Immer mehr Zeckenstiche in Werdohl

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Joanna Szajna rät zu vorbeugendem Zeckenspray. ▪

WERDOHL ▪ Derzeit finden sich täglich Patienten mit Zeckenstichen in der Praxis des Werdohler Allgemeinmediziners Thomas Greif ein. „Leider ist die Zahl steigend“, berichtet der Arzt.

Auch wenn sie nur stecknadelkopfgroß sind können Zecken sehr gefährlich für Menschen sein, denn sie übertragen unter anderem Borreliose, an der nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts jedes Jahr in Deutschland etwa 80 000 bis 230 000 Menschen erkranken.

Nach einem Stich wird meistens zuerst die Haut an der Einstichstelle rot. Das ist aber nicht immer so. Das Opfer kann Kopfweh, Fieber und Muskelschmerzen bekommen. Wenn die Krankheit nicht behandelt wird, können später Gelenke und das Nervensystem und manchmal auch das Herz krank werden. Wird die Krankheit sehr lange nicht behandelt, kann sie sogar Lähmungen hervorrufen.

„Eine Impfung gegen Borreliose gibt es nicht“, erklärt der Werdohler Allgemeinmediziner Thomas Greif. Wer eine Zecke an sich entdeckt, solle sie sofort entfernen.

Dazu eignen sich eine Zange oder eine Zeckenkarte, erklärt die pharmazeutisch-technische Assistentin Joanna Szajna. Zudem rät sie, einem Zeckenstich mit Spray vorzubeugen.

Wer beim Entfernen des Insekts nicht alle Teile aus der Haut heraus bekommt, oder wenn sich die Haut rötet und sich Kreise bilden, sollte ein Arzt aufgesucht werden, so Greif. Denn: „Patienten mit Borreliose bekommen ein Antibiotikum verschrieben.“

Durch den Klimawandel und die damit einhergehende Erwärmung sei die Zahl der Zeckenstiche und der Borreliose-Patienten stark angestiegen. „Inzwischen gibt es kaum noch eine Atempause. Ich habe bis November Patienten mit Zeckenstichen“, berichtet Greif. Aber nicht jede Zecke überträgt Borreliose. In Deutschland haben weniger als ein Viertel aller Zecken das Borreliose-Bakterium in sich.

Wer nach einem Zeckenstich wissen will, ob er mit einem Borreliose-Bakterium infiziert wurde, kann einen Schnelltest aus der Apotheke durchführen. Joanna Szajna erklärt wie es geht: „Die Zecke kommt in ein Proberöhrchen und wird zerdrückt. Anschließend kommt das mitgelieferte Lösungsmittel dazu. Ein Tropfen des Gemisches wird dann in eine Testkassette geträufelt. Nach zehn Minuten ist das Ergebnis ablesbar. C steht für negativ und T für positiv“.

Zecken lassen sich besonders gern hinterm Ohr, in den Kniekehlen und am Ellbogen nieder, weiß Szajna. Vorwiegend halten sie sich in niedrigem bis mittelhohem Gras und in Büschen auf. Neben der Borreliose ist die Hirnhautentzündung die zweite, durch Zeckenstiche übertragene Krankheit. „In unserer Region gibt es Zecken, die Hirnhautentzündung übertragen, noch nicht“, gibt der Mediziner an. Aber: „Sie sind schon bis nach Süd-Hessen vorgedrungen“. Im Gegensatz zur Borreliose gibt es gegen die Hirnhautentzündung eine Dreifachimpfung. Nach der Erstimpfung müsse eine Zweite nach vier Monaten und eine Dritte nach sechs bis zwölf Monaten erfolgen. „Es ist wichtig, die Folgeimpfungen vorzunehmen. Wenn man immer wieder von vorn anfangen muss, kann es zu Impfkomplikationen führen“, warnt der Allgemeinmediziner. ▪ jape

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