Integrationsdebatte: Gegen Unwissenheit

Vertreter der Ditib-Gemeinde zeigten dem FDP-Bundestagsabgeordneten Johannes Vogel (rechts) die Moschee. Anschließend gab es weitere Infos zum Gemeindeleben und eine Diskussion über das Thema Integration. ▪ Fraune

WERDOHL ▪ Reichlich Informationen über die Ditib-Gemeinde im Besonderen, den Islam im Allgemeinen und die Ansichten des FDP-Bundestagsabgeordneten Johannes Vogel im Speziellen hat es am Dienstagabend an der Freiheitsstraße gegeben. Das Fazit nach einer zweistündigen Veranstaltung, die rund 30 Interessierte verfolgten und zu der die Jungen Liberalen eingeladen hatten: Es kann gar nicht genug Information und Kommunikation beim Thema Integration geleistet werden. Denn: „Durch Unwissenheit entstehen Vorurteile“, unterstrich Vogel.

Auch wenn Thilo Sarrazin mit seinem Aufreger-Buch nur als Print-Produkt auf dem Tisch liegend präsent war, kamen seine Thesen natürlich kurz zur Sprache. Vogel bezeichnete in diesem Zusammenhang die Integration als „eine der größten Herausforderungen“ und pochte auf die Parteilinie, dass die Liberalen für eine freiheitliche Gesellschaft stehen, bei der die Religionsfreiheit inbegriffen sei. „Der Islam ist Teil unserer Gesellschaft.“

In der Werdohler Ditib-Gemeinde werden aber nicht nur die Sarrazin-Äußerungen mit Argwohn verfolgt, sondern auch das Minarett-Bauverbot in der Schweiz. Ali Akdeniz, türkischer Elternvereinsvorsitzender, bezeichnet eine solche Veränderung aber lediglich als „nur eine architektonische Sehnsüchtigkeit. Für den Islam hat das nichts zu bedeuten.“ Auf Nachfrage von Vogel gestand Akdeniz jedoch ein, dass er „auf jeden Fall“ gerne ein Minarett gebaut hätte. Doch: „Wir wollten Konflikten aus dem Weg gehen und haben es uns erspart.“ Bis jetzt habe die Gemeinde keine besonderen Schwierigkeiten gehabt.

Intern sorgen sich der Vorsitzende, Abdul Rahman, und die weiteren Verantwortlichen eher um den Zuspruch von Jugendlichen, für den eigens ein Raum zur Verfügung steht. „Leider hat es nicht gekappt, die kriegt man hier nicht rein.“ Darüber hinaus gibt es aber auch Angebote für Kinder und speziell für Mädchen.

Während der Diskussion machte die Schulsozialarbeiterin der Erich-Kästner-Schule, Gülcan Kiraz, deutlich: „Die Werteerziehung ist dieselbe. In der Moschee wird nicht streng religiös erzogen.“ Sie appellierte dazu, auf die Gemeinsamkeiten von Kulturen zu blicken. Wichtig sei hierbei vor allem die Bildung. ▪ Marco Fraune

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