„Internet kann jeder – funken nicht“

´Der Werdohler Amateurfunker Kurt Klüppelberg schickt die ehemalige Burg Pungelscheid zusammen mit seinem persönlichen Code DK4CR und seinem weltweit identifizierbaren Standort JO31VF in die ganze Welt.   Foto: Krumm

WERDOHL -   Kurt Klüppelberg dreht an seinem Kurzwellenempfänger. Die Stimme eines Italieners taucht auf. Von „Triest, north Italy“ aus plaudert er mit einem Funkamateur in Bayern über die jeweils vorhandenen Gerätschaften. Ein Dreh am Rad und ein Funker aus der Gegend „zwischen Magdeburg und Halle“ taucht auf.

Er bittet um Rückruf einer beliebigen nordamerikanischen Station. Eine Stimme aus der Nähe von Hannover meldet sich. „Das ist Rainer - den kenne ich“, freut sich Peter Hoffrecht, Vorsitzender des Ortsverbandes Werdohl des deutschen Amateur-Radio-Clubs (DARC).

Gemeinsam mit Bernd Hafermas ist er zu Gast bei Kurt Klüppelberg, um die Leidenschaft für das weltweite Funken auf der Kurzwelle zu erklären. „Internet kann jeder – funken nicht“, erklärt Bernd Hafermas die Faszination für dieses weltweite Netz jenseits des Internets.

Die kleine Kostprobe aus der europäischen Nachbarschaft ist dabei nur ein winziger Ausschnitt aus dem Reich des Möglichen: Hinter Kurt Klüppelbergs Arbeitstisch mit den Empfängern und Verstärkern gibt es eine Wand mit Trophäen: Eine von ihnen dokumentiert den Kontakt zu Funkern in mindestens 200 Ländern in der ganzen Welt. Aber wie kommen die Wellen um den ganzen Globus? „Das ist deshalb so spannend, weil die Verbindungen nicht immer funktionieren“, erklärt Kurt Klüppelberg. „Sie können plötzlich abbrechen.“ Die wichtigste Voraussetzung für eine gelingende Kurzwellenverbindung schafft die Sonne: In jener äußeren Schicht der Atmosphäre, die nach der Wirkung der dort noch sehr harten Sonnenstrahlung „Ionosphäre“ heißt, gibt es elektrisch geladene Teilchen. An der Grenze zu dieser Schicht werden die Kurzwellen abgelenkt und so weiter um den Erdball geschickt. Unter idealen Bedingungen könnte ein Funker sein eigenes Signal einmal um die Erde schicken und selber wieder auffangen. Verbindungen nach Japan, Neuseeland oder den Falklandinseln sind deshalb im Prinzip kein Problem. Stimmen müssen nur die Tageszeit, die Wetterlagen auf dem Weg und die Sonnenaktivität. „Die Ausbreitungsbedingungen sind immer wieder anders.“ Das macht die Suche im Äther so spannend.

Und wie Fischer von ihren Fängen erzählen die drei Funkamateure von den Frequenzen, die sie „bearbeitet“, nicht etwa „abgehört“ haben, und den weltweiten Verbindungen, die dadurch zustande kamen: nach Gibraltar, in die neuentstandene Bürgerkriegsrepublik Südsudan, zu einem Deutschen im mittelamerikanischen Zwergstaat Belize, Elke, die mit einem Segelschiff zwischen den Kapverdischen Inseln und den Kanaren unterwegs war und ihrem Mann „erstmal Frühstück machen musste“ sowie jenem Japaner aus Nagasaki, der auf Palau in der Südsee Urlaub machte. Das weltbürgerliche Hobby kann noch heute eine wichtige Funktion bekommen.

Dann nämlich, wenn alle anderen Kommunikationsmittel durch eine Katastrophe zusammenbrechen. So erzählt Kurt Klüppelberg von jener kleinen Inselgruppe im Indischen Ozean, von der sich nach der großen Tsunami-Katastrophe in Südostasien zuerst die Kurzwellenfunker meldeten.

Für die Verleihung ehrenvoller Urkunden werden die Kontakte auf eine wunderbar altmodische Art dokumentiert: Kurt Klüppelberg zeigt seine umfangreiche Sammlung mit Postkarten aus der ganzen Welt: Wer einen exotischen Kontakt hergestellt hat, bestätigt dies seinem Gesprächspartner durch eine Postkarte. So schickt auch Kurt Klüppelberg die ehemalige Burg Pungelscheid zusammen mit seinem persönlichen Code DK4CR und seinem weltweit identifizierbaren Standort JO31VF in die ganze Welt.

Diese Bestätigungskarten werden in der Regel über zentrale Erfassungsstellen der nationalen Verbände gesammelt und zugestellt. Manchmal kommen sie aber auch direkt aus Mauritius oder Uruguay, Taiwan oder Brasilien, Bhutan, Pakistan oder Kuwait. Viele Scheichs betreiben im Nahen Osten dieses Hobby, in dessen „Who is who“ sich illustre Namen befinden: König Juan Carlos von Spanien, Friedrich Merz, Jürgen Vietor, Kopilot der Lufthansa-Maschine „Landshut“, und sehr viele ehemalige Astronauten wie Reinhard Furrer, Ulf Merbold und Thomas Reiter sind „on air“. „Wenn einer sagt, Amateurfunk ist kein spannendes Hobby – der hat keine Ahnung“, bekennt sich der Vereinsvorsitzende Peter Hoffrecht nachdrücklich zu seiner exklusiven Freizeitbeschäftigung.

Von Thomas Krumm

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