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In dieser Bücherei geht es um Nachhaltigkeit und soziale Kompetenz

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Von: Carla Witt

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Die Saatgut-Bibliothek ist ein neues Angebot der Stadtbücherei, bei dem es um Nachhaltigkeit geht. Viele Werdohler haben schon Saatgut mitgenommen – und selbst Tütchen für andere gepackt. Bücherei-Leiterin Katharina Bode freut sich darüber.
Die Saatgut-Bibliothek ist ein neues Angebot der Stadtbücherei, bei dem es um Nachhaltigkeit geht. Viele Werdohler haben schon Saatgut mitgenommen – und selbst Tütchen für andere gepackt. Bücherei-Leiterin Katharina Bode freut sich darüber. © Carla Witt

Erst die Tausch-Bar, jetzt die Saatgut-Bibliothek: Die Werdohler Stadtbücherei an der Freiheitstraße mausert sich Stück für Stück zu einem Ort, an dem nicht nur Medien, sondern auch Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit im Mittelpunkt stehen. „Und die neuen Angebote werden wirklich sehr gut angenommen“, freut sich Bücherei-Leiterin Katharina Bode.

Werdohl ‒ Seit Januar wechselt das Angebot in der Tausch-Bar ständig. Regelmäßig kommen Werdohler, um etwas aus dem Regal herauszunehmen oder etwas hineinzustellen: Deko-Gegenstände, verpackte Lebensmittel, Spiele und vieles andere. Einen Bücherei-Ausweis benötigt man dafür nicht. „Und es machen alle mit: Gut Betuchte, und Werdohler, die vielleicht aufs Geld achten müssen. Sogar die Kinder haben das Regal für sich entdeckt“, erzählt Katharina Bode.

Ein voller Erfolg ist auch die vor Kurzem eröffnete Saatgut-Bibliothek. Hier können sich die Werdohler Saatgut von Kräutern, Gemüse oder auch Blumen mitnehmen – und Samen, die vorzugsweise aus dem eigenen Garten stammen und in kleine Tüten verpackt werden, für andere deponieren. So soll letztlich ein Kreislauf entstehen, von dem Mensch und Natur profitieren. „Inzwischen ist die Auswahl nicht mehr so groß“, freut sich Bode über die vielen Interessenten. Einen Bücherei-Ausweis benötigen diese übrigens nicht; es sei denn, ein Buch mit entsprechenden Pflanztipps soll ausgeliehen werden.

Die Samenbälle – Seedballs – die es ebenfalls an der Freiheitstraße gibt, sorgen nicht nur für grüne oder blühende Überraschungen im heimischen Garten, sie können auch bei einer beliebten Bücherei-Aktion eingesetzt werden: Ein Foto der Pflanzen, die ihren Ursprung im Samenball hatten, zählt als Nachweis für den Sommerleseclub – und wird mit einem Stempel belohnt. Club-Teilnehmer müssen mindestens drei Stempel sammeln. „Wer Seedballs selbst macht und uns ein entsprechendes Fotos zuschickt, bekommt auch dafür einen Stempel“, sagt die Bücherei-Leiterin. Eine entsprechende Anleitung liegt wiederum den Samenball-Tüten bei, die es kostenfrei in der Bücherei gibt. Auch bei den Seedballs geht es um Nachhaltigkeit. Denn wer die Kugeln selbst macht, beschäftige sich mit den Zusammenhängen in der Natur. „Und über die Wildblumen, die aus den Samenkugeln wachsen, freuen sich die Bienen“, unterstreicht Katharina Bode.

Doch zurück zum Sommerleseclub: Noch ist die kostenfreie Anmeldung möglich für dieses Projekt des Kultursekretariats NRW Gütersloh, das vom Ministerium für Kultur und Wissenschaften des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert wird. Teilnehmen können Kinder und Jugendliche – alleine oder im Team – oder auch ganze Familien. Im Vordergrund steht der Gedanke, Kinder und Jugendliche für das Lesen zu begeistern. Doch nicht nur für das Lesen und Bearbeiten von Büchern und Hörbüchern gibt es Stempel. Auch Kreativität wird belohnt. Verschiedene Bastelaktionen gehören ebenso dazu, wie eben die Herstellung der Samenbälle. „Und im Team ist es leichter, viele Stempel zu sammeln“, macht Katharina Bode auch Büchermuffeln Mut zur Teilnahme. Nach den Ferien endet der Sommerleseclub am Samstag, 13. August, mit einer „filmreifen“ Abschlussveranstaltung in der Stadtbücherei. Weitere Details werden jetzt noch nicht verraten.

Bücherei-Mitarbeiterin Marion Limp-Broscheit präsentiert einen Bücher-Igel. Wer kreative Bastel-Aufgaben erledigt, wird mit einem Stempel für den Sommerleseclub belohnt.
Bücherei-Mitarbeiterin Marion Limp-Broscheit präsentiert einen Bücher-Igel. Wer kreative Bastel-Aufgaben erledigt, wird mit einem Stempel für den Sommerleseclub belohnt. © Carla Witt

Ein weiteres, neues Angebot, das jüngere Nutzer in die Bücherei locken soll, ist der „Game-Monday“, der Ende Juni zum ersten Mal stattgefunden hat. „Erst war ich skeptisch, ob es sinnvoll ist, in den Ferien zu starten. Aber gerade mit Blick auf diejenigen, die nicht in den Urlaub fahren, war es doch eine gute Idee“, stellt die Bücherei-Leiterin fest. Jeweils von 15.30 Uhr bis 17 Uhr können Kinder und Jugendliche, die einen für sie kostenfreien Büchereiausweis haben, am großen Smartboard die Switch-Konsole sowie alle Spiele, die gerade nicht ausgeliehen sind, ausprobieren. Das kommt gut an: Am zweiten Game-Monday habe es bereits eine kleine Warteschlange gegeben. Und: Der Plan, das durch die Aktion nicht nur mediale, sondern auch soziale Kompetenzen gefördert werden, geht auf: „Obwohl sich die Kinder und Jugendlichen nicht kannten, haben sie sich gegenseitig geholfen und sind ins Gespräch gekommen“, ist Katharina Bode sehr zufrieden. Sollte der Game-Monday auch weiterhin so gefragt sein, könnten weitere digitale Projekte folgen, denkt die Bücherei-Leiterin zum Beispiel über einen Gaming-Club nach.

Neben den vielen neuen Angebote bleibt auch Bewährtes weiterhin bestehen: Beim „Blind Date mit einem Buch“ können Erwachsene sich auf Lese-Überraschungen im Sommer freuen: Jeweils zwei Bücher werden zu einem Päckchen gepackt, darauf sind manchmal Zitate aus den Schmökern, ein anderes Mal Inhaltsangaben oder auch die Beschreibung der beim Lesen entstehenden Atmosphäre zu finden. „Man weiß nicht immer, welches Genre enthalten ist“, weiß Katharina Bode – aber: „Wir haben schon oft den Satz gehört: Dieses Buch hätte ich mir ohne Blind Date niemals ausgeliehen, aber es hat mir wirklich sehr gut gefallen.“

Öffnungszeiten:
Die Werdohler Stadtbücherei ist auch während der Sommerferien zu den gewohnten Zeiten geöffnet; und zwar: montags und freitags von 14.30 bis 18 Uhr, dienstags und donnerstags von 9 bis 18 Uhr und samstags von 9 bis 12 Uhr. Mittwochs bleibt die Bücherei geschlossen. Das Kinderkino fällt während der Ferien aus.

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