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Keine Schutzräume: Bei Angriff sollen Bürger „in den Keller gehen“

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Von: Volker Griese

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Nudeln, Zucker, Mehl, Milch und Salz: Der Märkische Kreis empfiehlt, sich für Krisenzeiten einen Notvorrat zuzulegen.
Nudeln, Zucker, Mehl, Milch und Salz: Der Märkische Kreis empfiehlt, sich für Krisenzeiten einen Notvorrat zuzulegen. © Riedl / dpa

Nach Ende des Kalten Krieges hat Deutschland hunderte von Bunkeranlagen stillgelegt. Im Moment gibt es nur noch rund 600 öffentliche Schutzräume. Das will Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) angesichts neuer militärischer Bedrohungen jetzt ändern. Doch gibt es überhaupt noch Schutzräume? Wo befinden sich solche Anlagen in Werdohl und Umgebung?

Werdohl – Die bundesweit rund 600 Zivilschutz-Bunker sind seit Jahrzehnten stillgelegt. Mit dem Fall der Mauer und der Beendigung des Ost-West-Konflikts sei das Szenario eines konventionellen Krieges mit großflächigen Bombardierungen und dem Einsatz chemischer und nuklearer Waffen als nicht mehr zeitgemäß erschienen, erklärte das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) bereits im Frühjahr gegenüber dem Mitteldeutschen Rundfunk (MDR).

Vor diesem Hintergrund ist es wenig überraschend, dass auch in Werdohl keine Schutzräume vorhanden sind. Die habe es auch im Zweiten Weltkrieg nicht gegeben, sagte Ordnungsamtsleiterin Andrea Mentzel auf Nachfrage. „Firmen hatten seinerzeit nach der Erinnerung von Kollegen Schutzkeller für ihre Beschäftigten“, sagte sie. Sie gehe davon aus, dass im Falle einer Bedrohung die zuständigen Behörden die Bevölkerung darüber informieren werden, welche Maßnahmen nach Möglichkeit zu ergreifen sind und wie ein geeigneter Schutz aufgesucht werden kann, erklärte Mentzel weiter.

Warten auf zivilen Alarmplan

Bei der Stadt Werdohl beschäftigt sich Mentzels Angaben zufolge ein Stab für außergewöhnliche Ereignisse (SAE) zusammen mit der Arbeitsgruppe Bevölkerungsschutz des Märkischen Kreises mit dem Zivilschutz. „Derzeit geht es in diesem Stab in erster Linie um Gefahrenabwehr bei einem Blackout und einer Gasmangellage“, erläuterte die Ordnungsamtsleiterin. Für übergreifende Gefahrenlagen sei der Kreis zuständig, die Kommunen unterstützten nach ihren Möglichkeiten.

Der Märkische Kreis seinerseits verweist darauf, dass der Zivilschutz Aufgabe des Bundes sei, der derzeit zusammen mit den Bundesländern einen zivilen Alarmplan erarbeite. Sobald dieser Plan vorliege, werde der Kreis die Maßnahmen umsetzen. „Die Thematik Zivilschutz wird zudem derzeit im Fachdienst Brand- und Bevölkerungsschutz bearbeitet. Ein Krisenstab ist aktuell nicht aktiv, kann aber jederzeit aktiviert werden, sollte dies für erforderlich gehalten werden“, erklärte Kreis-Pressesprecher Alexander Bange weiter. Darüber hinaus stehe der Kreis im ständigen Austausch mit dem Kreisverbindungskommando der Bundeswehr.

Info-Flyer für 221.000 Haushalte

Von Schutzräumen im Märkischen Kreis habe die Kreisverwaltung keine Kenntnis, sagte Bange. „Im unwahrscheinlichen Falle eines Angriffs gibt es die Empfehlung, sich zum Beispiel in Kellerräume zurückzuziehen“, ergänzte er.

Zur Stärkung des Zivilschutzes empfehle der Kreis der Bevölkerung, ausreichende Maßnahmen zu treffen, die auch bei anderen Krisen zu treffen sind: Hilfe zur Selbsthilfe und Not-Bevorratung. Informationen gebe es zum Beispiel in einem Flyer, den der Bevölkerungsschutz gemeinsam mit weiteren Beteiligten des Märkischen Kreises entworfen und gestaltet habe, teilte Bange mit. Dieser Flyer sei Ende November per Post an 221.000 Haushalte im Märkischen Kreis verteilt worden. „Darüber hinaus gibt es im Internet Übersetzungen in mehrere Sprachen und eine komplett überarbeitete Homepage zum Bevölkerungsschutz mit vielen nützlichen Tipps und Hinweisen“, sagte der Pressesprecher.

Ob schweres Unwetter, Waldbrände, ein großflächiger Stromausfall oder eine andere große Krise: Im Ereignisfall informiert der Märkische Kreis die Bevölkerung auf einer speziellen Internetseite.

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