Interessante Mischung: Werdohler mit türkischen Wurzeln eröffnet Eisdiele

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Eine interessante Mischung aus italienischer Eiskunst und türkischer Kochtradition bietet Safak Yilmaz in seiner Eisdiele „Heiß auf Eis“ an der Neustadtstraße an.

Werdohl - Eisdielen sind in Deutschland zumeist fest in italienischer Hand: Von 5000 sollen laut Wikipedia etwa 3000 von italienischen Gelatieri geführt werden. Nicht so in Werdohl

An der Neustadtstraße hat jetzt eine Eisdiele eröffnet, die von einem Werdohler mit türkischen Wurzeln geführt wird: Safak Yilmaz (26) hat dort den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt. 

Das Eismachen hat Yilmaz in einer Werdohler Eisdiele gelernt. Vor zehn Jahren hat er dort eine Ausbildung zum Speiseeishersteller absolviert und anschließend auch noch sechs Jahre gearbeitet. Es folgte ein fünfjähriges Intermezzo als Security-Kraft, ehe sich Yilmaz auf das besann, was ihn wirklich interessierte: Eis machen. 

Schwierige Suche nach Ladenlokal

„Ich hatte schon länger vor, mein eigenes Eiscafé zu eröffnen“, verrät er. Doch die Suche nach einem geeigneten Lokal gestaltete sich nicht so leicht. Bis nach Siegen streckte Yilmaz seine Fühler aus und wurde dort auch fündig. Dann redete ihm der Werdohler Immobilienmakler Harun Cici die Idee von der Existenzgründung in der Rubensstadt aus – und bot ihm eine Alternative in Werdohl an. Das frühere Haus Landscrone, in dem zuletzt das karitative Restaurant Yamicc vorwiegend bengalische Gerichte auf den Tisch brachte, krempelte Cici für den den angehenden „Eisdealer“ komplett um: Die alte Theke flog ‘raus, ebenso eine Trennwand zwischen zwei Räumen; die Toiletten und die Küche wurden komplett erneuert und auch die Elektroinstallation wurde auf den neuesten Stand gebracht. „Rund 50 000 Euro hat das gekostet“, blickt Cici zurück. Im Ergebnis sind die alten Gasträume nicht wiederzuerkennen. Alles wirkt hell und freundlich. 

In diesem Ambiente will Safak Yilmaz jetzt seine Eiskreationen anbieten. Und die heben sich durchaus ein wenig vom üblichen Angebot ab. Wer schon immer einmal Spaghetti-Eis mit schwarzen Oliven probieren wollte, hat in seinem Eiscafé „Heiß auf Eis“ die Gelegenheit dazu. Allerdings entpuppen sich die Oliven schnell als Amarenakirschen. „So kommt man mit den Gästen ins Gespräch“, sagt Yilmaz augenzwinkernd. Darüber, was sich hinter seinen Eigenkreationen „Olaf“ und „Fruity“ verbirgt, hüllt er sich in Schweigen. Sollen es die Gäste doch selbst herausfinden! 

Bei einem Italiener gelernt

Auch wenn Yilmaz das Eismachen bei einem Italiener gelernt hat, möchte er seine türkischen Wurzeln nicht verleugnen. Deshalb hat zum Beispiel die südostanatolische Süßspeise Künefe einen Platz auf seiner Eiskarte erhalten. Yilmaz serviert den Fladen aus sehr feinen Teigfäden, Zuckersirup und Käse mit einer Kugel Vanilleeis, Erdbeeren, geriebenen Pistazien und einem Klecks Sahne. 

Auch die Getränkeauswahl ist eine Reminiszenz an die Herkunft von Yilmaz’ Vorfahren: Türkischen Kaffee gibt es ebenso wie Çay, den Tee, den Türken zu fast jeder Tages- und Nachtzeit trinken. Und Sahlep: ein süßes, heiß genossenes Milchgetränk, dem ein Pulver aus den Wurzeln der wilden Orchidee beigefügt wird. Eine Besonderheit ist auch der „Erblüh-Tee“, auch „Blütentee“ genannt: Während das Heißgetränk zieht, entfaltet sich darin eine Blüte – ein visueller Genuss. 

Eis wird selbst produziert

Sein Hauptaugenmerk richtet Safak Yilmaz aber auf das Eis, das er als gelernter Speiseeishersteller natürlich selbst produziert. Wer nicht gleich einen der ganz großen Eisbecher verschlingen möchte, den möchte der 26-Jährige mit seinen „Basics“ auf den Geschmack bringen: Zu einem Kalt- oder Heißgetränk serviert er einen kleinen Eisbecher. 

Und weil in Deutschland nicht unbedingt das ganze Jahr über Eis-Zeit ist, Yilmaz seine Eisdiele aber möglichst auch im Winter öffnen will, schafft er sich zusätzliche Einnahmequellen. „Im Winter bieten wir Frühstück mit türkischen Backwaren an“, blickt er schon über die jetzt gerade erst anstehende Eissaison hinaus. Und auf der Terrasse vor dem Haus möchte er in Zukunft nicht nur Eisbecher und Kaffee servieren, sondern auch Bier und andere Getränke. „Ich warte noch auf die Schankerlaubnis“, sagt er. Auf der Karte stehen diese Getränke schon – noch ist die Liste allerdings überklebt.

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