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Impfung und Test: Wer profitiert und wer darunter leidet

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Von: Volker Griese

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Fitness-Trainer Axel Weber möchte in seinem Fitnessstudio in Ütterlingsen zunächst keine beaufsichtigten Selbsttests anbieten. Er scheut den Aufwand und sagt: „Wir warten erst mal ab.“
Fitness-Trainer Axel Weber möchte in seinem Fitnessstudio in Ütterlingsen zunächst keine beaufsichtigten Selbsttests anbieten. Er scheut den Aufwand und sagt: „Wir warten erst mal ab.“ © Henrik Wiemer/Digitalbild

Die neue Coronaschutzverordnung, die seit Donnerstags in Kraft ist, sieht für einige Geschäftsbereiche Verschärfungen vor, andere Branchen profitieren von einer gewissen Lockerung. Die Redaktion hat sich umgehört bei Gastronomen und bei Betreibern von Fitness- und Sonnenstudios.

Werdohl ‒ Iris Schweitzer, die mit ihrem Ehemann Thomas Schweitzer das Werdohler Sonnenstudio an der Bahnhofstraße betreibt, hatte noch vor wenigen Tagen beklagt, dass ihren sonnenhungrigen Kunden eine Testpflicht auferlegt und ihre Branche damit mit Wellnesseinrichtungen und Hallenbädern in einen Topf geworfen werde.

Jetzt dürfen sich immerhin geboosterte Kunden ohne Test unter die künstliche Sonne legen, und (beaufsichtigte) Antigen-Schnelltests könnten die Schweitzers vor Ort anbieten. „Das ist gegenüber der alten Regelung schon ein großer Schritt in die richtige Richtung“, findet Iris Schweitzer.

So richtig zufrieden ist sie aber nicht. „Diese Verordnung ist und bleibt ein Witz. Warum wird nach ein paar Tagen immer wieder alles über den Haufen geworfen?“, fragt sie sich. Dennoch: Nach einer Woche Frust verschaffen der Sonnenstudiobetreiberin nicht nur die Testbefreiung für Geboosterte und die Möglichkeit der Vor-Ort-Tests etwas Erleichterung, sondern auch eine Erkenntnis: „Die meisten unserer Kunden sind ja mindestens doppelt geimpft.“ Damit haben sie die wichtigste Hürde zum Besuch des Sonnenstudios schon genommen.

Dimitrios Pantelidis ist nicht glücklich über die 2G-plus-Regel, die jetzt für die Gastronomie gilt, kann aber damit leben.
Dimitrios Pantelidis ist nicht glücklich über die 2G-plus-Regel, die jetzt für die Gastronomie gilt, kann aber damit leben. © Volker Heyn

Dass viele Menschen schon geimpft sind, oftmals sogar geboostert, hat auch Dimitrios Pantelidis festgestellt. Zusammen mit seinem Bruder Theofilos Pantelidis betreibt er die Kaffeebar Fábrica im Bahnhofsviertel und die Gaststätte Zum Spiegel in der Innenstadt. Dieser Umstand erleichtere den Gastronomen natürlich das Geschäft, weil Geboosterte die Lokale ja ohne zusätzlichen Test besuchen könnten, sagt Pantelidis. Glücklich ist er über die seit Donnerstag geltende 2G-plus-Regelung dennoch nicht, was nicht verwundert. „Ich bin Gastwirt und möchte Gäste willkommen heißen. Deshalb ist es immer unangenehm, wenn ich jemanden wieder wegschicken muss“, sagt Pantelidis.

Darum hielten er und sein Bruder in der Fábrica wie im Spiegel auch Tests für Besucher bereit, die sich spontan zu einem Besuch entschlossen haben, aber nicht den erforderlichen negativen Testnachweis vorlegen können. Ein regelrechtes Testangebot wollen sie aber nicht machen, stattdessen situativ handeln. „Wenn viel Betrieb ist, haben wir keine Zeit, auch noch einen Schnelltest zu beaufsichtigen“, erklärt Pantelidis. „Andererseits: Wenn eine Gruppe mit zehn Personen kommt, von denen eine nicht geboostert oder getestet ist, ermöglichen wir natürlich einen Schnelltest vor Ort.“

Ein wenig Erleichterung verschaffen die neuen Regeln Axel Weber, der in Ütterlingsen die Fitness AG betreibt – derzeit wegen der Einschränkungen allerdings zu Sonderöffnungszeiten. Etwa 70 Prozent der Mitglieder des Fitnessstudios seien geboostert, schätzt er. Damit könnten sie die Einrichtung nun ohne zusätzlichen Test nutzen. Auch Schüler bis 16 Jahre benötigen keinen Negativ-Test, wenn sie ihren Schülerausweis vorlegen. Weber glaubte am Donnerstag bereits einen stärkeren Zulauf feststellen zu können als zuletzt.

Von der Möglichkeit des beaufsichtigten Vor-Ort-Tests möchte Axel Weber aber vorerst keinen Gebrauch machen und nennt mehrere Gründe dafür. Das Ordnungsamt verlange dafür geschultes Personal und einen separaten Raum, sagt er. Zudem bedeute das Testen zusätzliche Kosten, wenn die Sportler ihren Test nicht selbst mitbringen. Außerdem koste das Testen Zeit. „Die Testzentren sind da schneller: Wer sich dort testen lässt, hat das Ergebnis schon auf dem Handy, wenn er hier bei mir auf den Parkplatz fährt“, sagt Weber.

Und nicht zuletzt möchte er für die Beaufsichtigung der Tests auch nicht gerne Personal abstellen: „Es ist wichtiger, dass wir auf der Fläche präsent sind und Anleitungen geben oder beaufsichtigen.“ Ab Februar, so hofft Weber, könne er aber vielleicht wieder zum Regelberieb mit normalen Öffnungszeiten zurückkehren.

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