Interesse an 120 000 Euro im Verfügungsfonds

WERDOHL ▪ Harte Kost kam auf die 14 Besucher der Informationsveranstaltung zum Thema Verfügungsfonds am Dienstagabend im Bürgerhaussaal zu: Die beiden Mitarbeiter aus dem Stadtumbaubüro, Anna Schwengers und Erik Plöger, erläuterten das Verfahren.

Von Michael Kroll

Und Schwengers gestand: „Das ist ein sehr komplexes Instrument, welches in der Regel mehr Fragen aufwirft als Antworten liefert.“ Erste Antworten konnten sie und ihr Kollege jedoch geben.

Eine der ersten Förderungen aus dem Verfügungsfonds bescherte der Stadt die 20 neuen Buden, welche auf dem Weihnachtsmarkt bereits zum Einsatz kamen. Da das Instrument aber noch nicht allzu bekannt ist, wurde nun einmal ausführlich darüber aufgeklärt: 120 000 Euro stehen in den kommenden zwei Jahren bereit, jeweils 30 000 Euro pro Jahr für das Beteiligungsbudget und für den Projektfonds. Die Gelder kommen zu 80 Prozent vom Land, zu 20 Prozent aus dem städtischen Haushalt.

Für beiden Töpfe gilt, dass keine Aktionen unterstützt werden können, die aus anderen Budgets finanziert werden dürften. Es muss sich also um zusätzliche Maßnahmen handeln, um etwas Neues für die Stadt. Das Stadtfest als solches etwa, wie es seit Jahren bereits stattfindet, ist nicht förderungswürdig. Beim Beteiligungsbudget wie auch beim Projektfonds gilt: Die ausgeschütteten Gelder dürfen nicht dafür sorgen, dass mit einer Maßnahme Gewinn erzielt werden kann.

Finanzielle Mittel beantragen können Unternehmen, Privatpersonen, Vereine, Verbänden, Schulen oder Kindergärten. Anträge für Mittel aus beiden Fördertöpfen müssen im Stadtumbaubüro abgegeben werden. Die Formulare dafür sind dort auch erhältlich.

Wichtig ist: Die Zuschüsse werden erst im Nachhinein ausgezahlt. Das heißt, ein Antragsteller muss finanziell in Vorleistung gehen. Dabei ist die Durchführung einer Maßnahme erst nach der Bewilligung durch das Vergabegremium zulässig. Eine Antragstellung zwei Monate zuvor erscheint deshalb ratsam.

Förderungswürdig sind Maßnahmen, welche einen konkreten Bezug zum Stadtumbau haben. Durchgeführt werden müssen sie auf dem entsprechenden Gebiet, das heißt auf dem Brüninghaus-Platz, im Grimm-Park, am Bahnhof, auf der Lennepromenade oder in Ütterlingsen. Damit letztlich die unterschiedlichen Aktionen nicht zu einem kunterbunten Werdohl führen, stellte Bürgermeister Siegfried Griebsch am Dienstag in Aussicht, dass der Rat Gestaltungsrichtlinien für die Stadt aufstellt – dieses sinnvoller Weise aber erst, wenn die Architektenwettbewerbe für die einzelnen Teilstücke des Stadtumbaus abgeschlossen sind. Andernfalls könnten verschiedene Maßnahmen optisch nicht zueinander passen, dass beispielsweise in der Fußgängerzone lila Abfalleimer neben knallroten Sitzbänken stehen.

Beim Beteiligungsbudget können Maßnahmen bis zu 100 Prozent gefördert werden. Eine Bagatellgrenze bestimmt, dass das Vorhaben nicht weniger als 200 Euro kosten darf. Die Höchstsumme für eine Förderung liegt bei 2000 Euro.

Mit Förderungen aus dem Beteiligungsbudget sollen Ideen umgesetzt werden, die eine einmalige Attraktion darstellen – vom Workshop bis hin zum Theaterfestival. Anders als beim Projektfonds können auch Personalkosten getragen werden, etwa für Schauspieler.

Der Projektfonds unterstützt Investitionen. Schwengers erläuterte: „Er ist also nur für Dinge, die mindestens fünf Jahre Bestand haben, also für bauliche Maßnahmen.“ Damit gemeint sind Einrichtungen vom Spielgerät bis hin zur Straßenmöblierung.

Auch das Erstellen eines Konzeptes beispielsweise für die Beleuchtung der Innenstadt könnte über den Projektfonds gefördert werden. Die maximale Fördersumme für eine Maßnahme beträgt 2500 Euro.

Auf Nachfrage des Bürgermeisters erklärte Schwengers die Schwierigkeit bei der Installation eines Kunstwerks: Wohl könnte das Baumaterial einer Skulptur finanziert werden, nicht aber die schöpferische Leistung des Künstlers. Beim Projektfonds wird eine Maßnahme maximal zu 50 Prozent gefördert. Die andere Hälfte der Kosten muss eine private Investition sein. Mit diesem Teil des Gesamtbudgets dagegen dürfen indes Personalkosten gestemmt werden.

Erste Ideen kamen am Dienstagabend auch bereits auf, wofür die noch zur Verfügung stehenden 120 000 Euro eingesetzt werden könnten: Ein Vorschlag aus der Runde schlug sogenannte Stolpersteine für die Lennepromenade vor. Diese in den Boden eingelassenen Steine mit einer beschrifteten Messingplatte sollen symbolisch an die zu Zeiten des Nationalsozialismus deportierten Werdohler Juden erinnern.

Eine weitere Idee ist eine Art Abrissfest zum Baustart an der Lenne. Auch vorgeschlagen wurde eine Gestaltung der Leerstände – etwa des ehemaligen Postgebäudes an der Freiheitstraße – beispielsweise mit einer Ausstellung von historischen Werdohler Bildern.

Zum Thema Leerstände kündigte Anna Schwengers für die nächste Zukunft übrigens Neuigkeiten an: Bereits vor den Sommerferien werde eine Arbeitsgruppe erste Ergebnisse präsentieren. Momentan werde eine Liste der Leerstände in Werdohl erstellt. „Wir entwerfen zudem augenblicklich eine mögliche Richtung, in die es mit den Objekten gehen kann.“

Weitere Informationen unter: http://www.werdohlbautum.de

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