Unterwegs in Werdohl

In Corona-Zeiten: So fährt es sich mit dem Bürgerbus

Bürgerbus Werdohl, Desinfektion der Kontaktflächen: Bürgerbus-Fahrer Alfred Kleinherne nutzt die kurze Pause am Bahnhof, um die Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus zu reduzieren.
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Desinfektion der Kontaktflächen: Bürgerbus-Fahrer Alfred Kleinherne nutzt die kurze Pause am Bahnhof, um die Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus zu reduzieren.

Selbst die zweiminütige Pause am Bahnhof nutzt Alfred Kleinherne aus, nachdem er die Fahrten der Linie 1 beendet hat. Er öffnet die Türen des Bürgerbusses, damit „es ordentlich durchlüftet“.

Dann greift der Werdohler zur Sprühflasche, um alle Kontaktflächen im Bus – besonders die Haltegriffe – mit Desinfektionsmittel zu benebeln. „Das machen wir vor den Touren, in den Pausen und natürlich wenn Feierabend ist“, erklärt der 67-Jährige, der seit vier Jahren regelmäßig als ehrenamtlicher Fahrer des Bürgerbusses im Einsatz ist.

Seit Beginn der Corona-Pandemie hat sich auch für diese Ehrenamtler einiges verändert. „Es ist ruhig geworden“, erzählt Kleinherne, der an diesem Tag die Vormittags-Touren ab 9 Uhr übernimmt. Er sitzt mit Maske hinterm Lenkrad, und ist normalerweise durch eine Plexiglasscheibe zusätzlich geschützt.

Fahrgäste tragen Masken und halten Abstand

An diesem Vormittag aber nicht: „Unser Bus ist zur Reparatur in der Werkstatt.“ Im Ersatzbus gibt es keinen Spuckschutz. Sorgen macht sich der 67-Jährige aber trotzdem nicht. „Alle Fahrgäste sind einsichtig, sie halten Abstand und tragen selbstverständlich Masken, wenn sie einsteigen und während der Fahrt.“

Sollte ein Fahrgast ausnahmsweise seinen Mund-Nase-Schutz vergessen haben, kann er dennoch seine Fahrt antreten: „Wir geben an unsere Fahrgäste Einmalmasken zum Selbstkostenpreis ab.“

Deutlich weniger Fahrgäste

Doch mitfahren möchte an diesem Mittwoch zunächst niemand. Etwa 20 Minuten fährt Kleinherne alleine durch die Stadt, erst am Nachbarschaftshilfezentrum auf der Königsburg steigt ein Fahrgast zu. Frank Tischmeyer fährt regelmäßig mit dem Bürgerbus: „Ich habe keine Angst davor, dass ich mich hier mit Corona anstecken könnte.“ Das erklärt auch Elke Schwarz, die eine Haltestelle später zusteigt. „Hier fahren ja viel weniger Menschen mit als in den großen Bussen. Und Gedränge gibt es hier nicht.“ Dazu könne es auch gar nicht kommen, erklärt der Fahrer. „Es gibt acht Sitzplätze – und mehr Fahrgäste dürfen wir auch nicht mitnehmen.“

Einsteigen und Tickets lösen auf Abstand: Die wenigen Fahrgäste warten geduldig.

Zwei Minuten fährt Alfred Kleinherne die steile Bergstraße hoch – und freut sich über zwei weitere Fahrgäste, die mit Mund-Nase-Schutz an der Haltestelle stehen und auf den Bus warten. Diszipliniert und mit Abstand steigen Renate Laskowski und Christian Propper ein. Auch als die Werdohler ihre Fahrkarte lösen, achten sie darauf, dem Fahrer nicht zu nahe zu kommen – denn sie möchten das Angebot auf jeden Fall weiterhin nutzen: „Wenn wir unseren Bürgerbus nicht hätten, dann wären wir arm dran“, bringt Propper seine Meinung auf den Punkt.

Freude über jeden Fahrgast

Es dauert nur ein paar Minuten, dann verlassen die vier Fahrgäste an verschiedenen Haltestellen den Bus wieder. Alfred Kleinherne ist dennoch zufrieden: „Vier Fahrgäste – das ist für einen Vormittag unter der Woche in der Corona-Zeit gut.“ Er habe den Eindruck, dass viele Werdohler jetzt ängstlicher seien als es während der ersten Krankheitswelle der Fall war. „Obwohl wir hier im Bürgerbus den Infektionsschutz sehr ernst nehmen“, unterstreicht der Werdohler. Er betont: „Wir freuen uns über jeden Fahrgast.“ Zumal er das geringere Fahrgastaufkommen nicht nur mit der Pandemie in Verbindung bringt. „Die Schließung des WK-Warenhauses spielt sicher auch eine Rolle“, glaubt Alfred Kleinherne; denn: „Donnerstags, am Markttag, ist der Bus bisher noch gut ausgelastet.“

Um 10.25 Uhr endet für den Werdohler der erste Teil seines Vormittagseinsatzes hinter dem Steuer. Insgesamt drei unterschiedliche Touren ist er bisher gefahren – sieben Werdohler hat er befördert. Einige hatten Einkäufe zu erledigen, andere waren beim Arzt.

Mehrarbeit für die Fahrer

Die Pause vor dem Beginn der zweiten Tour am Werdohler Bahnhof nutzt der ehrenamtliche Fahrer dann nicht nur zum Durchatmen, auch das Lüften und Desinfizieren des Busses steht wieder auf dem Programm.

Das macht dem Ehrenamtler aber nichts aus: „Damit kommen wir zurecht. Die Hauptsache ist, dass wir weiterhin für die Werdohler fahren können.“

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