Mit Integrationslotsen auf Kurs gehen

Moderiert wurde die Planungssitzung von Bülent Arslan und Ilke Kiral.

WERDOHL ▪ In einer konzertierten Aktion soll in Werdohl ein weiterer Schritt eingeleitet werden, um die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund nachhaltig zu gestalten und weiter voran zu treiben. Vorgesehen ist es nunmehr, nach der Installierung von Stadtteilkoordinatorinnen und sogenannten Stadtteilmittlern ein Integrationslotsensystem zu errichten, damit die Integrationsarbeit in Werdohl noch effektiver werden kann.

Diese Integrationslotsen sollen mit ihrer „Hilfe zur Selbsthilfe“ einen Beitrag dazu leisten, dass Menschen mit Zuwanderungsgeschichte mehr über das Leben in ihrer Stadt erfahren, sich hier besser zurechtfinden und Kontakte knüpfen können. Dazu gehört auch, dass die Lotsen durch die Behörden die erforderliche Unterstützung erhalten.

In einer ersten Planungssitzung zur Erarbeitung eines solchen Systems haben Vertreter verschiedener Institutionen – wie Integrationsagentur, Stadt Werdohl, Agentur für Arbeit, Arge, Pflegedienste, Integrationsausschuss oder Bildungsträger – am Mittwochabend im Saal des Bürgerhauses die Rahmenbedingungen eines solchen Lotsensystems erörtert und festgelegt. Moderiert wurde diese Veranstaltung von Bülent Arslan und Ilke Kiral (Institut für interkulturelle Management- und Politikberatung, kurz „imap“).

Schon beim Einstieg in die Erörterungen war für die Teilnehmer dieser Runde klar geworden, dass es für den Einsatz solcher Integrationslotsen einen hohen Bedarf gebe. Einsatzbereiche dieser ausschließlich ehrenamtlichen Mitarbeiter sollen hauptsächlich Sprache, Bildung, Schule, Kindergarten und Behörden sein.

Das künftige, zur jetzt schon laufenden Arbeit ergänzende Angebot hat mehrere Zielgruppen. Es richtet sich an Neuzuwanderer, wobei der Schwerpunkt bei türkischstämmigen Frauen liegt. Darüber hinaus sollen auch Jugendliche einbezogen sein, die zwar hier geboren wurden aber Orientierungshilfen – zum Beispiel in beruflichen Fragen – benötigen.

Auch für Senioren mit türkischen Wurzeln ist das neue Angebot gedacht. Dies vor dem Hintergrund, dass viele, die zu Beginn der siebziger Jahre nach Werdohl gekommen sind, inzwischen den Ruhestand erreichen, hier bleiben und beispielsweise Hilfe bei der Renten-Antragsstellung brauchen. Behördengänge, so weiß man, seien vielfach mit der Überwindung von Hemmschwellen verbunden.

Einig waren sich die Teilnehmer der Planungsrunde am Dienstagabend, dass Integrationslotsen ein gewisses Anforderungsprofil erfüllen müssen. So sollen sie interkulturell feinfühlig sein und über ausreichende Sprachkenntnisse verfügen, um im Bedarfsfall auch Dolmetscherfunktionen ausüben zu können. Zugleich unterstrich der Arbeitskreis, dass die Lotsen – um eine Überlastung zu vermeiden – nicht Tag und Nacht bei plötzlich auftauchenden Problemen zur Verfügung stehen sollen. Wie das allerdings gewährleistet und geregelt wird – diese Frage blieb offen.

Nachdem die Eckpunkte rund um das einzuführende Integrationslotsensystem seit Dienstag in der Theorie abgesteckt sind, geht es nunmehr um die Praxis – und da heißt es in erster Linie, geeignete Bewerber zu finden, die diese ehrenamtliche Tätigkeit ausüben wollen und auch können.

In einem ersten Schritt werden Anfang Oktober die beiden großen Moscheen in Werdohl besucht. Dort will man – nach dem Freitagsgebet – das Vorhaben erläutern und um Interesse für diese Aufgabe werben. Dabei liegt die Betonung nicht auf Quantität, sondern auf Qualität, denn wenige gute Kräfte können mehr bewegen, als viele, die sich bemühen, es aber nicht auf die Reihe bekommen. So oder so: Bevor die Integrationslotsen eingesetzt werden, soll für sie eine Schulung organisiert werden. Die Fortbildung könnte – wenn alles so läuft, wie man es sich vorstellt – im Dezember oder Januar 2011 vorgenommen werden.

Rainer Kanbach

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