Woge Werdohl mit einem Bild umgestaltet

Das Bild von Ralf Conrad zeigt die Woge und ihre Konkurrenten auf dem Werdohler Mietmarkt.

Werdohl - Was macht ein Chef, der neu in eine Firma kommt und den noch niemand kennt? Ingo Wöste schaute sich mit seinen Mitarbeitern erst einmal ein Bild an, als er vor gut acht Jahren als Geschäftsführer der Wohnungsgesellschaft Werdohl anfing.

Der Illustrator und Karikaturist Ralf Conrad hatte die Situation der Woge in bunten Farben dargestellt.

„Die Leute haben ja Erwartungen an ihren neuen Chef und fragen sich: Was will der jetzt von uns?“, sagt Ingo Wöste. Mit der Tür ins Haus zu fallen und gleich notwendige Änderungen aufzuzählen, sei kein guter Weg. „Sonst gehen die Mitarbeiter in die innere Kündigung.“

Stattdessen schrieb der neue Geschäftsführer alles, was ihm zur Situation des Unternehmens einfiel, auf ein großes Blatt. Ralf Conrad malte diese Ideen auf. „Ich habe gemerkt, dass ich sonst nicht rüberkomme“, blickt Wöste zurück. Im Rahmen eines dreitägigen Seminars diskutierte er mit den Angestellten der Woge über das Bild. „Ich wollte wissen: Ist das auch das Unternehmen, wie die Mitarbeiter es sehen?“

„Stürmische Zeiten!“ steht in einer grauen Wolke am oberen Bildrand. Darunter kreuzt die Woge in Gestalt einer Yacht durch blaue Gewässer. Verantwortlich für den Sturm sind eine veränderten Gesellschaftsstruktur und der Imageverlust der Stadt. „Die Menschen werden älter“, sagt Wöste. „Aber unsere Häuser sind nicht barrierefrei: Es gibt keine Aufzüge und die meisten Gebäude liegen ein halbes Geschoss über dem Boden.“

Außerdem sei Werdohl als Wohnort nicht so beliebt wie andere Städte. Deshalb sei es schwierig, hier Wohnungen zu vermieten. Als Ingo Wöste im Oktober 2005 die Geschäftsführung antrat, hatte die Woge mit vielen Leerständen zu kämpfen. 217 Wohnungen seien nicht vermietet gewesen, sagt Wöste. „Da haben wir erst einmal Energie in die Acquise gesteckt.“

Während die „stürmischen Zeiten“ in der Wolke direkt erklärt werden, verbergen sich andere Probleme eher in Details. „Die Schiffsschrauben zeigen nicht in dieselbe Richtung“, weist der Geschäftsführer auf ein solches Element hin. Außerdem zeige das Log nur halbe Fahrt an. „Das sollten aber keine Feststellungen sein, sondern Anregungen“, sagt Ingo Wöste.

Einige Bilddetails zeigen Ideen, die der neue Geschäftsführer mitbrachte. So zum Beispiel die Rollstühle auf dem Deck, dem neueren Teil des Schiffs. „Das sind die Nachbarschaftshilfezentren in Ütterlingsen und Pungelscheid“, erklärt Ingo Wöste. „Die waren damals nur angedacht.“ Inzwischen hat die Woge diese Idee in die Tat umgesetzt – weitere solcher Zentren sollen folgen.

Selbstverständlich kreuzt die Woge nicht allein durch die Mietmarkt-Gewässer. Vom kleineren Schiff bis zum hölzernen Ruderboot reicht das Spektrum der Konkurrenz. Nicht allen geht es gut: Direkt unter der Sturmwolke geht gerade das LEG-Schiff unter. „Die LEG wurde damals verkauft“, erläutert Wöste. Goldman Sachs habe die Wohnungen übernommen, jetzt würden sie von Iserlohn aus verwaltet.

Und noch etwas zeigt der Vergleich mit einigen Konkurrenten: „Kleinere Boote sind flexibler und wendiger“, sagt der Geschäftsführer. Ein großes Schiff wie die Woge mit ihren 1500 Wohnungen sei träger und brauche eben eine Zeit, um umzulenken. „Dafür haben wir die Chance, einiges konzeptioneller anzugehen.“

Die Idee, Veränderungen mit Hilfe eines Bildes in Angriff zu nehmen, hat sich Ingo Wöste zufolge bewährt. Auch Industriefirmen arbeiteten mit dieser Methode. „Es gibt ja Spielraum für Interpretationen. Und jeder sieht etwas Anderes.“ - Constanze Raidt

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