14 Kilometer Abwasserleitungen

In einem ganzen Stadtteil: Kanäle werden auf Schäden untersucht

Nina Hoffmann von der Abteilung Tiefbau und Bauhof der Stadt Werdohl und Marius Weiß von der Firma Drabe (Bochum) werfen einen Blick in die Kanalisation der Waldstraße in Werdohl.
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Nina Hoffmann von der Abteilung Tiefbau und Bauhof der Stadt Werdohl und Marius Weiß von der Firma Drabe (Bochum) werfen einen Blick in die Kanalisation der Waldstraße in Werdohl.

Nein, einen Schatz habe er noch nicht entdeckt in der Werdohler Kanalisation, antwortet Marius Weiß lachend. „Da gibt es nichts Spektakuläres zu sehen, nur ab und zu mal eine Ratte“, sagt der Mann, der in einem Transporter täglich stundenlang vor mehreren Bildschirmen sitzt und auswertet, was die Kameras da so anzeigen.

Marius Weiß gehört zu einem Team des Bochumer Unternehmens Drabe, das im Auftrag der Stadt Werdohl die Kanalisation in gleich einem ganzen Stadtteil untersucht. „Zum ersten Mal haben wir eine solche Großausschreibung gemacht“, erklärt Bauingenieurin Nina Hoffmann aus der Abteilung Tiefbau und Bauhof der Stadt Werdohl. In der Vergangenheit sei man bei der Kanaluntersuchung eher straßenweise vorgegangen.

Jetzt also die ganze Königsburg. Rund 60 000 Euro lässt sich die Stadt das kosten. „Natürlich auch aus Eigeninteresse, weil wir ja gerne wissen möchten, in welchem Zustand sich unsere Kanäle befinden“, sagt Hoffmann. Davon ließen sich dann mögliche Sanierungserfordernisse ableiten. Andererseits ist die regelmäßige Untersuchung auch eine Pflichtaufgabe gemäß der Selbstüberwachungsverordnung Abwasser, der die Stadt unterliegt. Die Landesverordnung schreibt vor, dass die Stadt jährlich fünf Prozent ihrer Kanäle, das gesamte Netz aber alle 15 Jahre auf Schäden untersuchen muss.

Abschnitte sind bis zu 500 Meter lang

Auf der Königsburg ist das Kanalnetz, dessen Rohre im Durchmesser zwischen 20 Zentimeter und einem Meter messen, 14 Kilometer lang. Dazu gehören auch 466 Kanalschächte, durch die Marius Weiß und seine Kollegen ihre Gerätschaften in die unterirdischen Abwasserleitungen einbringen können. Zwischen 50 und 500 Meter lang sind die Abschnitte, die sie dann mit einer Videokamera befahren, die ihnen ihre Bilder auf die Monitore in dem weißen Transporter sendet. „Für Kanäle, die durchweg rund 40 Jahre alt sind, können wir hier nichts Ungewöhnliches feststellen“, sagt Marius Weiß, als die Kamera durch einen Kanal in der Waldstraße fährt.

Beim Kanal in der Stadionstraße sah das neulich anders aus. Dort haben Weiß und seine Kollegen Risse im Kanal festgestellt. „Das könnte dann in Zukunft Baumaßnahmen zur Folge haben“, erklärt Nina Hoffmann, was das bedeutet. Immerhin können durch solche Risse Fäkalien und andere Stoffe in die Umwelt gelangen.

Befahren werden nur die städtischen Kanäle

Die Kanalexperten aus dem Ruhrgebiet befahren übrigens nur die städtischen Kanäle – sowohl die in den Straßen als auch solche, die vielleicht auf Privatgrundstücken liegen. Eine Untersuchung der Hausanschlüsse ist dagegen nicht vorgesehen. „Das ist Sache der Hauseigentümer“, erklärte Martin Hempel, Leiter der Abteilung Tiefbau und Bauhof bei der Stadt. Wenn allerdings beim Übergang zwischen privatem und öffentlichem Teil der Kanalisation Schäden am Hausanschluss bemerkt werden sollten, „gehen wir auf den Eigentümer zu“, ergänzt er. Der sei dann gefordert, dafür zu sorgen, dass der Kanal auch an dieser Schnittstelle wieder abgedichtet wird.

Ansonsten dürften die Anwohner der Straßen auf der Königsburg von der Kanaluntersuchung wenig mitbekommen. Er sei auch bemüht, mit seinem weißen Transporter möglichst nicht den Verkehr auf den teils engen Straßen zu behindern, versichert Marius Weiß. Nicht immer lasse sich da aber vermeiden.

In vier Wochen sollen die Arbeiten abgeschlossen sein

In rund vier Wochen soll der ganze Spuk aber auch schon wieder vorbei sein, denn die Männer vom Kanal-TV können täglich zwischen 500 und 600 Meter abfahren. Seit Anfang Februar sind sie – mit einer witterungsbedingten Unterbrechung – schon unterwegs und aktuell im Bereich Waldstraße, Am Riesei und Winterhagen tätig.

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