Verein Die Arche stellt sich vor

Menschen in Werdohl "haben keine Angst vor dem Tod“

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Im Rahmen des Informationsabends überreichten (von rechts) Johanna Trautmann-Stuberg und Karin Haensel an Ute Gall von der Arche Lüdenscheid eine Spende in Höhe von 300 Euro.

Werdohl - Einen ebenso spannenden wie auch informativen Abend erlebten mehr als 30 Besucher eines Informationsabends zum Thema Hospizdienst im Gemeindesaal der Christuskirche. Pfarrer Dirk Grzegorek moderierte den Abend im Stile einer TV-Diskussionsrunde. Er ging immer wieder durch die Reihen und ließ zahlreiche Menschen zu Wort zu kommen, die er als Experten vorstellte. Die 90-minütige Veranstaltung wurde so sehr kurzweilig.

Ambulante Hospizdienste vermitteln Ehrenamtliche an Sterbende. Diese Sterbebegleiter bieten den Menschen auf ihrem letzten Lebensweg Trost und Beistand. Zur Begrüßung erläuterte Grzegorek: „Hospitare kommt aus dem Latein. Es bedeutet Gastfreundschaft, Herberge und Beheimatung.“ Ursprünglich waren damit Wirts- und Übernachtungshäuser am Rande großer (Wander-)Wege gemeint.

Das erste Hospiz im heutigen Sinne gründete die Britin Cicely Mary Strode Saunders 1967, erinnerte Moderator Grzegorek. Das St. Christopher’s Hospices eröffnete die gelernte Krankenschwester in London. Ihre Philosophie lautete: „Unsere Bewohner sind Gäste – keine Patienten.“ Ziel eines Hospizes, betonte Saunders, „ist es, die Lebensqualität im Sterbeprozess zu erhöhen“.

Sabine Große, Hospizleitung des Amalie-Sieveking-Hauses Lüdenscheid, hob hervor: „Wir wollen unseren Gästen schöne Momente schenken. Die Schmerzen sollen nicht im Vordergrund stehen.“

Dr. Thorsten Skodra, Palliativmediziner am Klinikum Hellersen in Lüdenscheid, ergänzte: „Die Menschen haben keine Angst vor dem Tod. Sie haben Angst vor dem Sterben.“ Weiter führte der Arzt aus: „Unser Ziel ist, dass die Menschen zuhause sterben können. Wenn das nicht funktioniert, bin ich aber froh, dass wir das Hospiz haben.“ Immerhin 52 Prozent der Patienten würden aber nach wie vor im Krankenhaus versterben – lediglich 27 Prozent im häuslichen Umfeld. Skodra hat beobachtet: „Die meiste Angst haben jedoch die Angehörigen.“

Ebenso wie der Mediziner unterstrich auch Ralf Lohscheller, Geschäftsbereichsleiter Altenhilfe-Süd von der Perthes-Stiftung: „In Altenhilfeeinrichtungen wird primär gelebt – nicht gestorben.“ Schmerzen gehörten jedoch zum Alltag.

Für die meisten Menschen sei deshalb „die aktive Sterbehilfe ein sehr wichtiges Thema“, weiß Arzt Skodra. „Niemand will auf Deutsch gesagt mit schlimmsten Qualen verrecken.“ Mit der Palliativmedizin behandelt, reduziere sich der Anteil derjenigen, die aktive Sterbehilfe wünschten, jedoch erheblich. Bei der Palliativmedizin geht es um die Beherrschung von Schmerzen. Skodra schilderte eine Behandlung „etwa mit Morphium“.

Marlies Kanbach bilanzierte: „Ich mache diese Arbeit gerne.“


Neben der Behandlung der Schmerzsymptome sei für Sterbende aber auch der Gedankenaustausch wichtig. Anja Rittinghaus, Einrichtungsleiterin des Werdohler Wichernhauses, beschreibt den Wandel der Zeit: „Unsere Bewohner – obgleich wir eine evangelische Einrichtung sind – wünschen immer weniger das Gespräch mit einem Pfarrer oder ein Gebet. Umso wichtiger sind die Ehrenamtler des Hospizdienstes.“

Palliativmediziner Skodra ergänzte: „Ich rate einem Pfarrer, der zu einem Sterbenden gerufen wird: Kommen Sie als Mensch. Und Sie müssen auch bei Gott nicht auf alle Fragen eine Antwort wissen.“

Die Krankenschwester Ute Gall war Gründungsmitglied des Vereins Arche Lüdenscheid, der im Laufe des Abends von Johanna Trautmann-Stuberg und Karin Haensel eine Spende in Höhe von 300 Euro erhielt. Der Verein koordiniert die Einsätze ehrenamtlicher Sterbebegleiter im Märkischen Kreis. „Ab November werden wir 57 Ehrenamtler zur Verfügung haben“, freute sich Gall.

Im Rahmen eines sogenannten „Befähigungskurses für den ehrenamtlichen Hospizdienst“ werden die Ehrenamtler auf ihre Einsätze vorbereitet. Gall erklärte den Anwesenden: „Ihre Ohren werden größer während der Ausbildung. Zuhören ist nämlich das, was Sie können müssen.“

Selbstverständlich sei es ebenso wichtig, dass den Ehrenamtlern jemand zuhöre. Deshalb finde alle zwei Monate für die Hospizdienst Leistenden eine Supervision statt, „wo Sie selbst ihre Sorgen und Nöte lassen können“.

Eine der bereits ausgebildeten Ehrenamtlichen ist Marlies Kanbach, ebenfalls gelernte Krankenschwester. Sie absolvierte als eine der ersten Werdohlerinnen den Befähigungskursus. Sie bilanzierte: „Die Ausbildung war sehr wertvoll für mich.“

Einige Sterbende habe sie unterdessen bereits begleitet – sowohl im häuslichen Umfeld, als auch stationär. Kanbach unterstrich: „Ich werde aber selbst auch super begleitet von den Koordinatorinnen der Arche.“ Ihr Fazit war: „Ich mache diese Arbeit sehr gerne.“

Ein nächster Ausbildungskursus zum ehrenamtlichen Sterbebegleiter beginnt am Samstag, 17. Februar 2018. Weitere Infos gibt es unter Tel. 0 23 51 / 90 52 90.

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