Polizei ermittelt

Illegales Spielcasino während des Lockdowns im MK? Beteiligter nennt kuriose Begründung

Das Restaurant „Vier Jahreszeiten“ an der Dammstraße liegt am Ende des Schützenplatzes und grenzt unmittelbar an den städtischen Westpark an. Nach Aussage der Polizei wurde hier illegales Glücksspiel betrieben.
+
Das Restaurant „Vier Jahreszeiten“ an der Dammstraße liegt am Ende des Schützenplatzes und grenzt unmittelbar an den städtischen Westpark an. Nach Aussage der Polizei wurde hier illegales Glücksspiel betrieben.

In der Nacht zum 21. Mai fand die Polizei im ehemaligen Schützenhof an der Dammstraße 28 Personen, sechs Geldspielgeräte und Spieltische für Black Jack und Poker. Wegen Verdachts auf illegales Glücksspiel ermittelt die Staatsanwaltschaft. Der Bruder des Gastwirts behauptet, es habe sich um eine „Selbsthilfegruppe gegen Spielsucht“ gehandelt.

Werdohl – In der Nacht zum 21. Mai durchsuchten starke Kräfte der Polizei das Gebäude mit dem Restaurant „Vier Jahreszeiten“ an der Dammstraße in Werdohl. Dabei stießen sie auf eine Spielhalle mit sechs Spielautomaten sowie Poker- und Black-Jack-Tischen. Von insgesamt 28 Personen im Gebäude wurden die Personalien aufgenommen.

StadtWerdohl
LandkreisMärkischer Kreis
Einwohner17.657

Illegales Glücksspiel im MK? Bruder des Wirts: „Selbsthilfegruppe gegen Spielsucht“

Einer davon war Sascha Lavric, nach eigenen Angaben der Besitzer des Gebäudes. Der 45-Jährige meldete sich eine Woche nach dem Vorfall in der Redaktion und bat darum, eine Erklärung abgeben zu dürfen. Die Kurzfassung: Bei Personen, Geldspielgeräten und Spieltischen habe es sich um eine „Selbsthilfegruppe gegen Spielsucht“ gehandelt.

Dieses Foto veröffentlichte die Polizei. Es zeigt einen Raum im Gebäude an der Dammstraße, der wie ein Spieltisch in einem Casino aussieht.

Man habe an dem Tag der Durchsuchung durch die Polizei zwar gegen die Corona-Schutzverordnung verstoßen, nicht aber gegen Gesetze. Es habe kein illegales Glücksspiel gegeben, es sei überhaupt nicht um Geld gespielt worden. Es sei auch kein Geld auf den Tischen entdeckt worden.

Polizei ermittelt wegen illegalem Glücksspiel im MK - Polizei entdeckt Gruppe zufällig

Lavric selbst sei von der Polizei untersucht und befragt worden. Seine Auffassung, es handele sich um eine „Selbsthilfegruppe“, habe er auch der Polizei so mitgeteilt. Polizei und Staatsanwalt untersuchen den Sachverhalt, es wurden Ermittlungen wegen unerlaubten Glücksspiels aufgenommen.

Im Polizeibericht hieß es, dass sich zum Zeitpunkt der Kontrolle 28 Personen im Gebäude befunden haben. Die Sache war ans Licht gekommen, weil kurz vor 1 Uhr in der Nacht zu Freitag einer Polizeistreife ein Mann aufgefallen war, der sich vor dem abseits der Innenstadt gelegenen Restaurant aufhielt – damals galt die Ausgangssperre nach 22 Uhr.

Als bei dem Mann relativ viel Bargeld gefunden wurde und sich die Anzeichen nach mehreren Personen im Gebäude verdichteten, zogen die Beamte Verstärkung zusammen und umstellten das weitläufige Gebäude.

Illegales Glücksspiel im MK? Polizei findet Bargeld und teure Uhren

Die Beamten durchsuchten alle Anwesenden und stellten einen niedrigen fünfstelligen Bargeldbetrag und hochwertige Uhren sicher. Die Tatverdächtigen sind nach Polizeiangaben zwischen 23 und 58 Jahren alt und haben ihre Wohnsitze in Werdohl, Plettenberg, Lüdenscheid, Balve, Neuenrade und Werl.

Für Sascha Lavric ist das alles eine Art Missverständnis. Er tischt eine fantastische Geschichte auf: Er selbst sei spielsüchtig und kenne Leute, die ihre Familien mit ihrer Sucht in Bedrängnis gebracht hätten. Zuerst habe man sich in Wohnungen oder Kellern getroffen. Dann habe er Räume im ehemaligen Schützenhof für die „Selbsthilfegruppe“ hergerichtet. Mit Hilfe von Geldspielautomaten habe man zeigen wollen, wie viel Geld in so einem Gerät verschwinde.

Warum die Polizei Bargeld und teure Uhren gefunden hat? Lavric: „Ich hatte an dem Abend 2800 Euro in bar dabei. Ich habe gerne Bargeld. Ich mag kein Plastikgeld. Das war legales Geld, das hatte ich versteuert.“ Sein Bruder Tomislav, der der Betreiber des Restaurants sei, habe mit der Sache nichts zu tun. Mit seinem Bruder teile er die Leidenschaft, schöne Uhren zu besitzen. „Wir beide zusammen haben acht Rolex. Man kauft sich ab und zu mal was Schönes,“ sagte Lavric.

Von seiner eigenen Spielsucht sei er überrascht worden: „Ich habe nicht geglaubt, dass es sowas gibt.“ In der „Selbsthilfegruppe“ habe er „grundsätzlich nicht erlaubt, dass um Geld gespielt wird.“ Überhaupt habe das Casino rein gar nichts mit dem Restaurant zu tun.

Lavric weiß, dass seine Geschichte frei erfunden klingt. Er dürfte damit die Konzession seines Bruders Tomislav als Gastwirt des Restaurants schützen wollen. Sascha Lavric, der auf kroatischer Seite im Balkankrieg gekämpft haben will, habe nur „etwas Gutes“ tun wollen.

Ein Gericht wird entscheiden, wie es weitergeht.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare