In Werdohl und Neuenrade

Impfkampagne der Unternehmen startet

Bei der Werdohler Stauff-Gruppe ist man beim Thema Impfen den meisten anderen Betrieben weit voraus: Bereits Mitte Mai wurde dort mit Astrazeneca geimpft. Geschäftsführer Carsten Krenz gehörte mit zu den ersten Mitarbeitern, die im Betrieb immunisiert wurden.
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Bei der Werdohler Stauff-Gruppe ist man beim Thema Impfen den meisten anderen Betrieben weit voraus: Bereits Mitte Mai wurde dort mit Astrazeneca geimpft. Geschäftsführer Carsten Krenz gehörte mit zu den ersten Mitarbeitern, die im Betrieb immunisiert wurden.

Beim größten Arbeitgeber in Werdohl wird ab Donnerstag geimpft – VDM-Sprecher Philipp Verbnik bestätigte, das in dieser Woche die ersten Mitarbeitenden der Werke vom Stammsitz in Werdohl sowie aus Altena und Unna gegen das Coronavirus geimpft werden sollen.

In der Woche darauf seien die kleineren Werke in Siegen und Frankfurt an der Reihe.

Vorher wurde die Impfbereitschaft bei VDM Metals abgefragt, bislang hätten sich 450 Männer und Frauen in die Liste der Impfwilligen eingetragen. VDM Metals wird medizinisch vom Werksarztzentrum Mittel-Lenne mit Niederlassungen in Plettenberg und Altena betreut. Ein Werksarzt-Impfteam werde am Donnerstag in das Werdohler Werk kommen, eine kleine Impfstraße sei dort bereits vorbereitet.

An dem Tag sollen 149 Mitarbeitende vermutlich mit Biontech geimpft werden. Verbnik: „Wir freuen uns, dass das bis jetzt so gut geklappt hat.“ Das Gesundheitsmanagement und die Task-Force des Unternehmens hätten das Impfangebot lange vorbereitet. „Jeder, der sich auf die Liste eingetragen hat, wird geimpft“, so Verbnik. Da momentan noch nicht genug Impfstoff vorhanden sei, könne es für weitere Impftermine noch einige Zeit dauern. Die Abfrage bei den Werksangehörigen laufe bereits seit zwei Wochen. Es werde weiter betriebsintern Werbung dafür gemacht, damit wirklich jeder und jede ein Impfangebot bekomme könne, so Verbnik

Insgesamt rund 2000 Mitarbeiter

Insgesamt beschäftigt die VDM Metals Group rund 2000 Menschen. Eine Quote zur Impfbereitschaft ließe sich aber nicht ableiten, so Verbnik. Eine nicht zu bestimmende Zahl von Mitarbeitenden sei bereits durch Hausärzte geimpft. Verbnik selbst zum Beispiel ist schon erstimmunisiert: Die Frau des 38-Jährigen ist schwanger.

„Wir bei VDM sind guter Dinge, dass wir Corona gut überstehen“, so Verbnik. Eine große Infektionswelle im Betrieb sei bislang ausgeblieben. Zurzeit gebe es lediglich drei positiv geteste Mitarbeiter. In der Spitze seien es mal 14 Infizierte gewesen – von 2000 Leuten in der Gesamtbelegschaft. Verbnik: „Das ist jedenfalls alles sehr beruhigend für die hoffentlich letzten Tage der Pandemie.“

300 Firmenkunden beim Ifam-Institut

Groß ins Impfgeschäft eingestiegen ist das in Neuenrade ansässige Institut für Arbeitsmedizin Ifam. Am Dienstag wurden im eigens eingerichteten Impfzentrum die komplette Belegschaft einer benachbarten Firma aus Küntrop geimpft. Insgesamt 102 Impfungen wurden am ersten Tag durchgeführt. Ifam-Geschäftsführer Moritz Marl sprach gegenüber unserer Zeitung von einem „Laufen lernen im eigenen Laufstall“. Nach dem Erproben der Abläufe im eigenen Hause sollen ab kommender Woche auch die Mitarbeitenden der Kundenbetriebe in deren Unternehmen geimpft werden. Marl sagte, dass das Ifam etwa 300 Betriebe im Sauerland mit ärztlichen und medizinischen Leistungen betreue. Er rechnet damit, von den etwa 10 000 Mitarbeitenden der Kundenbetriebe rund die Hälfte in den nächsten Wochen impfen zu können.

Arbeitgeberverband kritisiert Impfstoffmenge

Beim Märkischen Arbeitgeberverband heißt es, dass man es grundsätzlich begrüßt, dass Betriebsärzte mit Impfzentren zusammenarbeiten können. „Aber“, so Dr. Andreas Weber, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit, „der Impfstoff bleibt Mangelware. Es ist zu wenig avisiert. Die Betriebsärzte werden auf keinen Fall genug Impfstoff haben.“ So sehe er ein grundsätzlich richtiges politisches Signal, doch es sei wenig effektiv.

Seit einigen Wochen sei man bei Ifam mit den Kunden in Kontakt, um Wünsche abzufragen, mögliche Abläufe zu klären und Anamnesebögen zu verschicken. Zu Beginn habe er versucht, individuelle Wünsche der Kunden zu berücksichtigen. Das sei aber im Augenblick noch nicht realisierbar. In der momentanen Situation habe sich das Neuenrader Institut dazu entschlossen, zunächst die Logistik im eigenen Hause auszuprobieren.

Enormer logistischer Aufwand

Das bedeutet, das am Dienstag vier Ärzte parallel knapp 100 Leute aus der Belegschaft des Küntroper Betriebs impften. Das Unternehmen habe übrigens darauf bestanden, alle auf einmal impfen zu lassen, ungeachtet möglicher Folgen durch Impfreaktionen.

Der logistische Aufwand für Ifam-Geschäftsführer Moritz Marl scheint enorm gewesen zu sein: „Heute ist der erste Tag, wo ich selbstbewusst sagen kann, dass hier alles gut klappen wird.“ Er und die Mitarbeitenden hätten extrem flexibel auf Anforderungen aller Art reagieren müssen. Wesentlich sei, dass die IT-Prozesskette der Datenerfassung und -verarbeitung zu 100 Prozent sauber laufe: „Der Rest ist kein Hexenwerk.“

Für die erste Massenimpfung habe das Ifam eine ausreichende Menge Impfstoff bekommen. Am Ende des Tages wurde eine Meldung an das RKI gemacht, damit sei der Tag erfolgreich verlaufen. Über die Abrechnung mit der Kassenärztlichen Vereinigung mache er sich erst später Gedanken. „Wir wollen möglichst flott so viele Menschen wie möglich impfen“, so Marl. Es sei ihm ein persönliches Anliegen, einen Beitrag im Kampf gegen die Pandemie leisten zu können.

Vossloh wird auch vom Ifam betreut

In der kommenden Woche werde damit begonnen, Ifam-Teams in die Kundenbetriebe zu schicken. Ein sehr großer Kunde in Werdohl ist das Werk des Felgenherstellers Superior Industries in Dresel. Dort werde eine Impfzentrum in der Firma eingerichtet, das so groß dimensioniert sei, dass auch weitere Firmen aus Werdohl ihre Mitarbeitenden dort zum Impfen schicken könnten.

Dass die Informationslage über das genaue Impfprocedere in den Firmen selbst noch nicht allzu gut ist, war bei der Vossloh AG in Werdohl zu bemerken. Vossloh-Pressesprecher Gundolf Moritz erklärte auf Nachfrage lediglich, dass der weltweit operierende Konzern für Bahninfrastruktur vom Neuenrader Ifam betreut werde. Bislang sei Vossloh beim Ergattern von Impfdosen leer ausgegangen, so Moritz. Ob es Impfungen im Werk am Bahnhof geben werde, wisse er nicht. Die Mitarbeitenden könnten sich freiwillig melden, wie viele es sind, wisse er auch nicht. Moritz: „Wir hoffen, dass alles möglichst schnell geht.“

Kracht ist noch in Planungen

Beim Familienunternehmen Kracht am Kettling in Werdohl sei man in Planungen für Impfungen von Mitarbeitenden, so Unternehmenssprecher König. Er könne dazu allerdings derzeit noch keine klare Aussage treffen. Bei Kracht arbeiten in allen Werken zusammen etwa 400 Menschen.

Der Hydraulikkomponenten-Hersteller Stauff startete seine innerbetrieblichen Impfmaßnahmen bereits Mitte Mai. Ziel des Unternehmens war es, allen Beschäftigten, die sich gegen Covid-19 impfen lassen möchten, zeitnah ein Impfangebot zu unterbreiten. Für Stauff sind am Hauptsitz in Werdohl, in den Werken in Plettenberg und Meinerzhagen, dem Logistikzentrum in Neuenrade und im Digitalstandort in Dortmund rund 550 Menschen tätig. In mehreren Terminen im Werk wurde von externen Allgemeinmedizinern ausschließlich der Impfstoff von Astrazeneca verabreicht, erklärte Niclas von Seidlitz, Personalleiter bei Stauff Deutschland.

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