten Alkmene, Biesterfelder Renette oder den Topaz.

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